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Wolf von Langa A100i Feldspulenlautsprecher

24.10.2012 // Jürgen Saile

Für den Einbau des Basses in eine offene Schallwand muss man die Thiele Small Parameter des A2080 etwas verändern, was ja durch Anpassung des Versorgungsstroms leicht möglich ist. Angestrebt werden sollte eine Gesamtgüte von 0,7 – sonst wird die Basswiedergabe zu schlank. Mit dieser Einstellung verliert das Chassis etwas an Wirkungsgrad, hat aber immer noch einen Kennschalldruck von 97 Dezibel. Das verwendete Horn ist relativ kurz, so dass sich kaum Probleme mit Laufzeitunterschieden zwischen Treiber und Chassis ergeben. Dies ist für eine exakte räumliche Abbildung elementar wichtig. Zudem muss man hier zwei unterschiedliche Abstrahlprinzipien unter einen Hut bringen, die offene Schallwand als Dipolstrahler und das Horn als Direktstrahler.

Der Basstreiber ist – wie in alten Zeiten – mit einer Subdämpfung ausgerüstet. Man kann die Schafwolleinlagen natürlich auch entfernen, damit sinkt die Resonanzfrequenz um etwa 10 Hertz. Bei dem martialischen Äußeren kann man sich kaum vorstellen, wie leichtfüßig dieser Bass spielen kann
Der Basstreiber ist – wie in alten Zeiten – mit einer Subdämpfung ausgerüstet. Man kann die Schafwolleinlagen natürlich auch entfernen, damit sinkt die Resonanzfrequenz um etwa 10 Hertz. Bei dem martialischen Äußeren kann man sich kaum vorstellen, wie leichtfüßig dieser Bass spielen kann

Bei der Aufstellung muss ein wenig experimentiert werden, weil bei einer offenen Schallwand durch die rückwärtige Schallabstrahlung die Raumreflexionen eine noch größere Rolle spielen als sonst. Andererseits fehlt bei diesem Prinzip der „Kistenklang“ vollständig, das Chassis kann völlig frei aufspielen. Die Frequenzweiche hat akustisch eine Flankensteilheit von zwölf Dezibel, mit einer Trennfrequenz bei 1500 Hertz. Das ist für einen 38-er schon relativ hoch und nicht unbedingt eine leichte Aufgabe. Zur individuellen Pegelanpassung kann man den  Hochtöner über einen Autoformer in Zwei-Dezibel Schritten zusätzlich abschwächen.

Ein Netzteil des Lautsprecherherstellers übernimmt die Stromversorgung der Treiber. Man sollte sich angewöhnen, dieses Netzteil vorzeitig einzuschalten, die Feldspulen brauchen nämlich eine Weile, bis sie die volle Performance erreicht haben. Vergessen darf man dies auch nicht, sonst besteht die Gefahr, dass die Schwingspule zu heiß wird und abraucht. Wahlweise gibt es für Vergessliche eine Einschaltautomatik, die sich bei dem ersten Ton einschaltet und nach einiger Zeit ohne Signal wieder abschaltet.

Durch Veränderung des Stroms – und damit der Feldstärke des Antriebs – lässt sich die Tonalität der Wiedergabe verändern. Am Hochtöner wird mit höherer Stromstärke die Wiedergabe dynamischer, mit geringerem Strom runder und flüssiger. Beim Bass ist es ähnlich, mit höherer Feldstärke wird der Bass trockener und schlanker, ansonsten runder und voller.

Bei der Aufstellung des Lautsprechers konnte ich bereits mit 50 Zentimeter Abstand von der Rückwand ein sehr gutes Ergebnis erzielen. Damit sollte man es natürlich nicht belassen, dies gilt nur als Startposition. Etwas Luft links und rechts kann auch nicht schaden. Insgesamt gesehen ist der A100i aber deutlich weniger prätentiös als ich es mir auf Grund der Konstruktion vorgestellt hatte. Durch Feintuning der Abstände und des Einwinkelns lässt sich natürlich noch einiges an Verbesserung erzielen; der Lautsprecher sollte mit dem Raum und nicht gegen den Raum spielen.

Der Feldspulenantrieb wird nach längerem Gebrauch allenfalls handwarm
Der Feldspulenantrieb wird nach längerem Gebrauch allenfalls handwarm

Aber Schluss jetzt mit dem Techno-Gebabbel, viel interessanter ist, was vorne raus kommt (frei nach Helmut Kohl): Als erstes habe ich mich nicht entblödet, nach meiner Led Zeppelin II zu kramen: „Whole Lotta Love‟. Schließlich ist dies der erste 38-er in meiner häuslichen Stube. Die Familie ist außer Haus, da kann man endlich einmal die Kuh fliegen lassen! Und wie sie fliegt! Der Schlagzeuger John Bonham war einer der einflussreichsten Drummer der Hardrockszene, galt aber wegen seiner Lautstärke tontechnisch als nicht aufnehmbar. Um mehr Wucht zu erzeugen spielte er eine Bassdrum in der ungewöhnlichen Größe von 26“. Und das kommt genauso rüber! Nach dem bekannten Gitarren-Riff am Anfang kommt der Bass mit unheimlichen Druck dazu; hierfür ist übrigens eher der Bereich um 150 Hertz ausschlaggebend und nicht etwa der Tiefbass von 20 Hertz oder so. Der dreckige Sound der Gibson LesPaul-Gitarre über den 69-er Marshall gespielt wird genau so wiedergegeben, wie er damals eben geschätzt war – und Jim Marshall berühmt gemacht hat. Mittlerweile baut die Firma Marshall auch Transistorverstärker... Aber das ist ein anderes Thema. Mit dieser Scheibe und dem A100i wird erstmals klar, was die Fans seinerzeit an Led Zeppelin so fasziniert hatte. Über ein Zehn-Zentimeter-Chassis gespielt ist das Ganze nur kalter Kaffee. Allerdings kommen die Mängel der CD Überspielung mit dem WVL genauso deutlich rüber.


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