
Die gesamte Elektronik ist auf zwei blitzsauber aufgebauten Leiterplatten untergebracht, wovon eine das Netzteil und eine die eigentliche Switch-Schaltung beherbergt. Das Netzteil ist vollständig linear konzipiert. Die Basis bildet ein hochwertiger Ringkerntransformator von Toroidy in geschirmter und vergossener Ausführung. Schwingungen werden zudem durch Gummipuffer unter der Halterung minimiert, auf de der Transformator verschraubt ist. Der Trafo besitzt drei Sekundärwicklungen, womit drei voneinander unabhängige Stromschienen für die Clock, die Haupt-LAN-Schaltung und den isolierten Port realisiert werden. Für die Gleichrichtung sind schnelle Silicon-Carbide-Dioden verantwortlich, die anschließende Glättung übernehmen hochwertige Audio-Grade-Kondensatoren von Nichicon und als Spannungsregler kommen extrem rauscharme Typen zum Einsatz. Als Taktgeber finden wir einen hochpräzisen OCXO (Oven Controlled Crystal Oscillator) mit 25-Megahertz-Taktfrequenz, der sich durch extrem hohe Frequenzstabilität und niedriges Phasenrauschen auszeichnet. Die Ethernet-Buchsen stammen von Amphenol und die Netzbuchse ist von Furutech. Für den Hörtest habe ich den N1 wie folgt in meine Anlage integriert: Mit einem kleinen EdgeRouter X von Ubiquiti spanne ich ein eigenes Audio-Netzwerk auf. Vom Router geht es über eine WLAN-Strecke, die mit zwei kleinen TP-Link TL-WR902AC aufgebaut ist, zum N1. Auf diese Weise ist der N1 vom Router galvanisch getrennt. Ein TP-Link ist dabei am Router angeschlossen und der andere an einem der Standard LAN-Ports des N1. Mein Server mit den Musik-Dateien hängt an einem weiteren Standard LAN-Port, während ich meinen SOtM Audio PC mit dem isolierten Port verbunden habe. Vom Audio PC geht es dann über USB via ein SOtM USB Hub tX-USBultra in meinen PS Audio DirectStream DAC MK1. Audio PC und USB-Hub beziehen ihren Takt von der SOtM Master-Clock SCLK-OCX10. Gesteuert wird das Ganze mit der JPLAY iOS App. In dieser Konfiguration kann ich entweder lokal von meinem Server oder via Internet von Qobuz streamen. In beiden Fällen fließen die empfindlichen Audio-Daten über den N1. Noch ein Wort zum praktischen Betrieb: Wenn der XACT N1 hochfährt, führt er in den ersten Sekunden alle wichtigen Konfigurationsaufgaben durch, wozu die DHCP-Aushandlung, die Konfiguration der Port-Geschwindigkeit und die interne Initialisierung gehören. Sobald dieser Vorgang abgeschlossen ist, schaltet sich der Hauptprozessor automatisch ab, um jegliches unnötiges elektrisches Rauschen zu eliminieren nach dem Motto, was nicht aktiv ist, kann auch nicht stören. Zu beachten ist aber, dass ab diesem Zeitpunkt der Switch im rein hardwaregesteuerten Modus weiterarbeitet. Alle Ports bleiben aktiv und die anfängliche Konfiguration ist fixiert. Weitere dynamische Änderungen sind jedoch nicht möglich. Der Switch konfiguriert sich nicht mehr für neu angeschlossene Geräte oder die Neuverhandlung der Portgeschwindigkeit. Insbesondere beim isolierten Port kann es vorkommen, dass Geräte ohne Neustart des Switch nicht funktionieren. Dann hilft nur Stecker ziehen, da beim N1 auf einen Netzschalter verzichtet wurde. Aus diesem Grund habe ich immer zuerst alles verkabelt und dann den N1 ans Netz gehängt.

