tests/23-05-05_psaudio
 

PS Audio DirectStream DAC MK2

05.05.2023 // Roland Dietl

Oben die beiden I2S-Eingänge, unten symmetrischer und unsymmetrischer Analogausgang
Oben die beiden I2S-Eingänge, unten symmetrischer und unsymmetrischer Analogausgang

Die Konfiguration des DSD MK2 geht über die Tasten an der Frontseite und das Display recht rasch. Als umständlich empfinde ich, dass nach der Auswahl einer Einstellung und deren Abspeicherung immer automatisch das gesamte Menü verlassen wird und man sich dann mit der nächsten Einstellung wieder von neuem durch die Menüs arbeiten muss. Schön wäre es, wenn das in einem zukünftigen Update der Benutzer-Firmware geändert werden könnte. Denn auch an dieser Stelle ist der DSD MK2 vollständig Software gesteuert. Die Benutzer-Firmware steuert die Funktionalitäten des DSD MK2 und ist nicht mit der Firmware für den FPGA (Digital-Analog-Wandlung) zu verwechseln. So wurden mit den inzwischen veröffentlichten Updates für die Benutzer-Firmware nicht nur Bugs beseitigt, sondern auch Funktionalitäten, wie DSD256 über USB oder die Balance-Regelung per Fernbedienung, nachgerüstet. Die nachfolgend dargestellten Möglichkeiten zur „Feinjustierung“ sind große Klasse, da hat sich jemand echt etwas dabei gedacht und das kenne ich aktuell bei keinem anderen DAC in dieser Form. Auf der Eingangsseite können wir mit der Funktion „Ground Lift“ für jeden Eingang (außer dem optischen) individuell festlegen, ob die Verbindung zwischen der Masse des DSD MK 2 und dem Abschirmungsleiter der angeschlossenen Audiokabel unterbrochen werden soll, so dass diese Kabel dann nur an ihrem anderen Ende geerdet sind. Auf der Ausgangsseite können wir für den symmetrischen Ausgang in ähnlicher Form wählen, ob Pin 1 mit der Masse des DSD MK 2 verbunden ist oder nicht. XLR-Verbinder haben in der Regel ein Metallgehäuse, das manchmal mit dem Schirm des Kabels, manchmal mit der Signalmasse des Kabels oder aber auch mit gar nichts verbunden sein kann. Die Einstellung „Shell-Lift“ bietet uns die Möglichkeit, bei Bedarf auch die Masseverbindung des Gehäuses der XLR-Verbindung von der Masse der DSD MK2 zu trennen.

Die Auswirkung dieser Einstellungen auf die Klangqualität hängt stark von der Konstruktion unserer verwendeten Mitspieler ab, insbesondere von der Abschirmung der Kabel, aber auch von dem Gerät auf der anderen Seite des Kabels, wie dieses intern verdrahtet ist und es mit Störgeräuschen auf dem Kabel umgeht. Eine allgemeine Empfehlung kann ich Ihnen an dieser Stelle nicht geben: Hier heißt es ausprobieren. So haben beispielsweise einige Kabel eine Abschirmung, die nur auf der Quellenseite angeschlossen ist. Hier sollte die Abschirmung oder die XLR-Masse möglicherweise mit der Systemmasse des DSD MK2 verbunden werden, um HF-Störungen abzuleiten, die von der Kabelabschirmung aufgenommen werden. Seit dem letzten Release der Benutzer-Firmware gibt es ein neues Untermenü „Auto Power“. Damit können wir die Eingänge I2S1, I2S2 und USB ausschalten, wenn wir sie nicht verwenden. Der Gedanke dahinter ist: was nicht aktiv ist, kann auch nicht stören.

Der DSD MK2 von innen: oben das Digital-Board, unten verdeckt das Analog-Board; das obere Drittel des Digital-Boards umfasst die galvanische Isolierung der Digital-Eingänge
Der DSD MK2 von innen: oben das Digital-Board, unten verdeckt das Analog-Board; das obere Drittel des Digital-Boards umfasst die galvanische Isolierung der Digital-Eingänge

Ja, ich habe schon erwartet, dass sich der DSD MK2 klanglich von seinem Vorgänger absetzen kann. Doch auf das, was ich jetzt zu hören bekomme, bin ich nur bedingt vorbereitet. Ich umschreibe es mal so: Auflösung, Auflösung, nichts als Auflösung! Auf dem Album Viva! von Otmar Liebert und seiner Begleitband Luna Negra (Ottmar Liebert & Luna Negra: Viva!) spiegelt jeder Track den ausgeprägten Live-Konzert-Charakter der Stücke wider, wobei insbesondere die Perkussionselemente deutlich mehr im Vordergrund stehen als bei den entsprechenden Studio-Versionen. Bei „Barcelona Nights“ perlt die Gitarre von Otmar Liebert nun mit einer inneren Intensität, dass es eine wahre Freude ist, und bei den begleitenden Percussions realisiere ich Feinheiten, die ich in dieser Deutlichkeit so noch nicht gehört habe. Das ist dermaßen anspringend, dass ich erst einmal das gesamte Album höre. Ich bin schwer beeindruckt. Doch irgendwie ist mir das Ganze noch nicht so ganz geheuer. Kommt diese enorme Auflösung vielleicht doch durch einen besonders analytischen Hochtonbereich zustande, auch wenn ich das gar nicht so empfinde? Ich wechsle zu den Streichersonaten von G.A. Rossini für zwei Violinen, Cello und Kontrabass (Salvatore Accardo - Rossini: 5 Sonate a Quattro - LIM UHD). Der Streicherklang auf dieser Einspielung ist großartig. Keine Frage, mit dem DSD MK2 ist die Wiedergabe enorm transparent und gerade die hohen Streicherpassagen sind glasklar, aber an keiner Stelle kühl oder gar hart, und ich lausche völlig entspannt der wunderbaren Musik. Im Vergleich dazu klingt mein DSD MK1 fast schon abgedunkelt. Ich kann gut verstehen, wenn das dem einen oder anderen Hörer spontan zu viel des Guten ist. Aber glauben Sie mir: Je länger ich mit dem DSD MK2 höre, desto mehr kommt es mir so vor, als hätte da jemand das „Fenster zur Musik“ gründlich geputzt. Weiter geht es mit einem meiner Lieblingsstücke, „España“ von Emmanuel Chabrier in der Aufnahme mit Ataulfo Argenta und dem London Symphony Orchestra (Decca Legacy Volume Two - FIM UHD). Das Stück lebt von der reichhaltigen und zugleich feinsinnigen Instrumentalisierung. Hier wusste schon der DSD MK1 immer zu brillieren. Das ist mit dem DSD MK2 nicht anders, doch nun werden noch viel mehr Micro-Details freigelegt, die für ein besonders musikalisches Gesamterlebnis so wichtig sind. Der DSD MK1 mag vielleicht einen Ticken mehr Wärme bieten, aber ich bevorzuge den DSD MK2, der beispielsweise um die Kastagnetten, eine Luftigkeit entstehen lässt, die einfach mehr von der Musik und der Aufnahme vermittelt.


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