boulevard/22-06-14_crystal
 

Ein Besuch bei Crystal Cable

14.06.2022 // Von Wojciech Pacuła und Birgit Hammer (Fotos)

WP: Was hat sich also geändert, so dass Crystal erfolgreich wurde?
GR: Wir haben uns für den Vertrieb an andere Unternehmen gewandt. Die größte Herausforderung bestand darin, solche mit passenden Marken zu finden. Im ersten Jahr war es schwer: Ich war eine Frau in dieser Branche, das war Anfang 2000, und es ist immer noch selten, aber das Gute war und ist, dass die Marke nach 18 Jahren auf dem Markt immer noch einzigartig ist. Wir hatten einige Probleme mit Produktfälschungen und -kopien, aber nicht allzu viele, weil die Technologie der Crystal Cable sehr schwer zu verbergen ist. Große Kabel lassen sich sehr leicht fälschen: Man steckt andere Materialien und andere Leiter in denselben beeindruckenden, großen, dunklen und schweren Außenmantel, so dass man nicht sehen kann, was drin ist. Aber die Technologie, die wir bei Crystal verwenden, ist sehr schwer zu kopieren.
WP: Wie hat sich die Technik seither verändert? Wenn Ihr eine neue Technologie entwickelt, wird sie dann zuerst für Siltech und danach für Crystal Cable eingesetzt?
GR: Nein, das ist etwas ganz anderes. Als Edwin die erste Idee hatte, handelte es sich um eine Variante der Siltech-Kabel. Und dann haben wir die neue Marke gegründet – das war der nächste Schritt in der Entwicklung. Weißt Du, die Metallurgie wird immer von Ideen und Technologie und dem Zweck, für den wir sie brauchen, bestimmt. Das Ingenieurteam – wir haben jetzt vier Ingenieure, es ist nicht nur Edwin – entscheidet also und sagt den Metallurgen, welchen Leiter sie herstellen sollen und wie sie ihn herstellen sollen. Jetzt haben wir also verschiedene Leiter für beide Marken, und ihr Klang ist völlig unterschiedlich.

Die Präsentation des Kabel muss seiner Qualität und seinem Preis entsprechen
Die Präsentation des Kabel muss seiner Qualität und seinem Preis entsprechen

Der größte Unterschied ist natürlich das Aussehen. Der zweitwichtigste Unterschied ist, dass Crystal-Kabel sehr einfach zu verlegen sind, sie sind sehr flexibel und dünn. Man kann sie in eine Röhre stecken, in eine Wand, unter einen Teppich, wenn man will – aber sie sind auch wirklich schön für das Auge, das ist der große Unterschied. Aus diesem Grund sind unsere Endkunden, Vertriebe und Händler so unterschiedlich. Aber auch der Unterschied im Klang ist sehr deutlich. Die meisten Rückmeldungen, die wir erhalten, besagen, dass Crystal-Kabel neutral, sehr detailliert, schnell und sehr dynamisch sind, und der Anlage der Kunden helfen zusammenzuwachsen. Deshalb nennen die meisten Menschen sie „vergebend“. Wenn einer Anlage etwas fehlt oder sie Probleme oder Fehler hat, sorgen die Crystal-Kabel für ein gewisses einheitliches Ganzes, das die Anlage zusammenhält, und das ist etwas sehr Wichtiges. Diese Kabel sind auch musikalisch, denn mit der Geschwindigkeit der koaxialen Konstruktion erhalten wir mehr Luft und Raum in der Musik. Das Wichtigste ist, dass sie nicht mit den Siltech-Kabeln konkurrieren. Die haben ihre Vorteile – sie sind meines Erachtens nach sogar die besten unter den traditionell aussehenden Kabeln. Es waren immer verdrillte Leiterpaare, sie sind immer noch verdrillt, aber nicht nur paarweise. Jetzt haben wir einen anderen Aufbau. Es gibt immer mehrere Leiter verschiedenen Querschnitts in einem Bündel, in verschiedenen Zusammenstellungen. So erzeugen sie ein schönes, großes Bild, liefern viele Details und einen sehr transparenten Hochtonbereich. Aufgrund ihrer Technologie lösen sie sehr fein auf. Wenn im System etwas fehlt, kann man diese Mängel mit Siltech-Kabeln leicht feststellen, was ebenfalls positiv ist. Das Fazit ist also, dass einige Leute diese beiden Kabelmarken in einem System verwenden. Und das ist recht lustig, denn mit Siltech-Kabeln findet man Dinge, die man verbessern kann, und mit Crystal-Kabeln verbindet man die Anlage zu einem Ganzen. Siltech und Crystal gehören zu einer Familie, so wie wir eine Familie sind.

