Kron Vollverstärker VA 830

01.08.2014 // Jürgen Saile

Was ich in dieser Schaltung überhaupt nicht finden kann, sind die amtlichen Kathodenwiderstände der 300B mit einem Wert von 750 Ohm. Die kleinen auf der Platine würden relativ schnell abrauchen. Hm, vielleicht doch Teslasche universelle Energie?
Was ich in dieser Schaltung überhaupt nicht finden kann, sind die amtlichen Kathodenwiderstände der 300B mit einem Wert von 750 Ohm. Die kleinen auf der Platine würden relativ schnell abrauchen. Hm, vielleicht doch Teslasche universelle Energie?

Wer nun – entsprechend dem Klischee – einen warmen, mittigen Ton erwartet hat, nach dem Motto: wunderschöne Mitten, aber oben und unten muss der liebe Gott helfen, wird hier sicher enttäuscht werden, soviel kann ich vorweg schon sagen. Wobei sich auch hier wieder zeigt, dass der mittige Ton bei 300B Verstärkern oft durch eine unpassende Ansteuerung verursacht ist. Das lag in der Vergangenheit natürlich auch daran, dass die von Western Electric hierfür vorgesehene Treiber-Pentode WE 310 noch nicht all zu lange als Nachbau zur Verfügung steht. Und das Original den Weg des Dodo gegangen ist.

b_200_0_16777215_10_images_content_tests_14-08-01_kron_bild-1.jpg>Als erstes kam eine CD von Oscar Peterson aus der neu aufgelegten Serie exclusively for my friends des Labels MPS auf den Teller (ich weiß, da gibt’s keinen Teller, klingt aber irgendwie beruhigend). Die gab es bereits früher als Schallplatte unter der Bezeichnung Musik Produktion Schwarzwald, für die CD hat sich jetzt irgendein Werbefuzzi die Bezeichnung Most Perfect Sound ausgedacht. Nun ja. Jedenfalls handelt es sich hier um sehr interessante Aufnahmen, bei denen die Musiker im Wohnzimmer des Produzenten Brunner-Schwer spielten. So ähnlich muss die Situation ja auch bei Rudy van Gelder in Hackensack für Blue Note gewesen sein. Action heißt die Scheibe und weist damit gleich einmal daraufhin, was hier zu erwarten ist: Peterson bringt dem Klavier das Fliegen bei! Der Kanadier repräsentiert einen virtuosen, klassischen Jazzstil, für den bis heute kein Nachfolger gefunden wurde. Mit modernen Strömungen à la Cecil Taylor, bei denen dann die Musik wie ein Verkehrsunfall klingt, hatte Peterson nichts am Hut. Die meisten seiner Einspielungen wurden für das Label Verve aufgenommen, von denen viele für meinen Geschmack etwas verstaubt klingen. Nicht so bei diesen digital remasterten MPS-Aufnahmen, gleich beim ersten Titel „At Long Last Love“ zeigt Peterson, was er alles drauf hat. Und der VA 830i auch. Die Wiedergabe des Flügels ist schnell und klar, die ungeheure Anschlagsdynamik bei Petersons Blockakkorden kommt ansatzlos rüber. Das ist sicher eine der Stärken des Gerätes. Aber auch in leisen Passagen geht nichts von Petersons Ausdruckskraft verloren.

b_200_0_16777215_10_images_content_tests_14-08-01_kron_bild-2.jpgMit Jazz kann der Kron Verstärker sehr gut umgehen, jetzt wollen wir einmal sehen, wie das mit klassischer Musik klappt. Ich habe als Nächstes eine Aufnahme mit Christian Thielemann und den Münchner Philharmonikern herausgesucht, Beethoven Ouvertüre Egmont, die Beethoven als begleitende Schauspielmusik zu Goethes Trauerspiel Egmont komponiert hatte. Es handelt sich hier um einen Live-Mitschnitt aus der Münchener Philharmonie. Jeder, der die Entstehungsgeschichte dieser Konzerthalle kennt, weiß um die akustischen Probleme, insbesondere mit großorchestralen Einspielungen. Trotzdem ist diese Aufnahme nicht schlecht gelungen. Mit dem VA 830 wird das Orchester etwas breiter abgebildet und weniger tief. Allerdings bleibt das Raumgefühl sehr gut erhalten, nur eben weniger tief. Wie wichtig das für einen ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Bei den Violinen könnte ich mir etwas mehr Klangfarben vorstellen, allerdings fürchte ich, dass man für einen Verstärker, der die bringt, wesentlich tiefer in die Tasche greifen muss. Und Kron möchte ja auch noch die größeren Geräte verkaufen. Die Musik wird sehr kraftvoll wiedergegeben, insbesondere im Allegro-Teil wird durch die treibende Kraft der Höhepunkt des Dramas sehr gut unterstützt.

b_200_0_16777215_10_images_content_tests_14-08-01_kron_bild-3.jpgIch weiß, mit Yello kann man heutzutage kaum noch einen Jugendlichen hinter dem Ofen vorlocken, zudem die beiden Schweizer bei dem Album Touch das harte, technoide Element deutlich heruntergefahren hatten. Die Atmosphäre erinnert ein bisschen an verräucherte Jazzclubs der 80-er. Trotzdem sind natürlich die ultratiefen Synthesizerbässe geblieben und die Scheibe hat den treibenden Groove wie eh und je. Auch wird beim ersten Titel sofort klar: Den beiden Oldies aus der Schweiz macht in Sachen Sound keiner so schnell etwas vor. Das funktioniert mit dem tschechischen Verstärker absolut hervorragend, die technischen Effekte und der etwas heisere Sprechgesang von Meier werden hervorragend wiedergegeben. Ebenso der Synthesizer-Bass, der so manchen Subwoofer überfordern könnte. Der kontrollierte Bass ist durchaus ungewöhnlich für einen Verstärker mit 300B Trioden im Ausgang. Wie viele Instrumente hier sonst noch mit von der Partie sind ist nicht so ohne weiteres herauszubekommen, spielt auch überhaupt keine Rolle.

