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Cayin Pearl 30d und Pearl 30c

10.03.2026 // Wolfgang Kemper

Haben Sie alle ihre CDs bereits auf einen Musikserver gerippt und sich dann von ihnen getrennt? Das wäre schade. Ich lege Løsrivelse von Kari Bremnes in das Laufwerk – ein kleines Ritual mit dem schweren Deckel und dem Magnet-Puck. Auf diesem Album, das ich als AIFF-Rip von meiner CD auf der Festplatte im Oladra habe, singt Kari Bremnes Edvard Munchs Texte zu fünfzehn seiner Gemälde. Ich wähle sein bekanntestes Werk, den Schrei, auf Norwegisch „Skrik“. Mit dem Pearl 30c erschließt sich ein wohltuendes, farbenprächtiges Klangbild, wo auf den ersten Eindruck nochmal alles auf einem höheren Level spielt als von meinem doppelt so teuren Musikserver mit Roon. Vor allem der Gesang klingt fraulicher und noch realitätsnäher als vom Musikserver. Die Darstellung des Klangbildes ist überwältigend und gewinnt dabei noch an Tiefe. So schön und nuanciert klang dies Album zuvor nie. Bislang hat der Antipodes Oladra alles übertroffen, was sich hier mit ihm anzulegen versuchte, und sein Können wird auch weiterhin für Highres Files und Streaming von Qobuz gebraucht. Hinsichtlich Musikalität hat der Cayin Pearl Transport bei diesem Album von Kari Bremnes jedoch die Nase weit vorn. Da muss ich sofort die Fähigkeiten des 30c in Verbindung mit meinem HoloAudio DAC prüfen. Das ist dann erwartungsgemäß doch ein Schritt in Richtung Langeweile und zeigt auf, wie exzellent der Cayin D/A-Wandler musiziert. Trotzdem bringt der Pearl 30c auch hier seinen klanglichen Charme und seine Stärken ein, kann sich aber nicht ganz so grandios entfalten wie am Pearl 30d. Also wieder zurück und weiter gehört. Ich greife zur Symphony No. 5 von Gustav Mahler, und zwar der Einspielung von Decca 1970 mit Sir Georg Solti und dem Chicago Symphony Orchestra. Der dritte Satz erklingt beschwingt im Walzertakt. Die einzelnen Instrumentengruppen setzen mit dem Cayin CD-Spieler wunderschön im Raum weit nach vorn und hinten aufgefächert ihre Klänge wie Farbtupfer, fein nuanciert und herrlich authentisch. Ich habe das Gefühl, mich ganz nah hinter dem Dirigentenpult zu befinden. Ein fantastischer Genuss, wie die Klangfarbenpracht sich ausbreitet, mal sensibel, mal heftiger dynamisch abgestuft – ein großartiges Ohrenkino. Diese CD befindet sich in AIFF auf der Festplatte des Oladra. der Vergleich ist erschreckend. Die großartige räumliche Tiefe des Cayin 30c halbiert sich fast, weil vor den Lautsprechern nichts mehr los ist. Aber schlimmer noch ist das Fehlen an Klangfarben und Transparenz.

Am Pearl 30c selber lässt sich das Laufwerk steuern, auch der Wiederholmodus (2.von links). Für direkte Titelanwahl oder die Alternativen OS und NOS benötigt man die Fernbedienung
Am Pearl 30c selber lässt sich das Laufwerk steuern, auch der Wiederholmodus (2.von links). Für direkte Titelanwahl oder die Alternativen OS und NOS benötigt man die Fernbedienung

Ich mag es kaum glauben und spiele jetzt zuerst vom Antipodes Oladra das Piano Quartet op.47 von Robert Schumann, mit dem Auryn Quartet eingespielt bei Tacet. Beim Wechsel vom Antipodes-Server zum Cayin-CD-Transport habe ich sofort das Gefühl, nun statt in der zwanzigsten Reihe in der vierten des Konzertsaals zu sitzen, und erlebe Schumanns Musik noch viel schöner und emotional ergreifender. Die Streicher musizieren plastischer mit schmeichelhaftem Schmelz, der Flügel klingt größer, echter und auch länger nach. Der Unterschied zwischen diesen Darbietungen ist enorm zugunsten des nur halb so teuren Cayin Pearl 30c. Wie konnte ich diese Einspielung bislang nur als trocken und etwas hart einstufen? Dies zeigt sich tendenziell wieder, sobald ich vom subjektiv favorisierten Classic auf Modern umschalte – sehr interessant. Jetzt möchte ich mit dem als Fim-UHD-CD vorliegenden Telarc Album The Very Tall Band noch herausfinden, welchen Unterschied es macht, wenn ich Pearl Transport und Pearl DAC jeweils mit ihrer eigenen 10-Megahertz-Oxco-Clock takten lasse, statt dass der DAC dem Transport über die 50-Ohm-Clock-Verbindung mit einem simplen RG58 BNC-Kabel seinen Takt vorgibt. Beim Ellington-Klassiker „Caravan“ spielte Karriem Riggins die Drums mit der Taktung durch den DAC unüberhörbar knackiger und packender, ohne dass dabei die Echtheit der Klangfarben leidet. Der Beifall des Publikums geriet ebenso wie Oscar Petersons Piano, Ray Brons Bass und Milt Jacksons Vibrafon noch konturierter und befreiter. Irgendwie schien die Very Tall Band einen Tick schneller zu spielen. Eindeutig ein Vorteil, denn es ist unüberhörbar, dass sich dabei noch mehr Akkuratesse einstellte.

Unabhängig davon, ob mit gegenseitiger oder eigener 10-Meegahertz-Masterclock ist die musikalische Überlegenheit gegenüber einem der besten Musikserver geradezu erschütternd und der einzige Wermutstropfen bei den beiden Cayins ist neben dem zu ihrem Erwerb nötigen Geld ihr Platzbedarf. Mit dem Cayin Pearl 30c ist die CD kein Auslaufmodell, sondern haushoch überlegen, selbst dann, wenn diesem Transport nicht der Pearl 30d zur Seite steht. Denn auch am HoloAudio war der Klanggewinn signifikant und weckt Begehrlichkeiten.

Ein Blick auf das Laufwerk ohne Abdeckung und den Magnetpuck
Ein Blick auf das Laufwerk ohne Abdeckung und den Magnetpuck


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