tests/25-05-26_palma
 

Palma DHS-1

26.05.2025 // Finn Corvin Gallowsky

Natürlich bin ich inzwischen so neugierig, dass ich noch mit diesem Stück in den offenen Modus umschalte. Besonders im Solo-Teil von Bass und Gitarre höre ich genau hin. Tatsächlich ändert sich wie bereits angedeutet keinesfalls auf fundamentale Weise die Charakteristik des Kopfhörers, obwohl doch eine minimale Änderung, speziell im Timbre der Gitarre wahrzunehmen ist. Die hauptsächliche Veränderung betrifft eindeutig sowohl den räumlichen Eindruck als auch die individuelle Ausdehnung des Instrumente. Gerade die Gitarre wirkt im offenen Modus etwas größer. Korpus und Saiten werden etwas stärker als einzelnes Teilschallereignis der Gitarre wahrnehmbar. Außerdem scheinen Kontrabass und Gitarre einen Hauch weiter auseinander zu rücken. Im weiteren Verlauf des Stücks würde ich den Instrumenten außerdem etwas mehr Entspanntheit und Freiheit im Ausschwingen attestieren. Das unterschwellige Brodeln des Stücks geht dadurch aber auch ein wenig verloren.

Ähnlich verhält es sich bei Elisabeth Karstens „Pardon, Goddess Of The Night“ vom Album Flux. Dieses intimere Musikstück profitiert ungemein vom offenen Modus. Zunächst beweist der DHS-1, dass er auch Stimmen nachdrücklich, emotional und mit feinsten Details wiedergeben kann. Man hört beispielsweise die kleinen Verzerrungen in Elisabeths Stimme, wenn sie zu intensiveren Passagen ansetzt. So richtig glänzt der Palma dann aber, wenn ich die Abdeckung auf Durchzug schalte. Die Positionierung der Stimme scheint interessanterweise sogar etwas näher an mich als Zuhörer heran- und leicht nach oben zu rutschen, sobald ich die Kopfhörer öffne. Dafür wirkt sie jedoch viel befreiter und freischwebender, fast so, als wäre sie im geschlossenen Modus komprimiert worden.

Dank der 2,5-Millimeter-Anschlüsse des Kopfhörers ist ein Kabeltausch oder Nachrüsten eines High End Kabels kein Problem
Dank der 2,5-Millimeter-Anschlüsse des Kopfhörers ist ein Kabeltausch oder Nachrüsten eines High End Kabels kein Problem

Anderen Genres wie beispielsweise komplexem Metal oder eher dichten Pop-Produktionen, um zwei Extreme zu nennen, steht der geschlossene Modus richtig gut. Die mit ihm einhergehende leichte „Kompression“, die ich bei „Pardon, Goddess Of The Night“ festgestellt habe, wirkt hier fast wie eine Bus-Kompression, die die energetische Komponente der Musik in den Vordergrund hebt. Bei orchestraler Musik entscheide ich dann eher nach der Ensemblegröße und dem Aufnahmeort. Während Kammerkonzerte auch im geschlossenen Modus vorzüglich funktionieren, machen großorchestrale Werke im offenen Modus besonders viel Freude. Es scheint hier ein Zusammenhang zwischen kleineren Räume mit kürzeren Nachhallzeiten, dem geschlossenen Modus und größeren Räumen mit längeren Nachhallzeiten und dem offenen Modus zu bestehen. Leider gerät orchestrale Musik in meinen Tests oft etwas zu kurz, da sie in meinem alltäglichen Höreralltag weniger Platz einnimmt als sämtliche andere Genres, obwohl ich sie zutiefst schätze. Aus diesem Grunde möchte ich dem Palma auf kurzem Dienstwege ausdrücklich eine besondere Befähigung hierfür attestieren. Durch seine Abstimmung vermag er ein Orchester fein, neutral und äußerst präzise, aber dennoch ergreifend und nicht steril abzubilden. Dabei bewegt er sich zwischen dem bloßen Abbilden einer Aufnahme und einem „Live-Dabei-Gefühl“. Für mich, der es einerseits gewohnt ist, Musik technisch zu hören und zu mischen, andererseits aber auch einfach mal für den Genuss hören möchte, schafft der Palma den perfekten Mittelweg.

Der kleine Treiber kann beachtlich tief spielen. Für Liebhaber von Tiefpassdruck fallen mir dennoch andere Modelle ein. Für meinen Geschmack ist die Balance des Kopfhörers ausgesprochen gut gelungen. Der Treiber verbindet die beiden Enden des Frequenzspektrums auf eine Weise miteinander, die ich einem dynamischen Treiber in der Form nicht zugetraut hätte. Er gibt besonders akustischen Instrumenten gerade genug Körper, um organisch und glaubwürdig zu klingen, ohne dabei aber in einen zu fülligen Ton zu verfallen. Er löst die Höhen mit genau der richtigen Portion Spritzigkeit und ohne Aufdringlichkeit auf. Auch wenn die Mitten eher linear ausfallen, bleibt der DHS-1 keinesfalls charakterlos. Es sind nicht überdurchschnittlich spektakuläre Einzeldisziplinen, die Palmas Erstlingswerk ausmachen, sondern wie der ausgewogene Frequenzverlauf, die hohe, elegant integrierte Auflösungsfähigkeit und die minutiöse Impulsivität, die feine Zwischenklänge zulässt, zu einem musikalischen Ganzen verwoben werden.


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