tests/11-01-13_audiolab
 

Audiolab 8200A

18.01.2011 // Matthias Jung

Tradition und lange Lebenszyklen gelten heute im Hifi-Geschäft nicht mehr viel. Eine Neuheit jagt die nächste, und das aktuelle Modell ist schon veraltet, kaum dass es angeschlossen ist. Audiolab stemmt sich mit dem Vollverstärker 8200A gegen diesen Trend und setzt sowohl innen als auch außen auf Bewährtes.

Betrachtet man den brandneuen Audiolab 8200A, fällt mir spontan der Slogan eines teuren Versandhauses ein: „Es gibt sie noch, die guten alten Dinge.“ So ist er doch seinen Vorfahren aus den 80ern, die hierzulande aus markenrechtlichen Gründen unter Camtech vertrieben wurden, wie aus dem Gesicht geschnitten.

Genau genommen gibt es Audiolab erst seit sechs Jahren wieder. Nachdem die Firma 1997 von TAG McLaren Japan übernommen wurde und die Geräte im neuem Design besonders in Richtung Mehrkanal-Hifi (A/V-Prozessoren, Mehrkanalendstufen) entwickelt wurden, übernahm 2004 IAG die Firma. Das Programm wurde wieder auf klassisches Zwei-Kanal-Stereo zurückgebaut und das alte Audiolab-Design reanimiert. In der Zwischenzeit gab es eine kontinuierliche Weiterentwicklung, die in der neuen A-Serie ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht haben soll. Erfreulicherweise halbierten sich auch die Preise wieder auf das alte Niveau aus Vor-Euro-Zeiten.

Zeitloses Design: Schnörkellos gestaltete Front mit wenigen, selbsterklärenden Bedienelementen
Zeitloses Design: Schnörkellos gestaltete Front mit wenigen, selbsterklärenden Bedienelementen

Vergleicht man die Geräte direkt, sind die Unterschiede tatsächlich gering. Na gut, die Bedienelemente sind etwas anders geformt und angeordnet, die Front matter gehalten, aber sonst hat sich nicht viel geändert. Muss es auch nicht, da das Design damals schon etwas Zeitloses hatte, und so wirkt der Audiolab auch heute noch aktuell. Ich nenne es einfach mal technisch elegant. Auch im Inneren soll sich laut Aussage des Vertriebes nicht so viel getan haben. Die Schaltungen basieren immer noch auf denen von früher, konsequentes Verfeinern des Designs und der Einsatz hochwertiger Bauteile aus aktueller Produktion sollen dem 8200A allerdings auch heute noch zu einer Sonderstellung im Markt verhelfen. Die hatten die ehemaligen Camtechs besonders durch ihre ausgeprägte Neutralität und Ehrlichkeit inne, wenn sie auch nicht als Sprinter und feingeistige Schönklinger bekannt waren – jedenfalls erinnere ich mich an meinen alten Camtech V102 so, den ich etliche Jahre zufrieden in Betrieb hatte.

Beim Auspacken macht der 900 Euro teure Audiolab vor allem durch seine Anfassqualität Eindruck. Keine scharfen Kanten, alles bündig verarbeitet, satt laufende Regler beziehungsweise Schalter und rückseitig verschraubte Anschlüsse verbreiten den Eindruck von Solidität und Stabilität. Dazu trägt auch der gedämpfte Gehäusedeckel bei, der auf Anklopfen nicht scheppert, sondern mit einem kurzen, trockenen „Tock“ antwortet.
Anschlüsse gibt es genug für jede Lebenslage. Neben drei Hochpegeleingängen sind noch einmal drei vollwertige Tapeschleifen vorhanden. Zwei Paar Lautsprecher können angeschlossen, wenn auch nicht einzeln geschaltet werden. Sehr komfortabel sind die Auftrennmöglichkeiten des Verstärkers. Zwei Vorverstärkerausgänge und ein Endstufeneingang stehen für diverse Betriebsarten zur Verfügung. So können entweder Aktivlautsprecher oder separate Endverstärker betrieben oder ein A/V-Prozessor eingeschleift werden. Der jeweilige Modus wird intern einfach per Drehschalter an der Front gewählt, und man muss sich nicht mehr mit windigen Drahtbrücken zwischen Vor- und Endstufe abplagen.

Fehlt nur noch ein Phonoeingang. Besonders praktisch: Die frontseitig schaltbaren Vor- und Endstufenaus- und eingänge
Fehlt nur noch ein Phonoeingang. Besonders praktisch: Die frontseitig schaltbaren Vor- und Endstufenaus- und eingänge

Frontseitig gibt es an Bedienelementen in bester Britischer Tradition neben dem Lautstärkeregler einen Eingangswahlschalter und die Möglichkeit, die Aufnahmequelle zu wählen – das war's. Klangregler sind nach Britischer Doktrin ja bekanntlich von übel, aber auf einen Balanceregler hätte man nicht unbedingt verzichten müssen. Der Dreh an solch einem Regler ist manchmal einfach komfortabler, als gleich einen ganzen Lautsprecher zum Lautstärkeabgleich durch den Hörraum zu wuchten. Nicht vergessen werden darf der gute Kopfhörerausgang, der beim Einstöpseln eines 6,3 Millimeter-Klinkensteckers alle anderen Ausgänge lahm legt.

Gesteuert wird das Ganze über eine hochwertige Fernbedienung aus Aluminium, die, wenn vorhanden, auch andere Komponenten aus dem Hause Audiolab an die Infrarotleine nimmt.

Die Fernbedienung füttert neben dem 8200a auch noch die hauseigenen Tuner und CD-Player mit Steuerbefehlen
Die Fernbedienung füttert neben dem 8200a auch noch die hauseigenen Tuner und CD-Player mit Steuerbefehlen


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