Roland Dietl: Welche Antriebstechnik verwendest Du bevorzugt bei Tief-Mitteltönern?
Mats Andersen: Ich bevorzuge eine unterhängende Schwingspulenanordnung. Bei Standard-Treibern hat man eine Schwingspule, die etwa 20 bis 40 Millimeter lang ist, und dann einen Magnetspalt von etwa 5 bis 6 Millimetern. Wenn sich die Schwingspule bewegt, ändern sich die Induktivität und auch die Magnetkraft. Bei unserem Treiber beträgt der Magnetspalt dagegen 20 Millimeter und die Schwingspule ist 11 Millimeter lang. Die Schwingspule bleibt dadurch permanent vollständig im Magnetsystem. Das sorgt für eine höhere Linearität, da sich die Induktivität nicht ändert. Der symmetrische Antrieb ist für mich sehr wichtig. Bei einer normalen Sinuswelle ist die Summe gleich Null. Bei dynamischen Impulsen verschiebt sich dagegen das Signal in den Plus- oder Minusbereich. Hier entsteht ein Gleichstromimpuls, der von der Nichtlinearität herrührt. Das ist eine Gleichstromverzerrung, die mit der Dynamik einhergeht. Bei einer normalen Messung der gesamten harmonischen Verzerrungen sieht man das nicht. Man hört diese Verzerrung nicht direkt als Ton, sondern spürt sie als permanenten, unangenehmen Druck im Raum. Das ist vergleichbar mit dem Druckgefühl beim Öffnen und Schließen einer Tür in einem kleinen geschlossenen Raum. Dies führt nach wenigen Minuten zu einer Ermüdung des Gehörs. Eine gute Belüftung des Treibers verhindert zudem Kompressionseffekte. In den Top-Modellen stammen Magnetsystem und Korb aus der Illuminator-Serie von Scanspeak. Aber alle weichen Teile – die Aufhängung, die Membran, die Staubschutzkappe – all diese Dinge sind meine Eigenentwicklung, die Scanspeak exklusiv für mich fertigt. Ich mag keine harten Membranen. Diese sind zwar steif, können aber zu heftigen Resonanzspitzen neigen. Resonanzen ruinieren die Musik, weshalb ich Dämpfungstechnologien für Gehäuse, für Kondensatoren, für Induktivitäten und auch für die Treiber einsetze. Wenn die Musik stoppt, sollte sie auch wirklich aufhören. Eine Resonanzspitze kann man zwar über die Frequenzweiche absenken, beispielsweise um 20 Dezibel, aber sie schwingt trotzdem zeitlich nach („Ringen“). Dieses Nachschwingen ist als Artefakt hörbar, was die musikalische Dunkelheit („Darkness“) und die feinen Nuancen zerstört. Wenn man zum Beispiel fernsieht, möchte man die kleinen Details im Schwarz erkennen. Die kleinen Nuancen, die kleinen Dinge. Das ist mir wichtig. Deshalb entwickle ich auch dieses Design für das Gehäuse. Das Gehäuse sollte akustisch tot sein. Es sollte nicht abgestimmt sein. Es sollte tot sein. Denn ich möchte, dass nur der Lautsprecher klanglich zum Tragen kommt.
RD: Was sind Deine Leitlinien bei der Lautsprecherentwicklung?
MA: Wir haben drei Kernaspekte: Zeitausrichtung, Dämpfungstechnik und minimale Schallwandfläche. Minimale Schallwandfläche bedeutet, die Fläche um die Chassis so klein wie möglich zu halten. Jede Oberfläche um die Schallquelle herum verändert den Klang durch Reflexionen. Und dann haben wir die Zeitausrichtung. Aufgrund der unterschiedlichen Bauformen von Tief-/Mitteltöner und Hochtöner ist deren akustisches Zentrum nicht auf einer Linie. Das bedeutet, dass die Schallwellen des Hochtöners normalerweise zuerst beim Hörer ankommen. Durch unsere nach hinten geneigte Schallwand stellen wir sicher, dass der Grundton (Impuls) und die Obertöne (bis zu 20 Kilohertz) absolut zeitgleich beim Hörer eintreffen. Eine zeitliche Verschiebung („Verschmierung“) würde die packende Dynamik und Lebendigkeit zerstören. Wenn man zum Beispiel einem Sinfonieorchester zuhört, bei dem alle Violinen gleichzeitig spielen, dann hat man die maximale Dynamik, das ist mitreißend. Wenn sie das aber nicht tun und den Klang zeitlich verschmieren, wird es langweilig und lebloser. Das Gleiche gilt für die Gehäuseverzerrung, also den Klang aus dem Gehäuse. Wenn man die Dynamik um 3 bis 4 Dezibel erhöhen will, braucht man größere Magnete, leichtere Membranen, alles Maßnahmen, die das Verhalten des Gesamtsystems verändern. Wenn man jedoch das Grundrauschen um 10 Dezibel senken kann, erhöht man die Dynamik um 10 Dezibel, anstatt größere Magnete oder andere Dinge zu verwenden, die die Klangfarbe der Treiber verändern. Das sind also die Dinge, die wichtig sind. Für mich ist der Frequenzgang auch wichtig, aber was zeitlich passiert, ist viel wichtiger. Es geht um das Timing. Wenn man eine Rockband hat und der Schlagzeuger und der Bassist spielen zusammen, wird es mitreißender, es ist interessanter. Und genauso ist es beim Lautsprecher: Es ist wichtig, die Kohärenz zu haben, die Phasenkohärenz. Der Klang ist wichtiger als die Wahrnehmung weiterer Details. „Okay, ich kann den Hochtöner um 1 dB anheben.“ Dann nehme ich mehr Details wahr. Ich kann die Übergangsfrequenz für den Hochtöner senken. Ich nehme mehr Details wahr. Aber das überträgt sich nicht auf die Luft. Wenn man eine kleine Antriebseinheit hat, kann sie hin und her gehen, aber sie bewegt die Luft nicht: Wenn man eine größere Membranfläche hat, koppelt sich diese besser an die Luft an und wandelt die Bewegung in Klang um, den man tatsächlich hören und spüren kann. Deshalb verwenden wir einen 7-Zoll-Treiber statt zweier 5-Zoll-Treibern, auch wenn die beiden 5-Zoll-Treiber eine größere Membranfläche haben. Aber sie koppeln nicht vergleichbar gut mit der Luft. Das ist eine Frage der Physik.
RD: Was waren die Änderungen bei der Gen 2?
MA: Es gab einige große Änderungen bei den Gen-2-Modellen, aber die wichtigste ist, dass wir von einer Frequenzweiche zweiter Ordnung auf eine Frequenzweiche erster Ordnung mit 6 Dezibel umgestiegen sind. Beim Hören hat das den Klang geöffnet – er ist viel dynamischer, klarer und gleichzeitig auch kohärenter. Wir sind sehr zufrieden mit den Änderungen. Außerdem verwenden wir Q-Board für den Gehäusebau. Bei der ersten Generation haben wir nur an bestimmten Stellen im Gehäuse dieses Material eingesetzt, um Resonanzen zu reduzieren. Jetzt besteht das gesamte Gehäuse aus diesem Material, das wir auch in unseren High-End-Modellen verwenden. Es ist dünner, aber dennoch effektiv.