tests/25-03-11_canor
 

Canor Virtus I2 Premium Line

11.03.2025 // Wolfgang Kemper

Über den slowakischen Audio-Spezialisten Canor las und hörte ich bislang nur Gutes. Der Vollverstärker Virtus I2, ein Class-A-Röhrenvollverstärker ist das erste Gerät von Canor in meinem Hörraum. In mehrerlei Hinsicht hebt er sich ab von dem, was ich kenne. Das gilt nicht nur für seine Optik oder sein Innenleben, sondern besonders für seinen Klang.

Armin Kern, der in Norddeutschland als Repräsentant für anspruchsvolle HiFi-Marken unterwegs und in der Branche als erfahrener Audio-Spezialist gern gesehen ist, brachte mir an einem kalten Mittwochmorgen den riesigen Karton ins Haus. Danke allein dafür, denn ohne seine Unterstützung hätte ich den Vollverstärker nur mit Mühe ins Haus bekommen. Etwas handlicher, aber mit 28 Kilo immer noch schwer, trug er ihn nach dem Auspacken in den ersten Stock in meinen Hörraum. Dort standen in jüngster Zeit immer wieder interessante Vollverstärker zum Test, die in ihrer Preisklasse allesamt klanglich Spaß machten und ihre individuellen Stärken offenbarten. Für mich ergibt sich aus dieser Erfahrung das Bild, dass integrierte Verstärker zwischen 6.000 und 10.000 Euro ein erfreulich gutes Verhältnis von Klang zu Preis darstellen können und es bei der Wahl in erster Linie auf Vorlieben des Hörers ankommt, wem von ihnen man den Vorzug geben mag. Besonders in Erinnerung sind mir der Cayin CS-805A, der dank seiner 300B Bestückung in der Treiberstufe mit wunderschönen Klangfarben schmeichelte und auch hinsichtlich Leistung stark aufspielte. Ebenso der Chord Electronics Ultima Integrated, der mit seiner Schnelligkeit, Feinzeichnung und Räumlichkeit überzeugte. Für 9.000 Euro reiht sich der Canor Virtus I2, das Topmodell unter den Vollverstärkern der slowakischen Edelschmiede, in diese Reihe musikalischer Leckerbissen ein.

Mit funktionalem und top verarbeitetem Gehäuse sieht der Canor Virtus I2 wertvoll aus
Mit funktionalem und top verarbeitetem Gehäuse sieht der Canor Virtus I2 wertvoll aus

Canor feiert aktuell sein 30-jähriges Firmenjubiläum und ist auch deshalb ein bedeutendes Unternehmen, weil man in Prešov neben den eigenen Canor-Komponenten auch Elektronik für andere Firmen im Auftrag fertigt. Pro-Ject ist hier eine besonders wichtige Marke, aber auch Isotek oder Musical Fidelity. Das hat nicht nur den Vorteil, dass mit diesen etablierten Namen gutes Geld verdient wird. Von Relevanz ist auch die Auslastung hochwertiger Maschinen, die bei einem daraus resultierenden Fertigungsvolumen rentabel werden und sich schnell amortisieren. Das wiederum bedeutet, dass man fertigungstechnisch hochmodern auf dem neuesten Stand produzieren kann. Davon profitieren alle, die hier herstellen und herstellen lassen. Auch deshalb besteht ein Canor-Gerät stets aus im eigenen Hause entwickelten und gefertigten Teilen. Das gilt nicht nur für Gehäuse, Platinen und Trafos. Die Inhaber von Canor heißen Zdenek Brezovjak, Jozef Curlik und Jan Kosco. Chefentwickler Zdenek Brezovjak stammt aus einer musikalischen Familie und erlernte in jungen Jahren selber Geige und Tenorsaxophon. Sein beruflicher Werdegang galt besonders der Radioelektronik. Als ausgebildeter Ingenieur baute er seine ersten Audio-Komponenten und tat sich alsbald mit den beiden übrigen Canor-Mitinhabern zusammen. Wenn ich auf das Canor-Portfolio schaue, wundert mich der interessante Mix aus Röhren- und Transistorgeräten. Hier kann ich keine Vorlieben oder Abhängigkeiten von Preisklassen erkennen. Armin Kern erklärte mir dazu, dass Zdenek Brezovjak und seine Team technologieoffen an jede Geräte-Idee herangingen und einfach schauten, was in der jeweiligen Preisklasse den besten Klang ermögliche, egal ob Röhre, Transistor oder Hybrid. Das Ingenieursteam bekam unlängst Zuwachs durch John Westlake, der sich weltweit durch renommierte Entwicklungen für Quad, Leak oder Audiolab einen Namen machte und jetzt federführend den Canor Virtus A3 entwickelte, der bald auf den Markt kommen soll. Dieser Vollverstärker mit Röhrentreiberstufe soll eine Synthese aus Class A und Class D sein und einen D/A-Wandler sowie einen Phonovorverstärker auf hohem Klangniveau mitbringen. Preislich liegt er voraussichtlich bei nur etwa zwei Dritteln unseres Testkandidaten Virtus I2, der inzwischen in meinem Hörraum warm geworden und spielbereit ist.

