Twenty-sixth Statement From Birdland: Ed Kröger Quintett

06.04.2015 // Dirk Sommer

Gerade mal ein Statement From Birdland hat es 2014 gegeben. Ab sofort gelobe ich Besserung. Den Vorjahresstand erreichen wir heuer mit einem Mitschnitt des am Ende seiner Tournee bestens eingespielten und aufgelegten Ed Kröger Quintetts, dessen Zugabe ich Ihnen in CD-Qualität und in 24/192 präsentiere

Es ist übrigens nicht so, dass ich im vergangenen Jahr nur ein Konzert aufgezeichnet hätte. Nein, bei den etwa eine Handvoll Aufnahmen wollte ich es besonders gut machen und erst im heimischen Hörraum unter bekannten Abhör-Bedingungen das Verhältnis der Instrumente zueinander festlegen – ohne gleich jeglichem Purismus zu entsagen. Das Mittel der Wahl hierzu ist die Nagra VI, deren Namenszusatz auch auf die Anzahl der bei 24/192 maximal nutzbaren Kanäle verweist. Dabei verfügt der für die Leistung recht kompakte Recorder aber lediglich über vier integrierte Mikrofonverstärker, weshalb ich den beiden verbleibenden Line-Eingängen den Bryston Mikrofonvorverstärker BMP2 vorgeschaltet habe. Die sechs Kanäle lassen sich dann anschließend in einem virtuellen Mischpult in Pegel und Position im Stereopanorama regeln. Das daraus resultierende Stereosignal kann über die Analog- oder den digitalen AES/EBU-Ausgang ausgegeben werden. Die Aufnahmen des vergangenen Jahres harren nun noch dieser Nachbearbeitung: Sie liegen als Fünf- oder Sechs-Kanal-Aufnahmen auf einer Festplatte. Im Artikel mit dem Download des Duos Patrik Bebelaar und Vincent Klink finden Sie übrigens auch Bilder der Nagra mit ihrem virtuellen Mischer. Doch nun endlich zum Auftritt des Ed Kröger Quintetts, den Christian Wurm fotografierte und für die Neuburger Rundschau rezensierte.

Ed Kröger, Posaune, und Ignaz Dinné, Altsaxophon, präsentierten Standards und Eigenkompositionen
Ed Kröger, Posaune, und Ignaz Dinné, Altsaxophon, präsentierten Standards und Eigenkompositionen

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Am Samstag gastierte mit Ed Kröger der neben Albert Mangelsdorff wohl bekannteste und am meisten stilprägende Posaunist Deutschlands mit seinem Quintett nach längerer Zeit wieder einmal im Birdland Jazzkeller. Dem 71-jährigen, jung gebliebenen Chef standen mit Ignaz Dinné am Saxofon, Vincent Bourgeyx am Piano, Felix Henkelhausen am Bass und Rick Hollander an den Drums ausgezeichnete und versierte Mitstreiter zur Seite.

Schon das erste Stück „On Route“ von Ed Kröger gibt die Richtung vor, die sich wie ein roter Faden durch das Konzert zieht; souliger, rhythm and blues getränkter Bebop mit Bodenhaftung. Ein weiteres Merkmal des Ensembles sind die melodischen Bläsersätze, mal im Gleichklang, mal zweistimmig von Kröger und Dinné mit viel Esprit und Feingefühl präsentiert. Gleich anschließend folgt eine swingende, samba-affine Version von Wayne Shorter’s „Tom Thumb“. Erstklassig interpretiert wird auch das vielschichtige „What’s New“ von Bob Haggart.

Hier meldet sich auch der 19-jährige Jungspund Felix Henkelhausen mit einem spritzigen Bass-Solo zu Wort. Garniert wird das Ganze noch mit einigen knackigen Pianoriffs von Vincent Bourgeyx. Bei diesem und dem einen oder anderen weiteren Stück dient Ed Kröger auch mal eine über den Posaunentrichter gestülpte Wollmütze als leichter Dämpfer, um dem Klang noch mehr Wärme zu geben.

Und Wärme findet sich auch in den Balladen wieder, wie bei dem auf der Posaune intonierten „You Have Changed“. Bei „Memories Of You“ wird schließlich auch Krögers Sohn Dinnè am Saxofon gefeatured, der gewissermaßen in die Fußstapfen seines Vaters tritt, was die Philosophie des Klanges betrifft – fest und klar; sanft aber nicht süßlich und nie überladen.

Zum Ende des Konzerts fließt dann noch eine kleine Brise Hardbop mit ein, bevor eine bluesige, leicht augenzwinkernd dargebotene Version von Charles Mingues’ „Nostalgia In Time Square“ dieses wunderbare, authentische Konzert beendet. Mitnichten Nostalgie, sondern Tradition, bei der nicht die Asche bewahrt, sondern die Glut weitergegeben wird.

Christian Wurm

Vincent Bourgeyx brillierte in seinen Soli. Während der Sets ist es im Birdland nahezu unmöglich, das Gesicht eines Pianisten aufs Bild zu bekommen. Deshalb sehen sie den Pianisten hier beim Schlussapplaus
Vincent Bourgeyx brillierte in seinen Soli. Während der Sets ist es im Birdland nahezu unmöglich, das Gesicht eines Pianisten aufs Bild zu bekommen. Deshalb sehen sie den Pianisten hier beim Schlussapplaus


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