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AIM Flagship Premier NAX

05.09.2025 // Wolfgang Kemper

Die entscheidende Betrachtung, die klangliche Einordnung des AIM NAX, muss natürlich unter fairen Bedingungen stattfinden. Dazu muss ich mein Setup etwas erklären: Die drei Ansuz Komponenten, die der Fritzbox folgen und zum Antipodes Oladra führen, habe ich als Konsequenz meines Testberichts, in dem ich die musikalischen Auswirkungen jeder einzelnen Komponente nachvollzog, erworben, weil ich ihre jeweiligen klanglichen Verbesserungen nicht mehr missen wollte. Dieses Setup empfinde ich in meiner Anlage als stimmige Aufwertung. So wie damals im Teil 2 zu lesen, brachte das Ansuz Stromkabel jedoch keinerlei Vorteil, möglicherweise, weil ich mich damit von meinemn ganzheitliche Konzept der Audioquest-Stromzufuhr entfernte. In gewisser Weise muss ich hier nun das stimmige Ansuz-Konzept durchbrechen, weil ich nur ein einziges NAX zur Verfügung habe. Um so interessanter ist, ob es selbst unter diesen Bedingungen einen klanglichen Gewinn bewirkt. Ich tausche ein Ansuz Digitalz Ethernet Cable A2, und zwar das zwischen Switch und dem Antipodes Musikserver/Player gegen das AIM NAX und konzentriere mich ausschließlich auf Musik, die ich per Roon von Qobuz streame. Denn bei Files von der Festplatte entfällt der Datentransport übers Netzwerk und das LAN-Kabel wäre nur für die Steuerung von Belang.

Auch das Topmodell von AIMs Ethernet-Kabeln ist mit bestens schirmenden Telegärtner-Steckern ausgestattet
Auch das Topmodell von AIMs Ethernet-Kabeln ist mit bestens schirmenden Telegärtner-Steckern ausgestattet

Aber Vorsicht! Ein einfaches Umstecken der beiden Vergleichskabel am Antipodes Oladra Netzwerk-Eingang ist nicht ausreichend sicher, da der Oladra die hineinkommenden Datenpakete speichert, so dass er auch mit abgezogenem Eingangskabel sehr lange weiterspielt. Demzufolge rufe ich bei jedem Kabelwechsel ein anderes Musikstück auf, nur kurz, bis die ersten Töne erklingen und dann erst das Test-Musikstück. So ist sichergestellt, dass der Oladra die Daten voll umfänglich über das jeweilige angeschlossene Kabel bezieht. Beim Allegro aus Gaité Parisienne von Jaques Offenbach in der vor Klangfarbenpracht und Dynamik sprühenden Einspielung mit Arthur Fiedler und den Boston Pops kann das AIM NAX punkten: Es überzeugt mit packenderer Dynamik, mehr Wucht besonders beim tiefen Schlagwerk und vor allem einem – Ruhe. Zwar überzeugt diese Musik auch mit dem Ansuz A2, das AIM NAX eliminiert jedoch das letzte Quäntchen digitaler Härte, das bei diesem Klangspektakel mit dem Ansuz im direkten Vergleich minimal hörbar wird. Auch zeigt sich ein tonaler Unterschied, da das Ansuz die Musik ein wenig heller wiedergibt, aber dabei nicht mehr Details offenbaren kann. Dieser Eindruck bestätigt sich ganz und gar bei „Before You Accuse Me“ vom Eric Clapton-Album Unplugged (Live). Der vergleichsweise leicht dunklere Tenor des AIM mag beim direkten Hin und Her für Verwirrung sorgen, überzeugt jedoch letztlich durch musikalische Ehrlichkeit und weniger oder, besser gesagt, gar keine Nervosität. Das AIM NAX klingt schlichtweg ansprechender, authentischer und auch emotional packender. In einer hochauflösenden Anlage und auf der Suche nach musikalischer Ehrlichkeit und maximalem Hörvergnügen wird sich die Investition fraglos lohnen.

Die Laufrichtung des Kabel gibt AIM unmissverständlich vor
Die Laufrichtung des Kabel gibt AIM unmissverständlich vor

Angesichts dieser begeisternden, stressfreien und glaubwürdigen Darbietung des AIM NAX wage ich jetzt einen weiteren Vergleich. Schafft es das NAX als direkte Verbindung von der Fritzbox zum Antipodes Server die klangliche Nase vorn zu behalten, wenn ich es gegen das komplette Ansuz-Set inklusive Audioquest Stromkabel antreten lasse. Letzteres wäre dann etwa doppelt bis dreifach so teuer und das NAX relativ ein Schnäppchen. Man muss ja die zusätzliche Ebene für das Switch im Rack auch noch bedenken. Mit dem NAX nun ganz allein blieb beim Offenbachs Gaité Parisienne die wohltuende Ruhe erhalten und die Darbietung gefiel auch wegen der weit nach hinten offenen Bühne. Das Zuhören machte Spaß und die Detailfülle dieses Stücks gelang ansprechend und mitreißend ans Ohr. Mit den nun erheblich kostspieligeren Ansuz Set klang das Allegro zwar etwas spektakulärer, was gut zu dieser Musik passt, aber eben auch nervöser. Besser würde ich das nicht nennen, bestenfalls nur anders.


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