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Chord DAVE, Teil 2

25.01.2016 // Dirk Sommer

Während es im ersten Teil vorrangig um den Klang des DAVE ging, werden hier die Überlegungen seines Entwicklers Rob Watts und seine ganz eigenen Lösungsansätze im Vordergrund stehen. Die sind umso interessanter, als sie auch der Konstruktion von MOJO, HUGO und HUGO TT zugrunde liegen – um nur die jüngsten Kreationen des Entwicklers zu nennen.

Ich hatte geplant, die Aufzeichnung von Rob Watts' Ausführungen bei seinem Besuch in Gröbenzell zu übersetzen und soweit zu kürzen, dass ein schöner kompakter Artikel über die Technik des DAVE daraus entstünde. Je mehr ich mich aber in die Aufnahme vertiefte, um so klarer wurde mir, dass es hier nicht einfach um die Schaltungen eines Wandlers geht. Rob Watts gewährte vielmehr Einblicke in die Arbeit von Halbleiterherstellern, geizte nicht mit Anmerkungen zu seiner beruflichen und audiophilen Biographie und verknüpfte häufig Höreindrücke mit Messwerten oder technischen Lösungen. Dass es ihm bei seinen Entwicklungen an zentraler Stelle um die Wahrnehmung räumlicher Tiefe ging, machten seine Einlassungen für mich besonders spannend. Da ich nicht ausschließen möchte, dass es Ihnen ähnlich geht, habe ich mich entschlossen, das, was als Interview geplant war, schließlich aber ein Monolog Rob Watts' mit der ein oder anderen Zwischenfrage wurde, ungekürzt zu veröffentlichen. Aufgrund des Umfangs habe ich die gewaltige Textmenge in zwei relativ übersichtliche Portionen geteilt. Für ein wenig optische Auflockerung sorgen die einzelnen, unkommentierten Bilder der englischen Präsentation des DAVE, die uns sein Entwickler freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

Bei all seinen für Chord entworfenen D/A-Wandlern greift Rob Watts nicht auf wohlfeile Chipsätze zurück, sondern verwendet Field Programmable Gate Arrays, die er so programmiert, dass sie zusammen mit seinen Algorithmen seiner Idee eines idealen Wandlers nahekommen. Während wir auf den Kollegen Roland Dietl warteten, hatte ich Gelegenheit für eine wenig small talk. Natürlich fragte ich Rob Watts, was er vom aktuellen Hype um DSD halte: Zwar habe PCM deutlich mehr Timing-Fehler als das DSD-Format, dafür aber habe DSD eine Menge Probleme mit dem relativ starken Rauschen oberhalb der Nutzfrequenz. Wenn es – wie in seinen Wandler – nun gelinge, die zeitlichen Probleme bei PCM in den Griff zu bekommen, sei DSD wegen der Störanteile das unterlegene Format. Das provozierte natürlich zu der Nachfrage, ob die Timing-Probleme allein im Rahmen der D/A-Wandlung zu lösen seien und nicht schon bei der Analog/Digital-Wandlung dem Signal aufgeprägt würden. Rob Watts ist davon überzeugt, dass seine D/A-Wandler das Problem weitgehend in den Griff bekämen, aber auch bei der A/D-Wandlung noch Verbesserungen möglich seien, wenn sie analog zu seiner D/A-Wandlung stattfände. Er habe sich bereits intensiv mit dem Problem auseinandergesetzt, so dass es gut möglich wäre, dass noch 2016 ein Chord A/D-Wandler auf den Markt käme – was natürlich Begehrlichkeiten beim Autor weckte. Doch nun zu den Ausführungen des Entwicklers.

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Rob Watts: DAVE steht für „Digital to Analog Veritas in Extremis“, also extreme Wahrheit. Ich habe versucht, den Wandler so transparent wie möglich zu machen, mit möglichst geringer eigener klanglichen Signatur, so neutral wie möglich. Das Problem dabei ist, dass niemand weiß, wie ein neutral klingendes Produkt klingt. Oft klingen sogenannte neutrale Komponenten in Wirklichkeit hart und hell, weil das den Eindruck von einer Menge Details vermittelt. Kommen wir zum HUGO. Der war für mich eine große Überraschung. Er hat eine magische Qualität. Die alten internen Module der digitalen Schaltung habe ich im Laufe von sechs Jahren weiterentwickelt, aus Gründen, die mir bewusst wurden und von denen ich wusste, dass sie den Klang verändern. Das war ein wenig so, wie das Betriebssystem von Windows sieben auf zehn zu ändern. Das war ein großes Upgrade all der Software, die unter dem System arbeitet, und ich habe eine Menge des Codes neu geschrieben. Simulationsprogramme waren inzwischen leistungsfähiger geworden und so konnte man Simulationen über eine längere Zeit laufen lassen, Dinge auf digitaler Ebene untersuchen und Probleme entdecken, die man zuvor nicht gesehen hatte. Dieses spezielle Upgrade war nicht für HUGO, sondern für einen neuen Reference-Standard-Wandler gedacht, den wir geplant hatten. HUGO wollte ich machen, weil ich etwas Transportables zum Hören in Hotelzimmern haben wollte. Ich wollte High-End-Hifi „on the go“. Das war der eigentliche Grund, warum ich HUGO verwirklichen wollte. Ich glaubte nicht, dass man viele HUGOs verkaufen könnte. Das war ein Spaß-Projekt, das ich für mich selbst machte. Zu dieser Zeit arbeitete ich in einem Vollzeitjob in der Halbleiter-Entwicklung. Ich verbrachte viel Zeit in Phoenix bei der Analog Design Group und reiste sehr viel. Deshalb wollte ich High-End-Music on the go.


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