Womit kann man diesen Kraftmeier noch füttern? Mir fällt eine Platte in die Hände, die ich zwar nicht jeden Tag höre, aber in- und auswendig kenne. Nils Lofgrens Acoustic Life. Kennt jeder, der irgendwann in früheren Tagen eine Hifi-Messe besucht hat. Mal sehen, wie dieser Verstärker „Keith don't go“ rüberbringt. Erwartungsvoll sitze ich da und dann legt Lofgren los. Seine helle, leicht nasale Stimme und die sauber angerissenen Saiten seiner elektrisch verstärkten Ovation Akustikgitarre werden gefühlt in meinen Hörraum gefeuert und die ganz hohen Töne der Gitarre klingen fast wie leichte Glocken. Die perkussiven Schläge auf die Gitarrendecke klingen so real, wie ich es von Live-Konzerten kenne und die Musik ist vollkommen losgelöst von den Lautsprechern. Der I-288 schafft es wirklich, in meinem Musikraum eine Live-Atmosphäre zu erzeugen. Dabei verliert er nie die Kontrolle, ist stets Herr des Geschehens.
Okay, Tempo machen kann er, der kraftvolle Däne. Mal hören, wie er mit Brad Mehldaus akzentuiertem Klavierspiel umgeht. 2013 hat Mehldau mit seinen langjährigen Wegbegleitern, dem Bassisten Larry Grenadier und dem Schlagzeuger Jeff Ballard, sechs Songs für sein Album Blues and Ballads (Nonesuch Records 554679-1) aufgenommen. Für seine Interpretation des Cole Porter Stücks „I concentrate on you“ wurde der Pianist in der Kategorie Best Improvised Jazz Solo für einen Grammy nominiert. Das Stück hat einen lateinamerikanischen Groove, bei dem man unbedingt mitswingen möchte. Der I-288 hat ein exaktes Timing, und die Dynamik der angeschlagenen Klavierseiten scheint grenzenlos. Die Aufnahme ist aus einem Fluss, und man merkt als Zuhörer, dass die drei Musiker den spielerischen Dialog miteinander im Aufnahmestudio genossen haben. Dies ist sicher keine audiophile Aufnahme, aber mit ihren kleinen musikalischen Feinheiten macht sie echt Spaß.
Cécile Mc Loren Salvants Erstlingswerk Woman Child (Mack Avenue MAC 1072LP) hat bei seinem Erscheinen 2013 für Aufsehen in der Jazzszene gesorgt. Sie wurde wegen ihrer markanten Stimme sofort mit den großen Jazzsängerinnen Ella Fitzgerald, Billie Holiday und Sarah Vaughan verglichen. Beim Titelstück „Woman Child“ zeigt der Aavik, was er draufhat: Der Song schwebt durch den Raum – hier gibt es nichts als Musik zu hören. Seine Kraft und Seriosität halten den Double Bass von Roger Whitaker an seinem Platz, wo er seinen Job macht und das Fundament für die Band bildet. Klasse. Dass im Hintergrund wirklich nur Schwärze ist und keine störenden Geräusche wahrzunehmen sind, überrascht mich nicht mehr. Mc Lorin Salvants Stimme ist absolut klar, präzise und dreidimensional und strahlt eine enorme Emotionalität aus. Die Souveränität, mit der der I-288 die plosiven Konsonanten ihrer Stimme wiedergibt ist famos. Hier zeigt sich die Philosophie von Michael Børresen besonders deutlich.

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