Die Frontgestaltung ist dezent und übersichtlich. Die Beleuchtung lässt sich dimmen oder ganz abschalten. Dann ist die Front schlicht schwarz
Die Frontgestaltung ist dezent und übersichtlich. Die Beleuchtung lässt sich dimmen oder ganz abschalten. Dann ist die Front schlicht schwarz


  • Linear Tube Audio Century

    Century heißen die Röhren-Mono-Endverstärker von Linear Tube Audio, die ohne Ausgangsübertrager auskommen und sich dennoch grundlegend von anderen OTL-Konzepten unterscheiden. Wir haben uns intensiv damit beschäftigt, was die patentierte ZOTL-Technologie des Entwicklers so besonders macht und wie sie sich klanglich auswirkt. Für diesen Test haben Dirk Sommer und ich uns eine Arbeitsteilung vorgenommen, bei der ich (Carsten Bussler) mich auf die Technik der Century-Monos sowie die Hintergründe zu Linear Tube Audio und die Zusammenarbeit mit…
    29.09.2026
  • Final Tonalite

    Finals Tonalite ist nicht nur ein neuer In-Ear, sondern macht gleichzeitig Finals Timbreanpassung jedem Nutzer mittels einer App zugänglich. Seit der noch etwas kryptischen Ankündigung dieser Technologie auf der High End 2022 habe ich Ihnen über den Entwicklungsprozess berichtet. Das fertige Produkt halte ich persönlich für einen Meilenstein. Tonalite ist eine grundlegende Neuentwicklung mit neuem Formfaktor und neuer Technik. Die Tonalite In-Ears verfügen über eine eher ovale Form, in der die gesamte Elektronik untergebracht ist.…
    25.09.2026
  • Ortofon MC Vertex

    Die bisherigen Topmodelle von Ortofon, das Anna, das Anna Diamond und das Diamond, ähnelten einander auch optisch stark. Das Vertex macht schon durch sein Erscheinungsbild klar, dass es anders ist. Es ist der erste Tonabnehmer mit einem Diamanten mit Vertex-Schliff. Soweit mir bekannt, ist das der erste neue Nadelschliff seit rund 40 Jahren. Aber das ist nicht die einzige Veränderung gegenüber dem MC Diamond: Der Generator des Vertex besitzt einen deutlich höheren Innenwiderstand, die Nadelnachgiebigkeit…
    15.09.2026
  • Phonar Veritas M4.2 SE

    Es hat mir bislang stets Vergnügen bereitet, mich mit Phonar Lautsprechern zu beschäftigen. Nach einem Test kaufte ich die Veritas 9.2 SE und genieße seitdem ihre Musikalität. Phonar überzeugte immer wieder mit einem außergewöhnlich attraktiven Preis-Klang-Verhältnis. Bestätigt die neue, kompakte Phonar Veritas M4.2 SE diese Erfahrungen? Mein eindrucksvollstes Phonar-Erlebnis hatte ich vor zwei Jahren mit der Standbox Veritas p4.2 Next, die aktuell für einen Paarpreis von 2400 Euro auf der Phonar-Website zu sehen ist. Genau…
    08.09.2026
  • Ayon Iris Signature Streamer

    Auf der High End Vienna haben Dirk Sommer und ich den Ayon Iris erstmals entdeckt – nun steht der außergewöhnliche Streaming-Player bei uns bereits zum Test. So frisch ist der Iris, dass selbst die Roon-Zertifizierung zum Testzeitpunkt noch läuft. Brandneu, doch der Iris kommt keineswegs aus dem Nichts: Wer die Entwicklung der digitalen Ayon-Komponenten verfolgt hat, erkennt eine kontinuierliche Beschäftigung mit dem Thema Streaming. Auch wir konnten diesen Weg begleiten – nach dem S3 und…
    01.09.2026
  • Sumiko Starling

    Mein letzter Test eines Tonabnehmersystems befasste sich mit dem Sumiko Oriole. Nun drehen sich für diesen Test meine Schallplatten unter dem Sumiko Starling, dem teuersten System aus der Sumiko Referenz Serie. Nachdem ich überaus positiv überrascht vom Test des Oriole war und dies Peter Laitenberger vom deutschen ATR Vertrieb mitteilte, empfahl mir dieser mir doch einmal das Sumiko Starling anzuhören. Gesagt, getan und bereits wenige Tage später kam das kleine Päckchen mit dem Starling zu…
    28.08.2026

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.