tests/24-11-05_western
 

Western Electric 91E

05.11.2024 // Carsten Bussler

Die Lautsprecherimpedanz wird individuell an den Kundenwunsch angepasst. Die besonderen Toroidal-Ausgangsübertrager in Ringkernform quasi mit nur einem „Abgriff“ verbergen sich unter dem Abdeckblech und die Standard-Type mit acht Ohm kann einfach gegen Typen mit vier oder 16 Ohm ausgetauscht werden
Die Lautsprecherimpedanz wird individuell an den Kundenwunsch angepasst. Die besonderen Toroidal-Ausgangsübertrager in Ringkernform quasi mit nur einem „Abgriff“ verbergen sich unter dem Abdeckblech und die Standard-Type mit acht Ohm kann einfach gegen Typen mit vier oder 16 Ohm ausgetauscht werden

Folgerichtig sind die technischen Spezifikationen der 300B die gleichen wie die der 300A, unter anderem nämlich 36 Watt Anodenverlustleistung („Plate Dissipation“), was bei einem üblichen Wirkungsgrad von Single-Ended-Trioden von knapp einem Viertel für die üblichen sieben bis acht Watt Ausgangsleistung einer 300B reicht. Für Trioden-Maniacs genug für alle Lebenslagen, und wer mehr will und Klirr jenseits der fünf Prozent nicht scheut, quetscht auch bis zu zehn Watt aus dieser Triode. Und jetzt kommen wir zum eigentlichen Kern unseres Vollverstärkers Western Electric 91E: Er verwendet lediglich eine 300B pro Kanal und liefert laut Hersteller bis zu 14 Watt bei drei Prozent Klirr respektive bis zu 20 Watt bei zehn Prozent Klirr! Diese Angaben konnte ich nicht glauben, physikalisch unmöglich in Single-Ended Schaltung und ich vermutete eine Parallel-Single-Ended oder eine Push-Pull Schaltung, doch dafür befanden sich schlicht zwei 300B zu wenig auf dem Chassis…

Zum Schutz gegen Haustiere und neugierige Kinderfinger sind die 300B mit einem Abdeckglas umhüllt, das dank der Öffnung unten und dem Gitterblech oben die Wärme wie ein Kaminrohr ableitet
Zum Schutz gegen Haustiere und neugierige Kinderfinger sind die 300B mit einem Abdeckglas umhüllt, das dank der Öffnung unten und dem Gitterblech oben die Wärme wie ein Kaminrohr ableitet

Bevor ich dem Vertrieb mit blöden Fragen kam, recherchierte ich lieber schnell selbst, las mir das Manual durch und stöberte auf der US-Webseite von Western Electric. Siehe da: „Steered Current Source (SCS)“ lautet die Lösung. Eine besondere, patentierte Schaltung die unter der Patentnummer US 10,256,776 B1 vom 9. April 2019 zu finden ist. Die Patentschrift („Steered Current Source For Single Ended Class-A Amplifier“) habe ich mir heruntergeladen und im Detail durchgelesen. Als Antragstellerin des Patents wird die Western Electric Export Corporation genannt, gestaunt habe ich allerdings bei den genannten Erfindern beziehungsweise Urhebern: Hier wird zuallererst ein gewisser Günther Mania aus Pfinztal in Deutschland genannt, der Gründer von AVM oder auch der AMP Audiotechnik GmbH, der diese Schaltung in Kooperation mit Western Electrics Charles George Whitener (Jr.) ersonnen hat. Meine sehr kurz zusammengefasste, bescheidene Interpretation der Patentschrift samt Schaltbildern: Unter Zuhilfenahme von MOSFETs wird ein Quasi-Push-Pull-Betrieb und kein Single-Ended-Betrieb realisiert, denn ein MOSFET variiert dabei seinen Stromfluss aktiv und wird gegenphasig an die Triode anpasst.

Das Logo von Western Electric taucht sonst nirgendwo am Verstärker auf, außer in guter Auflösung hier im Display
Das Logo von Western Electric taucht sonst nirgendwo am Verstärker auf, außer in guter Auflösung hier im Display


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