AcousticPlan Aruna

10.07.2015 // Jürgen Saile

Claus Jäckle baute schon immer Verstärker, die sich wohltuend vom einheitlichen Schwarz oder Silber unterscheiden. So auch der neue Vollverstärker Aruna, der auf Ideen der Firma Western Electric aufbaut.

Logischer Aufbau: oben der Netzschalter, in der Mitte der Eingangswahlschalter, die LEDs daneben zeigen den gewählten Eingang an. Unten dann die Lautstärkeregulierung, mit Anzeige der Ausgangsdämpfung über eine blaue LED Matrix
Logischer Aufbau: oben der Netzschalter, in der Mitte der Eingangswahlschalter, die LEDs daneben zeigen den gewählten Eingang an. Unten dann die Lautstärkeregulierung, mit Anzeige der Ausgangsdämpfung über eine blaue LED Matrix

Zunächst wollen wir uns doch einmal kurz ansehen, was es mit dem berühmten Vorbild Western Electric 91-A auf sich hat, ohne den historischen Bezug geht es nicht. Manch ein Röhrenfan wird jetzt zwar müde abwinken: Kennen wir doch schon alles, aber nicht jeder ist mit der Materie aus „prähistorischer“ Zeit vertraut. Das beweist auch die Frage eines Bekannten meiner Tochter, der beim Anblick einer alten Globe UX210 Röhre aus dem Jahre 1920 erstaunt fragte, ob die denn damals schon elektrischen Strom hatten? Besagte WE 91-A stammte aus den 30er Jahren und wurde als Verstärker für die Beschallung kleiner bis mittelgroßer Kinos eingesetzt. Aber auch für Bingo-Hallen. Mit HiFi hatten die Techniker damals also nichts am Hut, der Begriff wurde erst in den 60er Jahren geprägt.

Der WAF wäre heutzutage nicht sonderlich groß. Die Buchsen auf der rechten Seite sind die Eingangsbuchsen, Cinch Verbindungen gab es damals noch nicht
Der WAF wäre heutzutage nicht sonderlich groß. Die Buchsen auf der rechten Seite sind die Eingangsbuchsen, Cinch Verbindungen gab es damals noch nicht

Interessant sind deshalb auch die Spezifikationen dieses Verstärkers, die nach heutigen Gesichtspunkten, sagen wir einmal, unspektakulär daherkommen: Frequenzgang 50 – 8000 Hertz, 8 Watt Ausgangsleistung. Der Frequenzgang war zur damaligen Zeit übrigens völlig in Ordnung, weil die Aufnahmetechnik gar nicht mehr hergab. Nun wird sich manch einer beim Anblick der Bandbreite des WE91-A sagen, das schaffe ich locker mit einem integrierten Chip für ein paar Cent auch. Stimmt, blöderweise sagen die Daten auch hier nichts über den tatsächlichen Klang aus. Es muss also irgendeinen Grund haben, warum die Fans in Asien – insbesondere in Japan – total verrückt nach Geräten mit dem Western Electric Logo sind. Und das schon seit sehr langer Zeit.

Neben vier Eingängen gibt es einen Tape-Ausgang, einen Ground-Lift Schalter, eine separate Erdungsklemme und Trafoanschlüsse für hochohmige, historische Lautsprecher. Der Hersteller hat an alles gedacht
Neben vier Eingängen gibt es einen Tape-Ausgang, einen Ground-Lift Schalter, eine separate Erdungsklemme und Trafoanschlüsse für hochohmige, historische Lautsprecher. Der Hersteller hat an alles gedacht

Claus Jäckle hat bei seinem Design natürlich die Bandbreite modernen Anforderungen angepasst. Interessanterweise wird die obere Grenzfrequenz hier von der Kombination 310/300B vorgegeben und weniger vom Ausgangstrafo. Das Schaltungs-Konzept der WE 91-A hat der Hersteller in leicht abgewandelter Form übernommen. Aber hier nix mit 6SN7 oder ECC-irgendwas am Eingang, wie es heutzutage des Öfteren gemacht wird, sondern es kommt die amtliche Pentode WE 310 zum Einsatz. Hier als russisches Pendant, nicht jeder hat einen Sechser im Lotto gewonnen. Wer einmal sehen möchte, wie ein mit Original WE Röhren bestückter Aruna aussieht, kann sich dies auf der Homepage von AcousticPlan ansehen. Aber nicht neidisch werden!


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