tests/25-12-16_galion
 

Galion Audio Navy Röhrenvorverstärker

16.12.2025 // Carsten Bussler

Die vier 12AT7 Röhren stammen von Psvane. Röhrenfreaks eröffnet sich hier eine weite Spielwiese für Tube-Rolling, erstklassige NOS-Kolben können die Klangqualität noch einmal in Nuancen steigern
Die vier 12AT7 Röhren stammen von Psvane. Röhrenfreaks eröffnet sich hier eine weite Spielwiese für Tube-Rolling, erstklassige NOS-Kolben können die Klangqualität noch einmal in Nuancen steigern

Die Rockbalade „Ride on“ von AC/DC (Dirty Deeds Done Dirt Cheap, Atlantic Records, 1976) sorgte bei mir für Gänsehaut. Der zugegeben aufnahmetechnisch künstlich erzeugte weite Raum gab jedem Instrument großzügig Luft zum Atmen und transportierte eine charakteristische Leichtigkeit in Bon Scotts Stimme mit selbstverständlicher Authentizität. Scotts kraftvoller Gesang war nicht nur energiegeladen, sondern emotional involvierend und damit für mich ein Beleg für die blitzsaubere, gelungene schaltungstechnische Auslegung des Geräts. Grundsätzlich war die Bühne dabei in allen Dimensionen gleichmäßig ausgeleuchtet. Ebenso feinsinnig klang Dolores O´Riordan, als sie „Ode to my Family“ (No Need to Argue, Island Records, 1994) oder „Linger“ (12“, Island Records, 1993) sang und der Galion bewies, dass das Mittel-Hochtonspektrum dem tieferen Stimmenbereich in nichts nachstand. Feinste Hochtonauflösung ohne jeden Anflug von Härte mit sauber artikulierten Sibilanten kann der Galion auf seiner Habenseite verbuchen.

Gleich sechs Kondensatoren von ClarityCap kommen pro Kanal zum Einsatz. Privatpersonen legen allein für diese Type je nach Lieferant um die 70 Euro pro Stück auf die Ladentheke
Gleich sechs Kondensatoren von ClarityCap kommen pro Kanal zum Einsatz. Privatpersonen legen allein für diese Type je nach Lieferant um die 70 Euro pro Stück auf die Ladentheke

Der Galion Navy beherrschte grundsätzlich alle Musikrichtungen gleichermaßen gut. Vivaldis „Die vier Jahreszeiten“ (Yehudi Menuhin, His Master´s Voice, 1985) überzeugten mich durch ihre spielerisch leichte, fast federnde und sehr lebendige Tieftonwiedergabe. Ganz andere Stilrichtung: Das Album Aion (4Ad, 1990) von Dead Can Dance mit Tracks im Renaissance-Stil mit gregorianischem Gesang und anderen traditionelleren Liedern mit altertümlichen Instrumenten wie Drehleier oder Dudelsack spielte schwarz, schnell und völlig schlackenfrei im Tiefton. Überhaupt erstreckte sich eine gewisse spielerische Leichtigkeit bruchlos über das gesamte Frequenzspektrum. Ich hörte Platte um Platte und konnte zum Beispiel das aus meiner Sicht bis heute unerreichte atmosphärischen Meisterwerk The Joshua Tree von U2 (Island Records, 1987) genießen wie selten zuvor.

Beim Galion Audio Navy handelt es sich um einen qualitativ in jeder Hinsicht außergewöhnlich guten und charakterstarken Röhren-Line-Vorverstärker, der aus meiner Sicht über ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis verfügt und eine interessante Alternative für alle ist, die genug haben vom steril-neutralen Einerlei der breiten Masse heutiger Geräte und die stattdessen eine Komponente mit einem gewissen Anmachfaktor suchen. Die größte Stärke der Vorstufe liegt aus meiner Sicht darin, dass sich mit ihr in die Musik abtauchen lässt, wie es mit nur wenigen anderen vergleichbaren Vorverstärkern in dieser Form möglich ist.


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