Beginnen wir mit „Galicia Flamenco“ mit Gino D‘ Auri (Flamenco Passion - FIM XRCD), lokal zugespielt von meinem Server. Das Stück erklingt mit dem N1 ausnehmend samtig und geschmeidig. Alle Instrumente haben enorm viel Substanz und Farbe. Gleichzeitig wird aber nichts glatt geschliffen oder gar geschönt. Ganz besonders beeindruckt mich, wie viele allerkleinste Details auf einmal hörbar werden: feine Unterschiede in der Artikulation der hart angeschlagenen Akkorde der Flamenco Gitarre, das Knarzen des Cellos oder feine Anschlaggeräusche auf den Korpus der Instrumente. Die Wiedergabe menschlicher Stimmen ist mit dem N1 ein Highlight. Bei „The Very Thought of You“ mit Claire Barlow (Jazz Ballads - 2xHD 24/44,1) hebt sich die Sängerin in bisher nicht gehörter Klarheit nicht nur von den begleitenden Instrumenten, sondern auch insgesamt vom Hintergrund ab. Gleichzeitig sind auch hier feinste Details, wie das Einatmen der Sängerin deutlicher denn je zu hören. Einzelne Zischlaute werden niemals aufdringlich oder gar störend wiedergegeben – ganz im Gegenteil, alles bleibt jederzeit angenehm entspannt. Darüber hinaus verschwindet mit dem N1 auch noch der letzte Rest von Unschärfe um die Sängerin herum, die mir bisher immer eine gewisse Räumlichkeit vorspiegelt hat, die es offensichtlich nicht gibt. Für mich ist das ein klares Zeichen für einen signifikant reduzierten digitalen Störteppich. Was bleibt ist Natürlichkeit pur. Und noch ein Aspekt sticht heraus. Der N1 scheint den Dynamikbereich und die Bandbreite des musikalischen Ausdrucks zu erweitern. Die Ouvertüre zur Oper „Die Italienerin in Algier“ von Rossini (Solti & Orchestra Of The Royal Opera House, Covent Garden: VENICE - CAPC 23130 SA) lebt von den dynamischen Gegensätzen. So wird der getragene Auftakt im Pianissimo immer wieder von Fortissimo-Einwürfen des Orchesters unterbrochen. Im weiteren Verlauf der Ouvertüre werden dann abwechselnd zwei Themen gegenübergestellt bis schließlich alles einem fulminanten Schluss zustrebt. Die kontinuierliche Intensivierung der Dynamik wird dabei auch durch die Veränderung der Instrumentierung erreicht. Bei den fließend an- und abschwellenden Lautstärkeänderungen bleibt die Wiedergabe mit dem N1 bis in die höchsten Tonlagen federnd und geschmeidig ohne den kleinsten Anflug von Härte oder gar Anstrengung. Es scheint, als würde der N1 bis in die höchsten Lagen keine Begrenzung kennen und einfach natürlich auslaufen. Die Musik fließt einfach viel besser und natürlicher als ich es sonst gewohnt bin. Damit werden auch die Positionierung der Instrumente und die Beziehungen zwischen ihnen wesentlich klarer herausgearbeitet. Auch hier klingt mit dem N1 insgesamt alles angenehmer und entspannter bei gleichzeitig mehr Details. Das Stück „España“ von Emmanuel Chabrier lebt von der reichhaltigen und zugleich feinsinnigen Instrumentalisierung. Das London Symphony Orchestra unter der Leitung von Ataulfo Argenta spielt (Decca Legacy Volume Two - FIM UHD) mit selten gehörter Dynamik, Präzision und Klarheit. Mit dem N1 wird der großartige Detailreichtum der vorliegenden Aufnahme mit ihren vielen feinen Verästelungen in außergewöhnlicher Klarheit hörbar. Das Schöne dabei ist, dass die Darbietung immer fließend bleibt und nicht vor lauter Details in Einzelteile zerfällt. Gleichzeitig umgibt die Instrumente eine wunderbare natürliche Luftigkeit, die zu einer überaus klaren und präzisen räumlichen Abbildung führt.
