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Heed Obelisk Si + X-2

18.01.2013 // Matthias Jung

Die Streicher haben einen feinen Obertonschimmer und seidigen Glanz, wirken als Klangkörper komplett, aber ohne zu verschmieren. Klangfarben leuchten so nebenbei und ohne, dass der Obelisk Si ins Helle abdriftet, wird viel Feininformation geliefert, werden Details ohne Analytik integriert. Die Plastizität erinnert auch hier eher an Röhrengeräte, ohne aber deren warmen Schimmer und das Gnädige, das schlechte Aufnahmen anhörbar macht, guten aber den letzten Rest Hochton abrasiert. Der Heed ist kein Weichspüler. Immerhin offenbart er, dass, Röhrenwatt hin oder her, in den tiefen Lagen zwar alles klar, sehr griffig und mit den nötigen Volumen kommt, der letzte Schub aber ein wenig fehlt.

Szenenwechsel. Auf der Radiohead Live-CD I might be wrong klingt das titelgebende Stück, als wenn jemand aus dem Publikum vom schlechten Platz aus seinen Walkman (erinnern Sie sich an den WMD6C von Sony?) aus dem johlenden Publikum irgendwie in Richtung PA gehalten hat. Die CD ist eine Fanveranstaltung und produktionstechnisch eine glatte Unverschämtheit. Als Bootleg? Na gut. Aber als offizielle CD? Der Obelsik schafft es, diesem Brei Spannung und Dynamik abzugewinnen, tatsächlich auch ein wenig Becken hervorblitzen zu lassen und den E-Gitarren Struktur und Druck zu verleihen. Die E-Gitarren am Anfang klingen plötzlich wie ein Fanal und lassen die Dramatik des sicher großartigen Abends wieder aufleben. Irgendwie ist die CD plötzlich doch ganz toll, und an sich war die Band an dem Abend ja wirklich gut drauf. Etwas zurückhaltend wieder der Bass, der zwar das Kunststück vollbringt, durchhörbar, griffig, farbig und dabei füllig zu sein, den letzten Druck aber etwas vermissen lässt. Fairerweise hätte ich einen Lautsprecher mit hohem Wirkungsgrad nehmen sollen, aber der ist leider gerade nicht zur Hand.

Björks „Hyperballad“ zeichnet sich an sich nicht durch besonders viel Filigranes aus. Der elektronische Bass zusammen mit den heftigen Impulsen bringt der Si druckvoll, wenn auch nicht übermächtig, schafft es aber, der synthetischen Basis was organisches einzuhauchen. Richtig packend wird es dann, wenn leicht im Hintergrund die begleitenden höheren Töne dazukommen. An sich ist dies nicht besonders lyrisch und auch recht kühl. Nicht so mit dem Si, der jedem Ton eine kleine Bedeutung zukommen lässt und so etwas wie eine Melodie entwirft. Es ergibt sich ein Dialog zwischen den verschiedenen Hintergrundebenen, die diesen fast etwas Enthusiasmus abtrotzen. Ein Effekt, wie er Hörern von Röhrengeräten geläufig sein sollte. Plastisch, echt, spielerisch. Nur beim Obelisk Si ohne den so oft eingesetzten Weichzeichner und nicht verfärbt. Dabei treibt und pumpt die Nummer vorwärts, dass es eine Freude ist, auch wenn der letzte Impetus in den tiefen Lagen fehlt. Die Stimme von Frau Guðmundsdóttir ist dabei facettenreich und innig intim, jede noch so kleine Akzentuierung wird nachverfolgt, was insgesamt für die Stimmenwiedergabe des Obelisk gilt. Um Musik mit dem Obelskk zu hören, braucht es übrigens keine hohen Lautstärken. Die beschriebene Charakteristik lässt sich bereits knapp über der Hörschwelle nachvollziehen.

Komplett neutral ist sicher etwas anderes. In dem Moment aber, in dem man mit dem Obelisk hört, hat man das Gefühl, dass das alles so sein müsse und eine andere klangliche Deutung an sich gar nicht zulässig ist. Dies wird landläufig als Zufriedenheit bezeichnet und stellt sich im Zusammenhang mit Geräten zur Tonwiedergabe leider viel zu selten ein.

