tests/25-10-21_acapella
 

Acapella Harlekin 2

21.10.2025 // Dirk Sommer

Es ist zwar schon fast nicht mehr wahr, solange ist es her, aber ich war mal treuer Audio-Forum-Kunde und lange Jahre Besitzer zweier ATR Monitor, bevor die Kreationen von Alfred Rudolph unter dem Namen Acapella angeboten wurden. Nun stehen wieder Zwei-Weg-Lautsprecher aus der Duisburger Manufaktur im Wohnzimmer und machen richtig Spaß.

Dass ich damals in eine gewisse ATR/Acapella-Abhängigkeit geriet, hatte mit dem ausgeklügelten Aufsteigerkonzept von Hermann Winters und Alfred Rudolph zu tun. Wie ich schon in meinem Bericht über einen Besuch im Audio Forum vor beinahe zehn Jahren schilderte, hatten die beiden Firmengründer klare Vorstellungen davon, wie die Ketten verschiedener Preis- und Qualitätsstufen zu klingen hatten, und für die Kunden, die dieses Klangideal teilten, einen mehrstufigen Weg zum audiophilen Nirvana vorbereitet. Ich begann mit einem mächtigen Onkyo-Vollverstärker mit kanalgetrennten Netzteilen und wechselte nach einer Phase finanzieller Erholung von diesem zu einer Audiolabor Phonostufe Fein plus Michaelson & Austin TVA-1. Das war allerdings für einen nebenbei jobbenden Studenten nur möglich, da ich den Onkyo ohne große finanzielle Einbußen in Zahlung geben konnte und der Fein und Röhrenendstufe nicht neu, sondern von wohlhabenderen Kunden beim Erwerb noch feinerer Elektronik ebenfalls ins Zahlung gegeben worden waren. Mit Plattenspielern und Lautsprechern funktionierte es ähnlich. Ein tolles Konzept, dass das schrittweise Erreichen der Traumanlage fast ohne Verluste ermöglichte und eine enge Kundenbindung zur Folge hatte. Gibt es eigentlich heute so etwas immer noch?

Die Harlekin ist eine elegante Erscheinung und sehr gut verarbeitet
Die Harlekin ist eine elegante Erscheinung und sehr gut verarbeitet

Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass damals ein Lautsprecher mit einem der masselosen Ionenhochtöner mein Traum war. Inzwischen hatte ich das Privileg, einen solchen für einige Jahre in der Kette meiner Gattin hören zu dürfen: Meine Schwärmerei dafür Anfang der 80-er Jahre war überaus berechtigt. Bei einem Besuch in der Koloniestraße 203 im Jahr 2019 hatte ich die Gelegenheit, das Acapella Audio Arts Sphäron-Excalibur-System zu hören und war ebenso überrascht wie überwältigt davon, wie nahe die damit erzeugte Illusion von Musik der Realität kommen kann: Eine so schier grenzenlos erscheinende Dynamik hatte ich zuvor nicht erlebt. Gut, die mag man einem so aufwendigen Hornsystem vielleicht auch zutrauen. Aber dass es den Entwicklern, Alfred Rudolph und seinem nun schon fast zwei Jahrzehnte ebenfalls kreativ in der Firma tätigen Sohn Richard, gelungen ist, dass das Sphäron Excalibur gleichzeitig einen Singer/Songwriter in realistischer Größe abbilden kann, ist für mich schon extrem große Kunst. Dass noch mehr geht, als ich in Duisburg erleben konnte, hat Acapella dieses Jahr auf der High End mit dem Hypersphere-System gezeigt, zum dem eigentlich auch noch das bisher nur als Modell gezeigte fünf Meter hohe Basshorn gehört. Ein Gebäude, in dem dieses installiert werden kann, ist momentan gar nicht weit von München entfernt im Bau. Ich werde Sie darüber auf dem Laufenden halten.

Doch nun zu etwas gänzlich anderem: dem Einstiegsmodell in die Schallwandler-Welt von Acapella Audio Arts, dem Harlekin 2. Das Modell 1 präsentierte Alfred Rudolph im Jahr 2001. Und obwohl man sich längst erfolgreich in extrem hochpreisigen Sphären tummelt, wollte der Entwickler auf den – nur für Acapella-Maßstäbe – kleinen Lautsprecher auch jetzt nicht verzichten. Für Richard Rudolph war das Grund genug, den Harlekin zu überarbeiten – oder vielleicht zutreffender: ihn in Anlehnung an die erste Version neu zu erfinden. Natürlich kommen auch beim neuen, vor drei Jahren vorgestellten Harlekin zwei Chassis zum Einsatz: Mit dem für ein Zweiwege-System ungewöhnlich großen, in Duisburg modifizierten Zehn-Zoller aus skandinavischer Fertigung kombiniert Richard Rudolph einen von ihm entwickelten 45-Millimeter-Kalottenhochtöner mit einer Membran aus einem speziellem Polymer. Den fertigt er auch selbst, wobei er auf verschiedene, erhältliche Komponenten zurückgreift – wenn ich seine spärlichen Auskünfte zum Thema richtig interpretiere. Das Tief/Mittelton-Chassis arbeitet auf ein Zwei-Kammer-System, dessen zweite Kammer mit einer auf der Rückseite mündenden Bassreflex-Öffnung versehen ist. Leider waren alle Versuche, Fotomuster vom Entwickler loszueisen, vergeblich. Da beide Chassis laut einer der raren Informationen von vorne eingesetzt und intern gegen die Rückwände ihrer Gehäuse verspannt seien, sollte ich Helmut Baumgartner wohl besser nicht bitten zu versuchen, sie für Detailfotos auszubauen.


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