tests/23-03-03_lan
 

Audioquest, SOtM und Waversa: LAN

03.03.2023 // Dirk Sommer

Doch bevor ich zum praktischen Teil komme, erlauben Sie mir bitte eine Abschweifung: Prinzipiell können meiner Erfahrung nach weitere Tuning-Maßnahmen ab einem gewissen Punkt an wirkungslos oder gar klangverschlechternd wirken. So spielte beispielsweise die hervorragende Kaiser Acoustics Kawero! Classic dank einiger Besuche ihres Entwicklers in meinem Hörraum und nicht zuletzt durch den Einsatz von Harmonix Room Tuning Disks und Acoustic System Resonatoren – vulgo Klangschälchen – auf einem extrem hohen Niveau, als Rainer Weber Tuning-Elemente eines deutschen Herstellers mitbrachte, die sich in seinem Hörraum ungemein positiv bemerkbar gemacht hatten. In meinem Raum, in dem auch noch ein Schumann-Resonanz-Generator von Acoustic Revive, der RR-77, aktiv war, brachten die an anderer Stelle so segensreichen Tuning-Teile rein gar nichts! Vielleicht hatte ich in meinem Raum ja schon genug getan. Ich kann mich auch noch sehr gut daran erinnern, wie enttäuscht ich war, als ein Sieveking Quantum Noise Generator in meinem Arbeitszimmer nicht die geringste Wirkung entfaltete. Und wie groß und positiv sie war, als ich ihn im akustisch so gut wie unbehandelten Wohnzimmer – hier habe ich keinerlei Hifi-Hoheit – mit dem Netz verband. Nicht immer gilt: Viel hilft viel. Meine bisherige Arbeitshypothese lautet daher: Selbst die Kombination unterschiedlicher Tuning-Maßnahmen in Raum oder Kette können Verbesserungen bringen. Aber irgendwann ist es genug. Wo diese Schwelle liegt, lässt sich allerdings nur durch Experimentieren herausfinden.

Das iSO-CAT6 wird mit diesem kurzen Kabel geliefert
Das iSO-CAT6 wird mit diesem kurzen Kabel geliefert

Nach meinen bisherigen Erfahrungen ist die Bekämpfung von Rauschen und hochfrequenten Einstreuungen sowie eine hochpräzise Taktung der Signale in digitalen Wiedergabeketten so wichtig, dass fast jede – auch zusätzliche – Maßnahme Erfolg verspricht. Trotz galvanischer Trennung durch natürlich von Linear-Netzteilen gespeiste ADOT-Medienkonverter und der Verwendung des PowerSwitch D-TC Supreme, das mit speziellen Ansuz-Technologien wie „Active Tesla Coils“, „Analog Dither Circutry“ und „Anti Aerial Resonance Coils“ Rauschen und HF-Schmutz bekämpft, waren die Waversa Isolator Ext1 in meiner Kette so wirkungsvoll, dass ich sie gleich gekauft habe. Eine weitere galvanische Trennung und Neu-Taktung des USB-Signals zwischen dem Auralic Aries und dem DAVE-Wandler führte allerdings zu einer klanglichen Verschlechterung: Die Wiedergabe wirkte weniger dynamisch und einfach langweiliger. Und das, obwohl sich die Mutec MC-3 Smart Clock USB in den Ketten der Kollegen Gallowsky, Kemper, Schrätz und bei mir – außer nach einem Aries – als klanglich extrem positiv erwies. Roland Dietl erstand nach seinem Test gleich zwei Exemplare, die er meist in derselben Kette in Reihe geschaltet verwendet. Das zeigt nur wieder, dass sich die Effekte von zusätzlichem, oft klangverbesserndem Zubehör gerade in Kombination mit anderem nicht wirklich vorhersagen lassen.

Zentrales Bauteil im CAT6 ist der für LAN-Anwendungen konzipierte Trenntrafo von HanRun
Zentrales Bauteil im CAT6 ist der für LAN-Anwendungen konzipierte Trenntrafo von HanRun

Da hilft nur, es auszuprobieren, was ich zuerst mit der Audioquest-Carbon-Kabelbrücke zwischen dem Waversa Ext1 und dem ADOT-Medienkonverter in der Nähe des Routers tue. Egal, ob ich es nun wahr haben möchte oder nicht: Zwischen den beiden nicht einmal 20 Zentimeter langen LAN-Käbelchen ist ein Unterschied hörbar. Obwohl das Carbon zuvor noch von keinem Signal durchflossen wurde, sorgt es für einen Hauch mehr Klarheit und auch für einen Tick mehr Druck im Tieftonbereich. Die Ecken des Raumes scheinen deutlicher, die imaginäre Bühne wirkt rechteckig statt zuvor trapezförmig. Das sind beileibe keine krassen Unterschiede, doch solche, die bei einer hochauflösenden Kette eindeutig wahrzunehmen sind. Vor allem die minimal bessere Impulswiedergabe möchte ich nicht missen. Die Musiker scheinen mit etwas mehr Spielfreude zu agieren, was dem Hörgenuss zugute kommt. Außerdem kostet das Käbelchen wirklich nicht die Welt. Auch das zweite zwischen dem zweiten Waversa Ext1 und dem Eingang des Auralic Aries verhilft der Wiedergabe zu einer eine Nuance besseren Durchhörbarkeit, einer minimal überzeugenderen Raumdarstellung und einer eine Spur intensiveren rhythmischen Akzentuierung. Wer Beisitzer einer hochwertigen Anlage ist und die Waversa-Beipackstrippen benutzt, sollte die kleinen Stückchen Carbon unbedingt ausprobieren.


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