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Western Electric 91E

05.11.2024 // Carsten Bussler

Anschlussseitig lässt der WE 91E grundsätzlich keine Wünsche offen, allerdings hätte ich auch symmetrische XLR-Buchsen erwartet
Anschlussseitig lässt der WE 91E grundsätzlich keine Wünsche offen, allerdings hätte ich auch symmetrische XLR-Buchsen erwartet

Weiter oben im Frequenzspektrum setzte sich diese Charakteristik fort: Wer aus dem Einsatz der 300B als verstärkendem Bauteil ein Klangbild mit euphonischem Zuckerguss ableitet, ist beim Western Electric 91E falsch. Ohnehin sind mir viele der 300B häufig zugeordneten Adjektive schleierhaft: Kaum eine Triode verfügt über eine derart homogene, lineare und damit neutrale Kennlinienschar wie die 300B. Meiner Erfahrung nach zeichnet sich ein guter 300B-Verstärker durch ein hohes Auflösungsvermögen insbesondere im Stimmenbereich aus, was häufig der Darstellung von Frauenstimmen zugute zu kommen scheint und subjektiv als „weich“, „detailreich“, „luftig“ oder „schnell“ empfunden werden kann. Letztlich sind das alles nur Wortkrücken, die den Versuch, Gehörtes zu beschreiben, dennoch unbeholfen wirken lassen.

Jedenfalls hat die Mitteltondarstellung des WE 91E nicht so viel mit schokozartem Schmelz zu tun, sondern sie bleibt schon sehr nah bei der Wahrheit: Der Röhrenverstärker besticht durch sein enormes Auflösungsvermögen, durch seinen Detailreichtum und seine gelungene Raumdarstellung, bei der jedes Instrument und jeder Sänger beziehungsweise jede Sängerin nicht nur viel Luft zum Atmen um sich herum zu haben scheint, sondern während der Darbietung auch wie festzementiert an dem zugewiesenen Platz bleiben, ohne nervös im Raum umherzuwandern. Wo klassische SET mit einem Augenzwinkern kokettieren, wenn sie es mit der Wahrheit einmal nicht so genau nehmen, leistet sich der Western Electric nicht den kleinsten Schnitzer. Überspitzt formuliert: SET bestechen oft durch ihre riesige, zum Teil jedoch auch diffuse Raumdarstellung, wo der WE 91E mit enormer Plastizität punktet und den Raum eben genau so darstellt, wie er auf der Tonkonserve vorhanden ist.

Sehr sinnvoll sind die Phono-Load-Buchsen zur Anpassung von Impedanz und Kapazität an den angeschlossenen Tonabnehmer
Sehr sinnvoll sind die Phono-Load-Buchsen zur Anpassung von Impedanz und Kapazität an den angeschlossenen Tonabnehmer

Auch in Sachen Klangfarben ließ der WE 91E nichts anbrennen, wie ich bei Vivaldis „Die vier Jahreszeiten“ (Yehudi Menuhin, His Master´s Voice, 1985) feststellen konnte: Eher silbrig strahlend als golden glänzend erschienen mir Streicher, in jeder Situation behielt der WE 91E die Übersicht und einen kühlen Kopf, detailreich und mit enormem Auflösungsvermögen, jedoch weit entfernt davon, analytisch oder steril zu wirken. Rockiges ging mit diesem Verstärker genauso gut: Stücke wie „Downbound Train“, „I‘m On Fire“ oder „Dancing In the Dark“ von Bruce Springsteen (Born in the U.S.A., Columbia Records, 1984) bestachen durch schon an Perfektion grenzende Darstellung feinster Nuancen von Beckenanschlägen, Hi-Hats oder Anreißgeräuschen von E-Gitarrensaiten. Auch in Sachen Rhythmus, Tempo sowie Grob- und Feindynamik war hier alles im Lot.

Ethernet- und USB-Anschluss in seliger Eintracht mit der Bluetooth-Antenne, die sogar das eigene Smartphone als Musikquelle ermöglicht
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