boulevard/24-09-13_wilson
 

Erlkönig: Wilson Benesch Tessellate Ti-S

13.09.2024 // Dirk Sommer

Der Verzicht auf gerade Kanten und Flächen macht die Justage im Headshell nicht gerade einfach
Der Verzicht auf gerade Kanten und Flächen macht die Justage im Headshell nicht gerade einfach

Noch mehr als die Angabe zum ohmschen Abschluss des Tonabnehmers hat mich die zur optimalen Auflagekraft überrascht: 1,35 Gramm – und dieser Wert ist schon am oberen Ende des empfohlenen Bereichs von 1,0 bis 1,4 Gramm angesiedelt. Spontan fällt mir außer den van-den-Hul-Tonabnehmern kein anderes MC-System ein, dass mit einer so geringen Auflagekraft auskommt. Nach den Werten für Nadelnachgiebigkeit und Systemgewicht dürfte der Thiele TA01 ein geeigneter Spielpartner für das Tessellate Ti-S sein. Und das ist nicht nur theoretisch so: Bei Art Farmer und Jim Halls Big Blues gibt es noch keinerlei Auffälligkeiten, auch wenn sich schon erahnen lässt, dass das Wilson Benesch sehr fein auflöst und sich auch im Tieftonbereich keine falsche Zurückhaltung auferlegt. Aufgrund der hohen Packungsdichte im Plattenregal habe ich nicht nur Big Blues herausgezogen, sondern zugleich auch Pierre Favres Singing Drums, ein Album, das er zusammen mit den Schlagzeugern und Perkussionisten Paul Motian, Fredy Studer und Nana Vasconcelos eingespielt hat. Die Scheibe bestätigt den ersten Eindruck: Das Tessellate erlaubt genaue Einblicke in die Struktur der dicht geflochtenen perkussiven Klangteppiche, verleiht tiefen Trommeln eine Menge Druck und lässt schon jetzt ein hohes Maß an Dynamik und Spielfreude aufblitzen.

Das Tessellate Ti-S harmonierte mit dem Thiele TA01 (Bilder oben) ebenso gut wie mit Einsteins The Tonearm in der Neun-Zoll-Version
Das Tessellate Ti-S harmonierte mit dem Thiele TA01 (Bilder oben) ebenso gut wie mit Einsteins The Tonearm in der Neun-Zoll-Version

Bei einem der audiophilen Klassiker der 80-er Jahre, Tsuyoshi Yamamotos Midnight Sugar, Erstauflage der Three Blind Mice 2523, habe ich dann den Eindruck, dank des Tessellate tiefer ins musikalische Geschehen eintauchen zu können als zuvor: Das Entstehen und Verklingen einzelner Töne und auch ihre ganz individuelle Intensität bildet das Wilson Benesch enorm klar und exakt ab, ohne das große Ganze aus dem Blick zu verlieren. Der Drive des swingenden Trios überträgt sich unmittelbar auf den Zuhörer. Wirklich vielversprechend!
Einfach, weil es bisher so viel Spaß gemacht hat, probiere ich das Tessellate nun auch noch mal in Einsteins The Tonearm aus, und zwar mit dem Speakers Corner Reissue von Joaquin Rodrigos Concierto Andaluz: Die räumliche Differenzierung der vier Gitarristen gelingt dem Tonabnehmer ganz hervorragend. Die Instrumentengruppen des Orchesters werden auf einer ungewohnt tiefen Bühne platziert und scheinen von viel Luft umgeben zu sein. Obwohl die Aufnahme frisch und sehr lebendig reproduziert wird, stört nicht einmal ein Anflug von Schärfe den Genuss. Schon nach der Hälfte der empfohlenen Einspielzeit verwöhnt das Tessellate mit einer Homogenität und tonalen Stimmigkeit, wie ich sie bisher nur von einigen wenigen Top-Abtastern kenne. Natürlich ist es jetzt noch deutlich zu früh für einen Vergleich mit einer dieser anderen Pretiosen, aber nach den bisherigen Erfahrungen sehe ich eher eine Ähnlichkeit des Wilson Benesch zu Ortofons MC Diamond und Lyras Atlas, also sehr ausgewogenen, dem Begriff High Fidelity verpflichteten Tonabnehmern, als etwa zu den minimal wärmer und verzeihenderen agierenden Tranrotor Tamino und Lyra Olympos SL.


