tests/23-02-03_cengrand
 

Cen.Grand 9i-906 „Silver Fox“

03.02.2023 // Dirk Sommer

Wegen der höheren verfügbaren Spannung empfiehlt Cen.Grand in der Bedienungsanleitung „BTL“ für Kopfhörer mit hoher Impedanz, „Paralle“ für solche mit mittlerer und schließlich „Normal“ für solche mit niedriger. Ich würde allerdings raten, beim eigenen Kopfhörer alle Betriebsarten auszuprobieren und nach eigenen klanglichen Präferenzen zu entscheiden. Cen.Grand setzt offensichtlich vorrangig die Impedanz und die Strom- und Spannungslieferfähigkeit der jeweiligen Ausgangskonfigurationen in Beziehung. Um es noch einmal deutlich zu machen: Auch an den Buchsen zum Anschluss symmetrischer Kopfhörer liegt nur bei der Betriebsart „BTL“ ein symmetrisches Signal an. Drückt man die „OUT“-Taste zur Wahl der Ausgangskonfiguration länger als drei Sekunden, hat man zusätzlich die Wahl zwischen „High impedance“, „Low impedance 1“, „2“ und „3“. Der 9i-92SA III bot die Wahl zwischen „High“ und „Low, wobei Cen.Grand die hohe Impedanz – und damit eine höhere Ausgangsspannung – empfahl, wenn der angeschlossene Kopfhörer einen Widerstand von 100 oder mehr Ohm aufweist. Weder die Website zum 9i-906 noch dessen Bedienungsanleitung geben Hinweise darauf, mit welchen Lasten eine der vier Impedanz-Einstellungen beim Topmodell zu wählen ist. Hier hilft nur, ein wenig zu experimentieren.

Die vierpolige XLR-Buchse, die ich ausschließlich genutzt habe
Die vierpolige XLR-Buchse, die ich ausschließlich genutzt habe

Nachdem ich dem Cen.Grand zwei Tage Dauerbetrieb gegönnt habe, setze ich den Audeze LCD-X auf und klicke mich durch die verschiedenen Ausgangskonfigurationen: Die leiseste ist „Active G“, dann folgen überraschenderweise „Normal“ und „BTL“ nahezu gleichauf. „Paralle“ ist dann noch einmal ein klein wenig lauter, und diese Einstellung gefällt mir bei der zweiten Version des Titelstücks von Van Morrisons Inarticulate Speech Of The Heart am besten, weil sie etwas voller und minimal runder klingt – natürlich nach erfolgter Lautstärkeanpassung. Dazu hatte ich – noch vor dem Gespräch mit dem Entwickler des Silver Fox – „Low impedance 1“ eingestellt. Der Wechsel auf „2“ und „3“ machte die Wiedergabe in fast homöopathischen Dosen leiser, der zu „High impedance“ verursachte dann einen beträchtlichen Lautstärkesprung. Die Impedanz-Einstellung korreliert also eindeutig mit der Ausgangsspannung.

Wie JianHui Deng, der Entwickler des Silver Fox ausführte, wird aber an der Ausgangsspannung selbst nichts geändert, sondern es werden lediglich Widerstände von 50, 100 oder 150 Ohm in den Signalweg gelegt, um für hoch empfindliche In-Ears das Grundrauschen der Schaltung weiter zu reduzieren. Das liege bei 60 Mikrovolt und könne bei normal empfindlichen Kopfhörern komplett ignoriert werden. Die Schaltung des 9i-906 sei im Prinzip die einer Endstufe, sehr komplex und mehrstufig aufgebaut. Deshalb sei der Silver Fox auch nicht als Vorstufe geeignet. Eine solche sollte seiner Meinung nach eine möglichst einfache Schaltungstopologie besitzen. Auf die Frage, warum der 9i-906 über keine „Cross-Feed“ oder Matrix-Schaltung verfüge, die die Kopfhörerwiedergabe ein wenig an die über Lautsprecher annähere, meinte er, dass Hifi-Komponenten so nah am Original sein sollten wie möglich und er deshalb klangverändernde Funktionen nicht in seine Komponenten integrieren werde. Abschließend rät er noch, alle Kopfhörer erst einmal im „High impedance“-Modus auszuprobieren und es bei diesem zu belassen, wenn man in Spielpausen kein störendes Rauschen vernimmt.

