boulevard/24-11-21_jpp
 

Interview mit Jean-Pascal Panchard – Teil 1

21.11.2024 // Dirk Sommer, Birgit Hammer (Fotos)

Um auf Stenheim zurückzukommen: Zu dieser Zeit arbeitete ich in Teilzeit für Nagra und interessierte mich für Audio. Ich organisierte einige schöne Shows, die sich an die Audiowelt richteten. Die Idee war, Schweizer Herstellern vorzuschlagen, ihre Geräte in einer angenehmen Umgebung auszustellen und zu präsentieren, Leute einzuladen und andere Erfahrungen zu teilen, nicht nur in Bezug auf Audio, sondern auch in Bezug auf Gastronomie, Wein und Kunst. Wir haben drei Shows in drei Jahren veranstaltet. Wir nannten sie Son & Sens. Soweit ich mich erinnere, warst Du bei einer davon, der letzten in Montreux. Das war ein großartiger Ort. Wir haben die Shows zweimal an einem anderen Ort gemacht, in einem Schloss, nicht weit von hier entfernt. Das war eine außergewöhnliche Erfahrung, die Verbindung zwischen den verschiedenen Genüssen rund um Audio, Gastronomie, Wein und Kunst zu verstehen. Das sind alles Erfahrungen, die vielleicht für einige Menschen wichtig sind, die ähnliche Einflüsse, aber auch ähnliche Persönlichkeiten haben könnten. Es war eine wirklich interessante Erfahrung zu verstehen, dass man, wenn man Musik mag, wenn man Audio-Sachen mag, sicherlich auch guten Wein oder gute Gastronomie oder Kunst mag, weil man für diese mit Musik verbundenen Freuden empfänglich ist. Son & Sens war für mich eine sehr gute Gelegenheit, Kontakte zu anderen Akteuren der Branche zu knüpfen, vor allem zu Herstellern in der Schweiz und auch zur Presse. Du warst dort und einige andere Deiner Kollegen auch. Das war für mich eine wichtige Erfahrung ebenso wie die, die ich mit Nagra auf den internationalen Märkten gemacht habe: Wir können nicht von lokalen Märkten leben. Wenn man eine Marke hat, muss man über den weltweiten Vertrieb nachdenken. Man muss also offen sein. Die Arbeit mit Nagra hat mir geholfen, das zu erkennen.

Jean-Pascal Panchard erklärt die Struktur seiner Lautsprechergehäuse
Jean-Pascal Panchard erklärt die Struktur seiner Lautsprechergehäuse

Zu dieser Zeit war Stenheim eine Chance für mich, denn die Jungs von Stenheim, diese jungen Leute, hatten andere Ideen und wurden von einem viel größeren Unternehmen eingestellt, das sehr ehrgeizig war, und schließlich sagten sie: „Okay, wir wollen unser Baby verkaufen.“ Damals wollten sie mich bei Nagra treffen, aber Nagra war an Stenheim nicht interessiert, weil sie keine Lautsprecher herstellen wollten. Zu dieser Zeit kannte ich die Qualität von Stenheim, weil ich sie bei Son & Sens kennengelernt hatte, und ich traf die Besitzer auch in meinem audiophilen Club. Ich wusste von der Qualität von Stenheim. Ich war sehr beeindruckt.

Verstrebungen und rein konstruktive Bauteile aus Aluminum bleiben unbehandelt, die Außenwände werden vor der Montage pulverbeschichtet
Verstrebungen und rein konstruktive Bauteile aus Aluminum bleiben unbehandelt, die Außenwände werden vor der Montage pulverbeschichtet

Vielleicht eine kleine Anekdote: Zu Beginn von Stenheim versuchten dessen Gründer, mit vielen Personen im Audiobereich Kontakt aufzunehmen, und sie wussten von dem Audioclub im Wallis. Also besuchten sie uns. Zu dieser Zeit experimentierten wir mit diesen riesigen Hornsystemen und großen Paneelen. Sie kamen mit einem winzigen Lautsprecher, einem Regallautsprecher. Ich sagte erst: „Nun, was ist das?“ Dann: „Okay, lass es uns versuchen.“ Und wir waren alle hin und weg von dem Ergebnis. Diese winzigen Lautsprecher konnten den Raum füllen und eine riesige Klangbühne reproduzieren. Sie konnten diese Begeisterung vermitteln, die man spürt, wenn man ein hocheffizientes System hört, und sie klangen sehr natürlich, sehr mühelos und sehr homogen. Das war wirklich beeindruckend. Ich sagte: „Ja, da ist etwas dran, sie haben etwas gefunden, sie haben etwas getan, das für die Branche sehr hilfreich sein könnte, und sie können sehr erfolgreich sein.“ Als sie mich also besuchten und Nagra kein Interesse zeigte, stimmte ich einem Kauf zu. Mir kam der Gedanke, dass dies die Gelegenheit sein könnte, mein eigenes Unternehmen zu gründen und das Konzept von Stenheim weiterzuentwickeln. 2012 traf ich sie. 2013 gründete ich Stenheim Switzerland, das die Marke und alle Technologien übernahm. Das war der Beginn der Entwicklung.