  • Mal wieder in Gröbenzell: Angus Leung

    Der Besuch von Angus Leung, dem Firmenchef von WestminsterLab und Marketing-Beauftragten von Lumin, und Krey Baumgartl vom Deutschland-Vertrieb IAD vor der High ist schon fast zur Tradition geworden. Aber auch zwischen den Messen schauen die beiden glücklicherweise gern mal vorbei. Dieses Mal ging es um den Vollverstärker Omne von WestminsterLab. Wenn Ihnen der Name des Verstärkers bekannt vorkommen sollte, dürfte es daran liegen, dass hifistatement.net bereits im Februar des vergangenen Jahres über dessen Vorstellung im…
    13.03.2026
  • Interview mit Marcin Hamerla und Paweł Gorgoń, HEM

    Ende Januar hatten sich Dirk Sommer und ich mit Marcin Hamerla, HEM CEO, und Paweł Gorgoń, HEM Head of R&D, zum Interview per Teams verabredet. HEM ist das Unternehmen, das hinter der Marke Ferrum Audio steht. Roland Dietl: An USB als Audio-Verbindung scheiden sich bekanntlich die Geister. Da passt es perfekt, dass Ihr mit uns über USB sprechen wollt. Warum eigentlich? HEM:Wie Ihr wisst, werden wir in Kürze einen Streamer auf den Markt bringen. Es…
    27.02.2026
  • Eine Acapella Hyperion zieht um

    Der Titel bezieht sich auf die folgende Fotogeschichte. Sie dokumentiert den Aufbau einer Hyperion und lockert das Interview optisch auf, das ich mit Richard Rudolph, dem neuen Geschäftsführer von Acapella Audio Arts, und Marc Lindike, dessen Firma Unbelievable Audio ab sofort für den weltweiten Vertrieb der Schallwandler aus Duisburg zuständig ist, führte. Dirk Sommer: Heute ist ja der Tag, wo zum ersten Mal die neue Struktur von Acapella greift. Die Besitzverhältnisse haben sich geändert. Richard,…
    13.02.2026
  • Ein Besuch bei „Audio Freak“ Markus Wierl

    Vor kurzem erwähnte ich Dirk Sommer gegenüber, dass ich nach wie vor Interesse an einem Bass-Array-Test in meinem Hörraum samt Bericht hätte. Sofort fiel der Name Markus Wierl, er ist Spezialist für Trinnov und ihr WaveForming für Bass-Arrays. Aus einem Test in den eigenen vier Wänden wurde zunächst ein Besuch beim selbsternannten Audio Freak. Vorab habe ich mich mit Markus telefonisch ausgetauscht, um herauszufinden, was wir gemeinsam unternehmen möchten. Für einen ersten Bericht hat er…
    23.01.2026
  • hifistatement.net intern – Teil 9

    Wider Erwarten habe ich die Selbstdarstellungen der Kollegen mit viel Freude gelesen, da ich noch einiges Neues erfahren konnte. Selbst wenn man sich schon lange kennt, hat man vielleicht nie darüber gesprochen, wie man zu unseren Hobby gekommen ist. Doch mit meinem Text beschließen wir die Reihe. Ab sofort geht’s mit Tests weiter. Versprochen. Ich beschäftigte mich schon während der Schulzeit mit simplen Radio- und Lautsprecherbasteleien und, sobald es die Finanzen erlaubten, mit richtigem HiFi.…
    07.01.2026
  • hifistatement.net intern – Teil 8

    Wenn es um Fotos in hifistatement.net geht, und zwar meist um solche von Messen, Firmenbesuchen oder Aktivitäten im Hörraum, taucht oft ein anderer Name auf als der von Helmut Baumgartner: Birgit Hammer. Meine Gattin macht aber nicht nur Aufnahmen für's Magazin, sondern erledigt auch organisatorische Aufgaben und betreut unseren Instagram-Auftritt. Ein Leben ohne Musik ist für mich nicht vorstellbar. Schon als Kind war Musik für mich enorm wichtig, zuerst beim Zuhören, wenn meine Mutter beispielsweise…
    05.01.2026

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.