Gaby und Edwin Rynveld, Wojciech Pacuła und Dirk Sommer bei der Übergabe des Statement in High Fidelity│Polish Edition 2021 im Hörraum in Elst
Gaby und Edwin Rynveld, Wojciech Pacuła und Dirk Sommer bei der Übergabe des Statement in High Fidelity│Polish Edition 2021 im Hörraum in Elst

WP: Ich nehme also an, dass Sie froh sind, zurück zu sein?
GR: Natürlich ist mein Auftrag noch nicht abgeschlossen und dauert noch an.
WP: Und was ist der Auftrag?
GR: Meine Mission ist es, die Musik im Audiobereich in den Vordergrund zu stellen – nicht die Geräte und die Akustik im Raum, sondern das Wichtigste, wonach wir alle suchen. Das kommt natürlich von meinem Hintergrund. Wir bewegen uns in die richtige Richtung, aber es ist immer ein Prozess. Wissen Sie, bei HiFi-Messen, Vorträgen und Diskussionen geht es immer noch um Technik und Geräte, die sehr wichtig sind. Aber die Musik ist viel wichtiger. Der zweite Teil der Aufgabe besteht darin, den Menschen klar zu machen, dass das Kabel kein Zubehör ist, sondern ein gleichwertiger Teil der Anlage. Viele Menschen verwenden immer noch das abgedroschene Beispiel: „Ein Kabel ist wie die Reifen eines Autos“. Ok, das ist ein sehr männliches Beispiel, aber ich bevorzuge die Metapher eines Orchesters oder einer Jazzband. Wenn wir 80 Leute im Orchester haben und einer macht Fehler, wird das ganze Bild, die ganze Musik zerstört. Wenn eines der kleinsten Kabel in Ihrer Anlage Fehler macht, können die anderen Komponenten nicht mehr den besten Klang liefern.
WP: Also: Vor allem Musik!
GR: In erster Linie Musik – und dann Kabel als gleichberechtigter Bestandteil der Anlage.
WP: Danke für das Treffen.
GR: Ich danke auch und Grüße an die Leser.

Vertrieb
International Audio Holding BV
Anschrift Edisonweg 8
6662 NW Elst
The Netherlands
Web my-iah.com


  • Chord Electronics neuer Firmensitz

    Tests außergewöhnlicher Komponenten werfen ihren Schatten voraus: Im Umfeld der Beschäftigung mit Chord Electronics' DAVE besuchte mich sein Entwickler in Gröbenzell, ebenso zur Vorstellung des M-Scalers. Die Technik des Maßstäbe setzenden BLU MKII erläuterte mir Rob Watts in Maidstone. Ebendort fand auch das Interview zum Thema Quartet statt. Die Frage, ob wir uns lieber in Gröbenzell oder in Maidstone treffen würden, entschied Mika Dauphin, der Inhaber des deutschen Chord-Vertriebs, recht pragmatisch: Da die englischen Verstärker-…
    24.07.2026
  • Temperatur und Tonabnehmer

    Vor rund 20 Jahren, als noch von Jahrhundertsommern statt von Hitzedomen die Rede war, trieb mich erstmals die Frage um, ob es Tonabnehmersystemen schade, wenn sie oberhalb der üblichen Raumtemperatur benutzt werden. Damals gab Benz-Eigner Albert Lukaschek bereitwillig Auskunft, heuer befragte ich Ortofons ehemaligen Chefentwickler Leif Johannsen. Heute kann man nur neidvoll an die Sommer vergangener Jahrzehnte zurückdenken, als es schon bemerkenswert war, wenn das Thermometer mehrere Tage lang mal mehr als 25 Grad anzeigte.…
    10.07.2026
  • Wiener (High End) Impressionen

    Der Umzug der wohl wichtigsten Hifi-Messe weltweit stellt nicht nur die Veranstalter, Aussteller – und Besucher? – vor neue Herausforderungen. Für uns war die Show in München in Heimspiel: Im letzten Jahr kamen fünf der sieben hifistatement.net-Teilnehmer aus München oder dem nahen Umfeld, auch wenn nicht alle Bild- oder Textbeiträge lieferten. Auch in diesem Jahr wird die Hauptlast die Berichterstattung wieder auf den Schultern von Finn Corvin Gallowsky liegen. Er hat die Aufgabe im letzten…
    04.06.2026
  • Statements in High Fidelity | Vienna Edition 2026

    My colleague Wojciech Pacuła’s magazine, highfidelity.pl, and hifistatement.net have traditionally recognised one component at each of the trade fairs in Munich and Warsaw that had impressed us over the previous six months. As High End is taking place in Vienna this year, we will henceforth be referring to the Vienna and Warsaw Edition of the Awards. Apart from the name change, there are no surprises this time. My colleague indulged his fondness for British loudspeakers…
    25.05.2026
  • Statements in High Fidelity | Vienna Edition 2026

    Das Magazin meines Kollegen Wojciech Pacuła, highfidelity.pl, und hifistatement.net zeichneten zu den Messen in München und in Warschau traditionell jeweils eine Komponente aus, die uns im vorausgegangenen Halbjahr begeisterte. Da die High End heuer in Wien stattfindet, werden wir ab sofort von der Vienna und der Warsaw Edition der Awards sprechen. Außer der Namensänderung gibt es diesmal keine Überraschungen. Der Kollege frönte seiner Vorliebe für englische Lautsprecher aus der BBC-Tradition, kürte die Harbeth mit der…
    25.05.2026
  • High End ohne Limit – ein Besuch bei Göbel High End

    Vor einem Jahr erlebte ich die Göbel Divin Comtesse bei Dirk Sommer – das kleinste Modell der Divin-Serie. Schon sie überzeugte mich klanglich. Und doch schwärmte Dirk Sommer bei dieser Gelegenheit über die geradezu unglaubliche Wiedergabe der großen Systeme, die er im Showroom von Oliver Göbel in Landshut hören durfte. Nun hat Göbel High End die Premiere seines neuen Ultra-High-End-Standlautsprechers Divin Monarque auf der kommenden High End im Juni in Wien angekündigt und hifistatement.net vorab…
    01.05.2026

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.