tests/26-01-14_riviera
 

Riviera Audio Laboratories APL1 und AFM70

14.01.2026 // Dirk Sommer

Nach einer solchen Menge technischer Informationen sollten wir einen Blick auf die Komponenten werfen: Der APL1 ist eine Hochpegel-Vorstufe mit drei unsymmetrischen und zwei symmetrischen Eingängen. Dazu kommt noch ein weiterer Cinch-Eingang für die Tape-Schleife. Die Schaltung ist durchgängig unsymmetrisch, hinter den XLR-Eingängen desymmetrieren Übertrager das Signal. Ausgangsseitig stehen neben dem Tape-Anschluss noch drei Anschlusspaare zur Verfügung; vor den beiden Cinch-Ausgängen liegen ebenso wie vor den XLR-Buchsen Ausgangsübertrager, da diese nach Meinung Luca Chiomentis auch dem Klang der beiden Single-Ended-Ausgänge zugute kommen. Ganz klassisch gibt es ein motorbetriebenes Drehpotentiometer – hier stammt es von Alps – und eine Balance-Regelung über Festwiderstände, die hinter den für die Verstärkung zuständigen ECC82 respektive 12AU7 liegt. Die Veränderung des Ausgangspegels ist die einzige Funktion, die auch mit der ganz aus Metall bestehenden Fernbedienung möglich ist.

Die beiden Signale der Vorstufe werden jeweils durch drei parallel liegende Kondensatoren ausgekoppelt
Die beiden Signale der Vorstufe werden jeweils durch drei parallel liegende Kondensatoren ausgekoppelt

Die AFM70 sind Class-A-Mono-Endstufen mit einer nominellen Leistung von 70 Watt an acht respektive 140 Watt an vier Ohm. Neben dem harten Netzschalter auf der Rückseite und der „Power“-Taste auf der Frontplatte ist der Schalter für die Wahl des Cinch- oder XLR-Eingangs das einzige Bedienelement. In meinem Hörraum stehen die Monos jeweils auf einer SSC Big Magic Base und sind über Audioquest Tornado HC mit den Hochstromausgängen des Niagara 5000 verbunden. Dafür, dass ich erst nur die AFM70 in meine Kette integriere, gibt es gleich zwei Gründe: Zum einen ist die Vorstufe so hoch, dass ich sie nicht einfach im Rack gegen die WestminsterLab Quest auswechseln kann, sondern größere Umstellungen vornehmen muss, um die APL1 unterzubringen und zum anderen bin ich wirklich neugierig, wie die Monos mit den hübschen VU-Metern klingen.

Da das Verstärkertrio bereits eingespielt ist, brauchen die AFM70 nur eine relativ kurze Zeit zum Akklimatisieren im Hörraum. Nachdem sie diesen im Leerlauf um zwei, drei Grad erwärmt haben, geht’s mit Seeing des Tord Gustavsen Trios los. Das Album gehört weder zu denen, von denen ich Stücke zum Testen verwende, noch habe ich es in letzter Zeit häufig gehört. Aber dennoch ist mir sofort klar, dass ich es nie zuvor so intensiv, klangfarbenstark und emotional ansprechend gehört habe. Die Musik fließt und ist dennoch dynamisch und rhythmisch akzentuiert. Die Instrumente werden bestens differenziert und scheinen trotzdem eng mit einander verflochten zu agieren. Da geht es nicht einfach nur um die Tiefe der imaginären Bühne – die lässt sowieso keine Wünsche offen –, sondern die Nähe des Zuhörers zum musikalischen Geschehen. Sie merken schon: Die AFM70 nehmen mit Qualitäten für sich ein, die sich den üblichen Hifi-Kriterien entziehen und nur schwer in Worte zu fassen sind. Aber das war bei den DarTZeels ja auch nicht anders.

Die großen Kühlkörperflächen der Endstufe werden während des Betriebs deutlich mehr als handwarm. Jedem Endstufen-Transistor ist ein Elko zugeordnet
Die großen Kühlkörperflächen der Endstufe werden während des Betriebs deutlich mehr als handwarm. Jedem Endstufen-Transistor ist ein Elko zugeordnet


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