Beim zweiten Stück ist eine gewisse happy Heidi, äh, Heidi Happy mit von der Partie, die mit schmachtender Stimme hier mehr das tragende Element vermitteln soll. Auch die Gesangsstimme kann der Kron Vollverstärker äußerst natürlich und plastisch wiedergeben. Insgesamt eine überzeugende Vorstellung!

Eines sollte man jedoch im Hinterkopf behalten, die eingesetzten Transistoren benötigen eine wesentlich längere Zeit zum „Vorglühen“ als die Röhren. Deshalb ist das Gerät nach der Aufwärmphase der Röhren zwar sofort betriebsbereit, aber tonal noch nicht ganz auf der Höhe. Abhilfe schafft hier der Standby-Schalter, mit dem sich die Transistoren schon einmal warmlaufen können, während man gleichzeitig die Röhren schont. Hier geht es allerdings nicht um Minuten.


  • Audia Flight FLS 10

    Der neue Audia Flight FLS 10 Vollverstärkers war auf der diesjährigen Highend zu besichtigen. Hören konnte man ihn jedoch noch nicht. Es dauerte noch zwei weitere Monate, bis er das angestrebte technische und musikalische Niveau erreichte. Beteiligt am finalen klanglichen Ergebnis des Audia Flight FLS 10 ist Jan Sieveking, der deutsche Importeur. Der bezeichnet sich selbst als Überzeugungstäter und ist nicht unkritisch, wenn er ein neues Produkt der von ihm vertretenen Firmen geliefert bekommt. Der…
    11.09.2017
  • Cayin CS-88A und CS-100CD

    Kein HiFi-Fan mit hoher Röhren-Affinität kommt mittlerweile mehr am chinesischen Hersteller Cayin vorbei, dessen Geräte im Laufe der Jahre qualitativ immer hochwertiger geworden sind. Jetzt wartet Cayin in der Oberklasse mit einer neuen Kombination aus Vollverstärker und CD-Spieler mit Röhren-Ausgangsstufe auf – mein Interesse ist geweckt! Stellen Sie sich doch einmal vor, Sie wären Chef eines HiFi-Magazins. Und als solcher wüssten Sie einen neuen Redakteur in Ihren Reihen, dem Sie womöglich nicht die breite Palette…
    05.09.2017
  • ZeroUno PLUS

    Vor ungefähr einem Jahr hatte ich mit dem ZeroUno DAC einen Digital-Analog-Wandler zum Test, der wie eine kleine Röhrenendstufe aussah und der mich damals mit seinem Klang so richtig begeistert hatte. Als ich mich seinerzeit mit Ingenieur Mario Canever ausführlich über die Technik des ZeroUno DAC unterhielt, kamen wir beim Punkt der hochwertigen Röhrenausgangsstufe fast zwangsläufig auch auf das Thema analoge Line-Eingänge zu sprechen. Technisch seien ein oder mehrere Line-Eingänge kein Problem, er habe selbstverständlich…
    29.04.2017
     
  • MastersounD DueVenti

    Als sich der MastersounD DueVenti zum Test ankündigte, sorgte das bei mir nach inzwischen mehreren beeindruckenden Begegnungen mit Geräten aus kleinen italienischen Hifi-Manufakturen für große Spannung und auch Vorfreude. Auch MastersounD aus Vicenza in Norditalien ist so ein inhabergeführtes mittelständisches Unternehmen, in dem fast alles selbst gemacht wird. Man ist stolz darauf, keine vorbestückten Platinen aus Billiglohnländern zu verwenden, das macht man dann lieber selbst. Bei der Schaltung lassen sich die Brüder Luciano und Lorenzo,…
    20.02.2017
  • Ayon Scorpio

    Das muss ein Ayon sein, den erkenne ich sogar aus der Ferne und ohne Brille! Was hier als schmales Hemd daherkommt – zumindest aus Ayon-Sicht - stellt das Einsteigermodell der Firma in die Welt der Röhren Monoblöcke dar. Ich muss zugeben, das Design gefällt mir, keine Rallye-Streifen, kein tiefer gelegter Auspuff, nichts aus der Glamourwelt. Die Gehäuse sind makellos solide gebaut und mit 15 kg pro Gerät noch gut transportabel. Sagt mein Kreuz. Insgesamt macht…
    23.01.2017
  • AURALiC POLARIS

    Wer es kompakt liebt und hohen Anspruch an Vielseitigkeit und Qualität stellt, für den kann der brandneue AURALiC POLARIS Streaming-Vollverstärker genau das Richtige sein. Er bietet seinem Benutzer eine Vielzahl digitaler Optionen. Dabei vernachlässigt er keineswegs das Analoge und besitzt sogar eine MM-Phono-Stufe. Wir durften von der chinesischen Marke AURALiC in den vergangenen Jahren manche positive Überraschung erleben. In der analogen Signal-Aufbereitung und auch bei digitalen Komponenten wie dem Aries, zeichnen sich AURALiC Geräte durch…
    16.01.2017