Und da ich so eine sadistische Ader habe und Geräte immer das kriegen, wofür sie auf den ersten Blick nicht so richtig geeignet sind, folgt Brassed Off von Trevor Jones nach dem gleichnamigen Film mit Floral Dance und der Grimethorp Colliery Band. Da toben sich circa 25 Blechbläser und eine kleine Trommel aus, und wer das mit Umptata-Volksmusik assoziiert, sollte sich schnellstmöglich eines Besseren belehren lassen. Das fängt relativ leise, aber rhythmisch zwingend an und steigert sich in Tempo und vor allem in Großdynamik. Der Obelisk spielt fröhlich mit, lässt besonders das Volumen der Instrumente voll tönen und sorgt wieder für eine faszinierende Plastizität und Authentizität. Dabei blinkt und glitzert das Obertonspektrum wunderbar, das spezielle Timbre von Blechblasinstrumenten ist voll da. Wieder geht der Si sehr spielerisch zu Werke und trotzdem mit einem enormen Drive. Bei vollem Einsatz lässt er zwar alles ordentlich drücken, aber etwas am Limit ist er schon, Röhrenwatt hin oder her, in den unteren Lagen kommt für solche gemeinen Übungen einfach nicht genug nach. Ist aber, zugegeben, auch für leistungsfähige Verstärker kein Spaziergang und mindert die bereits angesprochenen Qualitäten in keinster Weise. Jetzt ist der Moment, das externe Netzteil anzuschließen, um dem Kleinen mal etwas Feuer zu geben.

Ist der Obelisk Si ohne das optionale X-2-Netzteil schon ein wunderbarer Verstärker, setzt er mit der Nobel-Stromversorgung nicht nur einen drauf, sondern geht glatt durch die Decke. Der Effekt ist in etwa so, als wenn man guten Lautsprechern einen großen Subwoofer zur Seite gestellt hat, der sehr sauber abgestimmt und angebunden ist. Der Mittelhochton spielt freier, mit mehr Luft und Auflösung. Der Hochtonglanz bekommt zusätzlich Kraft und Energie, die Farben schimmern nicht mehr nur, sondern leuchten kräftig. Details sind deutlicher zu vernehmen, bekommen unter Umständen auch noch eine räumliche Komponente. Das räumliche Gefüge gerät insgesamt weiter und tiefer allein deswegen, weil diese Informationen eigentlich immer auch ein Spektrum im Tieftonbereich haben. Die Abbildungsgröße wächst, das Panorama geht auch schon mal links und rechts über das eigentliche Stereodreieck hinaus. Was mach der Bass? Der bisher etwas vermisste Schub ist da, Trommeln und Pauken schwingen plötzlich kraftvoll nach, sind präziser im Raum verortet, Subbässe bekommen Gestalt, Energie und Farbe. Es wird auf einmal so viel mehr Luft bewegt, dass man den Effekt nur schwer glauben kann. Und die ganze Geschichte gerät auch noch schneller, die auch ohne Netzteil schon beachtliche Plastizität steigert sich ebenfalls in unvermutetem Maß.

Ein Partyverstärker wird der Obelisk Si übrigens auch mit dem X-2-Netzteil nicht. Für subbassgeschwängertes Dauergepumpe gibt es sicher geeignetere Kandidaten. Auch Hochtonauflösungsfanatiker werden woanders möglicherweise glücklicher werden. Dafür machte es besonders viel Spaß, LPs über den Verstärker zu hören, da der Obelisk die Modulation der analogen Abtastung besonders gut in Rauminformationen ummünzt und so teilweise eine atemberaubende Tiefe und Weite vermittelt. Gerade bei guten klassischen Aufnahmen wirkt das enorm eindrucksvoll. Dabei bleiben die eigentlichen Eigenschaften des Verstärkers zum Glück unangetastet. Da gerät nicht auf einmal irgendwas aus den Fugen, der Obelisk Si spielt trotzdem wie aus einem Guss, alles bleibt flüssig und geschmeidig.

Die integrierte Wandlerkarte will da auch mitspielen. Im Vergleich zu meinem CD-Player werden Details im größeren Raum präziser verteilt, der Hochtonbereich mehr und besser aufgelöst, was etwas zu Lasten der Plastizität und Fülle geht. Auch der Tiefton profitiert von dem Mehr an Auflösung. Dafür geht manchmal etwas Schub verloren, der Rhythmus wirkt etwas vertrackter, als er wirklich ist. Für mich persönlich geht etwas Swing verloren. Scheint ein persönliches Problem von mir zu sein oder ist dem Wahn der immer weiter getriebenen Auflösung geschuldet, wo halt irgendwas hörbar sein muss, obwohl an sich nichts zum Auflösen da ist. Die Vorgängermodell der Wandlerkarte habe ich als musikalisch passender in Erinnerung.


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