Der „Silver Fox“ ist rundum hervorragend verarbeitet. Er bietet vier Analog-Eingänge, zwei symmetrische und zwei unsymmetrische
Der „Silver Fox“ ist rundum hervorragend verarbeitet. Er bietet vier Analog-Eingänge, zwei symmetrische und zwei unsymmetrische


  • dCS Varèse – weitere Erfahrungen

    Während einer Präsentation bei Audio Reference vor den Norddeutschen Hifi-Tagen konnte ich erstmals dasStatement in High Fidelity neue Topmodell von dCS, den fünfteiligen Streamer/DAC Varèse, hören. Er klang einfach unglaublich gut – im wahrsten Sinne des Wortes. Vor kurzem hatte ich die Gelegenheit, meine Erfahrungen im Hörraum in Hamburg zu intensivieren. Bei der ersten Demonstration verglich Alasdair McDonald, der Export Sales Manager von dCS, den Varèse mit dem Vivaldi-Trio (https://www.hifistatement.net/tests/item/3591-dcs-vivaldi-master-clock-upsampler-und-apex-dac), das vor etwa drei Jahren…
    20.03.2026
  • Cayin Pearl 30d und Pearl 30c

    Auf der HighEnd 2024 präsentierte Cayin zum 30-jährigen Marken-Jubiläum die Pearl Modelle. Dazu gehören der D/A-Wandler Pearl 30d und der CD-Transport Pearl 30c. Beide imponieren nicht allein durch ihre prachtvolle Erscheinung. Auch technisch sind sie enorm aufwändig. Da stellt sich besonders die Frage nach der Relevanz eines solchen CD-Laufwerks. Die HighEnd liegt nun beinahe zwei Jahre zurück. Als Cayin Deutschland-Chef Thomas Deyerling im Januar meine Anfrage nach einem Test dieser Kombi positiv beantwortete, war ich…
    10.03.2026
  • Wilson Benesch Prime Meridian System

    Der erste, recht lange Artikel über Wilson Beneschs Prime Meridian System beschäftigte sich nur mit der Laufwerkseinheit, bestehend aus OMEGA Drive, ALPHA Drive, dem FrACTal Dämpfungssystem, in dem Motor und Tonarm montiert sind, und dem R1 Rack. Nun geht es neben der Vorstellung des Tonarms und des Abtasters endlich um den Klang des Plattenspielers. Dass der Plattenteller des Prime Meridian Systems von einem Motor mit dem anderthalbfachen Durchmesser einer Langspielplatte und damit vom größten Antrieb,…
    04.03.2026
  • Wilson Benesch Prime Meridian System – eine Annäherung

    Den ersten Plattenspieler von Wilson Benesch beschrieb ich 1996, den zweiten zwei Jahre später. Da sollte es kein großes Ding sein, auch den dritten für einen Test zu bekommen. Dachte ich. War es dann aber doch – aus mehreren Gründen: Er ist ein wirklich großes Ding, wiegt über 350 Kilogramm, und das dazugehörige White Paper umfasst 138 Seiten. Dass das Prime Meridian System, wenn ich mich richtig erinnere, das bisher teuerste Testobjekt in der Geschichte…
    24.02.2026
  • Takumi TT level 2.1DC

    Der Niederländer Rik Stoet, bekannt durch Röhrenverstärker, die unter den Markennamen Heart und Stoet Kit vertrieben wurden, hat eine neue Leidenschaft für sich entdeckt: Die Entwicklung und Herstellung von Plattenspielern. Als mir der Takumi TT level 2.1DC Plattenspieler zum Test angeboten wurde war mein erster Gedanke: Endlich wieder Vinyl, endlich wieder analog. Nicht, dass mir das Testen von digitalen Audiokomponenten zu irgendeiner Zeit langweilig geworden wäre, aber das analoge Hören, der Umgang mit den Schallplatten,…
    17.02.2026
  • Gold Note HP-10 deluxe und PSU-10 Evo

    Der Gold Note HP-10 deluxe Kopfhörer-Verstärker spricht auf den ersten Blick eher den anspruchsvollen Nutzer an. Er bietet vielfältige Möglichkeiten, die in dieser Kombination wohl einzigartig sind. Anders als moderne Alternativen aus Fernost setzt Gold Note auf hochkarätige Analog-Technik. Nutzt der Bedienungskomfort auch der Klangqualität? Die Typenbezeichnung deluxe täuscht. Denn die zwei weiteren, preisgünstigeren Alternativen, der Gold Note HP-10 BT oder der HP-10 ohne jeglichen Zusatz, sind keineswegs weniger luxuriös. Ihnen fehlt nur etwas Ausstattung,…
    10.02.2026

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.