Verstrebungen im Inneren eines Gehäuses
Verstrebungen im Inneren eines Gehäuses


  • Making Vinyl Europe 2026

    Vor zwei Wochen fand der Making-Vinyl-Congress in der Phil(harmonie) in Haarlem statt, ein „Treffpunkt für Fachleute, die sich mit den treibenden Kräften der Vinylbranche auseinandersetzen – von Marktdynamik und Verbraucherverhalten bis hin zu Fortschritten in Fertigung und Technologie“. Daran nahmen auch die High End Society teil. Die Veranstaltung wendet sich nicht an engagierte Vinyl-Fans, sondern nur an in der Branche Tätige. Zwar braucht man dafür keine Belege oder Nachweise, doch wird der Zugang über die…
    16.10.2026
  • Statements in High Fidelity | Warsaw Edition 2026

    Das Magazin meines Kollegen Wojciech Pacuła, highfidelity.pl, und hifistatement.net zeichneten zu den Messen in München und in Warschau traditionell jeweils eine Komponente aus, die uns im vorausgegangenen Halbjahr begeisterte. Da die High End heuer in Wien stattfand, werden wir ab sofort von der Vienna und der Warsaw Edition der Awards sprechen. Die Wahl des Kollegen fiel auf den Vollverstärker darTZeel Audio CTH-8550 Mk II und er begründete sie so: „Der Klang des darTZeel-Vollverstärkers lässt sich…
    14.10.2026
  • Statements in High Fidelity | Warsaw Edition 2026

    My colleague Wojciech Pacuła’s magazine, highfidelity.pl, and hifistatement.net have traditionally recognised one component at each of the trade fairs in Munich and Warsaw that had impressed us over the previous six months. As High End was taking place in Vienna this year, we will henceforth be referring to the Vienna and Warsaw Edition of the Awards. My colleague chose the integrated amplifier darTZeel Audio CTH-8550 Mk II and explained his choice as follows: “The sound…
    14.10.2026
  • High Fidele Wundertüten

    Manchmal stolpert man ja einfach über etwas oder in etwas hinein, ohne zu wissen, was daraus wird. So geschehen als mein Mann und ich Mitte April im vergangenen Jahr in Erlangen waren, um das Projektorchester Orchester concertare der Universitäten Erlangen und Regensburg in der Heinrich-Lades-Halle aufzunehmen. Wir waren an dem Tag für Aufbau und Soundcheck zu früh dran. Was tun mit der gewonnenen Zeit? Ein bisschen die Umgebung erkunden. So schlenderten wir durch die Haupteinkaufsstraße…
    11.09.2026
  • Chord Electronics neuer Firmensitz

    Tests außergewöhnlicher Komponenten werfen ihren Schatten voraus: Im Umfeld der Beschäftigung mit Chord Electronics' DAVE besuchte mich sein Entwickler in Gröbenzell, ebenso zur Vorstellung des M-Scalers. Die Technik des Maßstäbe setzenden BLU MKII erläuterte mir Rob Watts in Maidstone. Ebendort fand auch das Interview zum Thema Quartet statt. Die Frage, ob wir uns lieber in Gröbenzell oder in Maidstone treffen würden, entschied Mika Dauphin, der Inhaber des deutschen Chord-Vertriebs, recht pragmatisch: Da die englischen Verstärker-…
    24.07.2026
  • Temperatur und Tonabnehmer

    Vor rund 20 Jahren, als noch von Jahrhundertsommern statt von Hitzedomen die Rede war, trieb mich erstmals die Frage um, ob es Tonabnehmersystemen schade, wenn sie oberhalb der üblichen Raumtemperatur benutzt werden. Damals gab Benz-Eigner Albert Lukaschek bereitwillig Auskunft, heuer befragte ich Ortofons ehemaligen Chefentwickler Leif Johannsen. Heute kann man nur neidvoll an die Sommer vergangener Jahrzehnte zurückdenken, als es schon bemerkenswert war, wenn das Thermometer mehrere Tage lang mal mehr als 25 Grad anzeigte.…
    10.07.2026