Habst USB Ultra II und III

17.06.2016 // Dirk Sommer

Das Hören der Habst-Leiter ist wirklich eine Freude: Sie brauchen diesmal also kein Lamento über und keine der üblichen Distanzierungen von Kabeltests im Allgemeinen oder im Besonderen zu befürchten. Allein ein wenig mehr Auskunftsfreudigkeit des Entwicklers dieser rundum überzeugenden Kabel hätte ich mir gewünscht.

Nein, der Vorspann nimmt das Urteil über die Kabel nicht unzulässigerweise vorweg: Dass zumindest das Ultra III klanglich etwas ganz Besonderes ist, habe ich ja schon im Bericht über den beeindruckenden Resonessence-Labs-Wandler geschrieben. Und wer Peter Banholzers Artikel über die NF- und Lautsprecherkabel von Habst gelesen hat, dürfte ebenfalls nur Gutes von den USB-Verbindungen erwarten. Zum erwähnten Artikel bleibt übrigens noch nachzutragen, dass der Kollege im Anschluss eines der Kabel erworben hat, weil er sich nicht mehr davon trennen wollte.

Erfreulicherweise konnte ich mir recht viel Zeit für die USB-Kabel nehmen. Und nur deshalb war es überhaupt möglich, auch das Ultra III nicht nur am Resonessence Veritas und Mytek Brooklyn zu hören, sondern auch an meinem neuen Chord DAVE. Dessen USB-Anschluss wurde aufgrund der Wandstärke des aus dem Vollen gearbeiteten Gehäuses ein wenig versenkt montiert und ließ daher den Anschluss des massiven, von einem Schrumpfschlauch umhüllten USB-B-Steckers des Ultra III nicht zu. Ich habe dann Bilder des DAVE an Habst geschickt und einige Zeit später ein Kabel mit einem „dünneren“ Stecker erhalten, der den Kontakt zum Wandler problemlos herstellt. So etwas ist für die Berliner Kabelmanufaktur keine große Sache, werden hier doch wirklich alle Produkte in Handarbeit gefertigt, wie Firmenchef und Inhaber Daniel Steinert versicherte. Als erklärter High End Freak, der, obwohl er seine Wurzeln in der professionellen Audioszene hat, den klanglichen Einfluss von (Netz)Kabeln nicht leugnet, beschäftigt er sich schon geraume Zeit mit der Herstellung und Entwicklung von Leitern. Als er noch hauptberuflich als Mastering-Ingenieur im Tonstudio arbeitete, erschienen ihm die dort gebräuchlichen Kabel nicht gut genug – und die guten waren nicht erschwinglich. Wie so viele Firmengründer in der Hifi-Szene begann er daher, erst für den eigenen Bedarf die seinen Ansprüchen entsprechenden Produkte herzustellen. Dabei sammelte er eine Menge Erfahrungen mit Materialeigenschaften und der Kabelgeometrie.

Wenn man genau hinsieht, erkennt man, dass die Leiter für das Signal und den Strom unterschiedlich dick sind
Wenn man genau hinsieht, erkennt man, dass die Leiter für das Signal und den Strom unterschiedlich dick sind

Schließlich kam es, wie es kommen musste. Immer mehr Freunde und Bekannte erkannten die Stärken seiner Kabel und wurden zu Kunden. Da das Geschäft beständig wuchs, gründete er im Jahr 2010 seine Kabelmanufaktur, der er den Namen Habst gab. Erst auf Drängen des Autors war er bereit zu erklären, wofür das Kunstwort steht: HandArbeit by Steinert. Natürlich wollte ich auch wissen, was die Habst-Kreationen zu etwas Besonderem macht: Da wäre erst einmal die Materialauswahl. Bei den USB-Kabeln komme ausschließlich 5N-Silber zum Einsatz. Die Leiter würden speziell nach Spezifikationen von Daniel Steinert in Deutschland gefertigt. Als Isolator verwende man PTFE, gemeinhin unter dem Namen Teflon bekannt. Beim Ultra III seien es PTFE-Air-Tubes, so dass der Großteil der Leiteroberfläche nur Kontakt zum idealen Dielektrikum, also Luft, habe. Mindestens genauso wichtig wie der Materialmix sei die Kabelgeometrie. Zudem würden die Kabel nicht nur einmal einer Kryo-Behandlung unterzogen, also auf unter minus 150 Grad abgekühlt und dann sehr langsam wieder auf Normaltemperatur gebracht, um Materialspannungen zu eliminieren. Das sind natürlich alles Verfahren, die auch von anderen, sehr hochwertigen Kabeln her bekannt sind.

Auf hartnäckige Nachfragen war Daniel Steinert gerade noch zu entlocken, dass es da doch eine Sache gebe, die seine Kabel von anderen unterscheide. Was das sei, wolle er jedoch keinesfalls veröffentlicht sehen, da eine Menge Entwicklungszeit und nicht unbeträchtliche Investitionen nötig gewesen seien, um diese Lösung zu finden. Statt über etwaige klangentscheidende Alleinstellungsmerkmale zu reden, kommt Daniel Steiner immer wieder auf den großen handwerklichen Aufwand bei der Herstellung seiner Produkte zurück. Ihm sind Fertigungspräzision, Produktkonstanz, klangliche Qualität und Preiswürdigkeit offenbar um einiges wichtiger als Marketing und Absatzstrategien. Und sein Verständnis von Preiswürdigkeit ist eher von seiner Tätigkeit in der Pro-Branche als von den in der Hifi-Szene üblichen Spannen geprägt. Und das dürfte der Grund dafür sein, dass seine Kabel nur direkt bei ihm oder bei ProAudioGear zu haben sind. Natürlich hat Daniel Steinert auch versucht, seine Kabel maschinell fertigen zu lassen, um die Entstehungskosten zu senken. Aber die durch Handarbeit zu erzielende Qualität hätten Maschinen einfach nicht erreichen können. Daher zählen seine Kabel absolut betrachtet zu den teuren bis sehr teuren Exemplaren, fallen bei der Betrachtung von Material- und Arbeitseinsatz aber dennoch in die Kategorie ausgesprochen preiswert.


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