Marc Lindike: Der eine bringt das Gefühl und die Musikalität mit und der andere das nötige technische Rüstzeug, so dass es dann insgesamt klappt.
DS: Wann hast Du mit dem Bau der Verstärker begonnen?
RR: So circa vor vier, fünf Jahren ich weiß es nicht mehr so genau. Im Laufe der Entwicklung des Hyperions haben wir auch gleichzeitig die Verstärker entwickelt, weil wir da die Leistungsreserven einfach brauchten, um die größeren Systeme von uns anzutreiben.
DS: Gibt es irgendwas, was du jetzt grundsätzlich anders machen möchtest, vielleicht irgendeinen einen Klangbereich, wo du sagst, das ist eher das alte Acapella und nicht so meins?
RR: Ich habe die ganzen Produkte ja mitentwickelt und stehe da auch voll hinter: Die Lautsprecher bleiben erstmal bis auf kleine Änderungen, so wie sie sind.
ML: Ich glaube, für die meisten Lautsprecher, die jetzt aktuell im Programm sind, hat Richard die Weichen, die Chassis und die Entwicklung sowieso schon gemacht. Die Grundkonstruktion stammt von Alfred. Die Hornform stammt vom Alfred. Und die ganzen Weichen, Abstimmungen und Feinabstimmungen der letzten Modelle, hat, soweit ich das mitbekommen habe, sowieso schon Richard gemacht. Das heißt, die Lautsprecher der aktuellen Generation, die wir jetzt kennen, tragen schon Richards Handschrift.
RR: Bei einigen Lautsprechern habe ich aber auch die Konstruktion übernommen: Bei der Hyperion war ich federführend. Die habe ich in 3D gezeichnet, durchkonstruiert und komplett von A bis Z durchentwickelt. Die Hornform habe ich natürlich übernommen.
ML: Das Sphäron hast Du überarbeitet, die Cellini hast du überarbeitet, während Du die Hyperion komplett selbst entwickelt hast.
RR: Ja, Einmal durch die ganze Produktpalette.
DS: Ich habe nur die Harlekin 2 gehört und fand, dass sie schon anders klingt, als ich es von den früheren Acapellas kenne. Einfach schneller, mit viel mehr Gewicht auf Transienten. Und das kam meinen Hörgewohnheiten sehr entgegen.
ML: Also die Harlekin 2 hat Richard abgestimmt, die Harlekin 1 Alfred.
RR: Das baut natürlich alles aufeinander auf. Ich breche ja nicht mit allen Grundlagen. Ich kenne die ganzen Schaltungen der Acapellas. Ich konnte sie komplett durcharbeiten und baue ständig auf dem Niveau auf und versuche halt, weiterzukommen.
DS: Also mir fiel eine klare Verbesserung bei Geschwindigkeit, Impulsen und Transienten auf: Da hat sich einiges getan.
ML: Du magst, glaube ich, Lautsprecher, die schön aus dem Grundtonbereich heraus spielen
DS: Ja, aber das ist für mich eigentlich typisch Acapella. Die haben nie zischelig oder Hochton-betont gespielt.
RR: Ich finde, die Musik muss halt auf einer Basis aufbauen. Ich habe besondere Weichenkonstruktionen entwickelt, die eine symmetrische Faltung zwischen den Chassis erlauben und die Phase möglichst wenig drehen. Wir haben Simulationen, die uns da weitergeholfen haben, aber zum Schluss entscheidet immer noch mein Gehör.
DS: Mich überrasch nicht, dass Du lieber über symmetrischen Faltungen zwischen den Schaltungen sprichst. Aber heute interessiert mich mehr, was sich an der Struktur bei Acapella geändert hat. Was passiert im Vertrieb? Und dann gibt es ja auch noch dieses große Hornsystem, das wir auf der High End gesehen haben. Wie hängt das alles zusammen?
ML: Es war während der Entwicklung der Hypersphere, als ich mit Alfred intensiver in Kontakt gekommen bin, und zwar durch meine Vergangenheit im arabischen Raum. Ich habe dann von dem Projekt erfahren, mit dem Alfred sein Lebenswerk krönen und alles, was er an Wissen hat, endlich einmal ohne Kompromisse in einen Lautsprecher stecken möchte. Ich fand das Projekt so toll, dass ich dafür meine Zeit aufgewendet habe und ihn unterstützt habe, weil ich voll hinter dem Projekt stehe. Alfred hat dieses hypersphärische Horn in dieser lustigen Form jetzt ja zu Ende entwickelt und wollte mal einen Lautsprecher bauen, ohne Kompromisse, ohne sich um irgendwelche Vernunftthemen kümmern zu müssen. Mit dem Erscheinen dieses Lautsprechers, der der letzte Lautsprecher sein wird, der das alte Acapella-Logo trägt und unter der Schirmherrschaft vom Alfred entstanden ist, wird die Firma an Richard übergeben, was jetzt hier stattgefunden hat: Richard ist seit 16 Stunden alleiniger Eigentümer und Geschäftsführer von Acapella und kann aus der zweiten Reihe, aus der er sich ja schon die letzten Jahrzehnte in Acapella eingebracht hat, jetzt endlich in die erste Reihe treten. Acapella wird ein Familienunternehmen bleiben.
Da Richard aber auch nur ein Mensch ist, und ganz vieles entwickelt und gebaut werden muss, freue ich mich, dass ich ihn unterstützen darf und die Kundenkontakte, das Marketing und die Händlerbetreuung für ihn übernehme. Ich kümmere mich um den Neustart mit einem neuen Händlernetz und neuen Vertrauensbeziehungen zu den Händlern, um aus unserem neuen Showroom in Isen durchzustarten, damit Acapella endlich sowohl national als auch international in die Wahrnehmung und Wertschätzung bekommt, die die Produkte verdienen.