PS Audio BHK Signature 300 Amplifier

29.08.2016 // Dirk Sommer

Genauso ausführlich wie die Möglichkeit zum „Tube Rolling“ ließe sich beinahe jede technische Lösung in den BHK-Signature-Amps darstellen und begründen, denn mit Informationen geizt PS-Audio weder in den Texten noch in den zahlreichen Videoclips auf der Website. Als Jürgen Sachweh, Chef des deutschen PS-Audio-Vertriebs die Verstärker nach Gröbenzell brachte, fragte ich ihn routinemäßig, ob er mehr technische Informationen zu den Verstärkern besorgen könne, als man im Internet finden könne – leider ohne vorherigen Blick auf die Website. Jetzt weiß ich es besser und kapituliere vor der dort zu findenden Faktenflut: Da PS Audio nicht nur verschwenderisch mit den Informationen umgeht, sondern sie beispielsweise in den Videoclips auch noch angenehm aufbereitet, habe ich mich hier auf die eher persönlichen Aspekte der Entstehungsgeschichte der Verstärker konzentriert – an so etwas kommt man sonst ja meist nicht heran –, verweise Technik-Interessierte auf die Infos aus erster Hand und beschränke mich auf eine knappe Beschreibung der Endstufen.

Die Monos verfügen über eine Siebkapazität von 160.000 Mikrofarad
Die Monos verfügen über eine Siebkapazität von 160.000 Mikrofarad

Bei den Monos übernehmen Röhren – falls nötig – die Symmetrierung und dann die Spannungsverstärkung des Eingangssignals. Auf die Möglichkeit, die Trioden gegen ähnliche Typen der 6-er- oder 7-er-Serie auszutauschen, wird in der Bedienungsanleitung ebenso hingewiesen wie auf die, durch den Einsatz von High-End-Sicherungen klangliche Verbesserungen zu erzielen. Auch die Verwendung von hochwertigen Netzkabeln wird empfohlen: PS Audio fordert seine Kunden auf, sich nach dem Kauf aktiv mit dem Produkt zu beschäftigen – eine nachahmenswerte Variante der Kundenbindung. Mit dem Schalter auf der Frontseite werden die Monos in den „Ready“-Modus versetzt, in dem die MOSFET-Ausgangsstufe und sowie die Spannungsregler unter Strom bleiben, die Röhren aber zur Verlängerung der Lebensdauer ausgeschaltet werden. Laut Bascom H. King brauche Röhren etwa 30 Minuten, um ihr volles klangliches Potential zu erreichen, Transistoren aber deutlich länger. Die Mono-Endstufen leisten 300 Watt an acht und 600 Watt an vier Ohm, also mehr als genug, um meine LumenWhite oder die auf einen Test wartenden Kaiser Acoustic Kawero! Classic auf Trab zu bringen.

Ich muss zugeben, dass mich der Name ihres Entwicklers ebenso wie die Kombination von Röhreneingangs- und Transistorausgangsstufe recht neugierig auf die klanglichen Leistungen der Monos gemacht hatte. Deshalb haben Jürgen Saile und ich sie kurz nach seinem Eintreffen im Hörraum gegen die Ayon Epsilon getauscht, die in meiner Kette etatmäßig die Verstärkung übernehmen – natürlich nicht, ohne zuvor noch ein paar Testsongs über die Röhrenendstufen gehört zu haben. Und obwohl die beiden PS Audio gerade erst ans Netz gegangen sind – selbst von der empfohlenen Warmlaufphase für die Röhren von 30 Minuten kann keine Rede sein – und sie nur auf den serienmäßigen Füßen mit dem Fliesenboden Kontakt haben, präsentieren sie die Musik ungemein luftig, detailreich und in sich stimmig. In puncto Raumdarstellung und Feinzeichnung haben sie schon jetzt leichte Vorteile gegenüber den Ayons. Diese produzieren aber – so zumindest der erste Eindruck – in den ganz tiefen Lagen noch ein wenig mehr Druck. Später habe ich dann noch mit der Aufstellung der Monos experimentiert und bin schließlich bei den Finite Elemente Cerabase, die heute den Namenszusatz Classic tragen, gelandet. Damit klingen die PS Audio noch eine Spur offener und dynamischer. Und das alles ohne den geringsten Anflug von Härte oder Kühle!

Unter der Abdeckung zur thermischen Kopplung arbeiten acht Endstufentransistoren
Unter der Abdeckung zur thermischen Kopplung arbeiten acht Endstufentransistoren


  • Crayon Audio CFA-1.2

    Ein alter Bekannter? Für einige von uns ist sicherlich. Auf den Norddeutschen HiFi-Tagen brachte eine gelungene Präsentation des RB-Audiovertriebs mir die Elektronik von Crayon wieder nah. Der CFA-1.2 ist nicht der neueste Verstärker des Herstellers aus Österreich, macht aber richtig was her. Er ist sicher ein Blickfang, da er mit seinem auffälligen Gehäuse beim Betrachter gleich Fragen aufwirft. Bei genauerem Hinsehen sind es nur diese runden, massiven Aluminium-Teile auf dem Gehäuse des CFA 1.2, die…
    11.04.2017
  • Lyngdorf Audio TDAI-2170

    Brandneu ist der Verstärker Lyngdorf TDAI-2170 nicht. Zwei bedeutsame Merkmale unterscheiden ihn von vielen seiner Mitbewerbern: Er besitzt einen automatisch einmessenden Prozessor zur Optimierung des Klanges im Raum und durch neue Einschübe lässt er sich auch nachträglich erweitern und modernisieren. Diesen schlichten und eleganten, komplett digitalen Verstärker habe ich in seiner Vielseitigkeit unterschätzt. Der TDAI-270 bietet eine ungeheure Vielfalt von ungewöhnlichen Einstell-Möglichkeiten. Bei näherer Betrachtung der Bedienungsanleitung und im praktischen Umgang mit ihm lernte ich…
    27.02.2017
  • EINSTEIN - The PowerAmp

    Ein Verstärker wandelt ein schwaches elektrisches Signal am Eingang in ein stärkeres elektrisches Signal am Ausgang um. Bei einem idealen Verstärker entspricht hierbei das Ausgangssignal exakt dem Eingangssignal. Es dürfen keine Störungen hinzugefügt und es darf auch nichts weggelassen werden; also das berühmte Stückchen Draht mit Verstärkung. Die wesentlichen Qualitätskriterien für einen Endverstärker aus messtechnischer Sicht sind möglichst geringe Verzerrungen, eine hohe Bandbreite, ein möglichst geringer Innenwiderstand, möglichst geringes Rauschen und eine hohe Arbeitspunktstabilität der…
    21.03.2016
     
  • Audio Exklusiv P7S und P14

    Da haben sie sich wirklich Mühe gegeben, damit nicht der Eindruck entsteht, diese Geräte wären an dieser Stelle schon einmal vorgestellt worden: Audio Exklusiv-Chef Andreas Schönberg bei der Auswahl der Fronten der Vor-Endstufen-Kombination und unser Fotograf Helmut Baumgartner bei ihrem Arrangement für den Aufmacher. Vor etwa fünf Jahren ging es dieser Stelle um den P7 und den P1, die mich vor allem mit ihrem außergewöhnlich guten Preis/Klang-Verhältnis begeisterten. Jetzt geht es um den P7S und…
    15.02.2016
  • NAD D3020

    Wenn NAD eine digitale Verstärkergeneration auf den Markt bringt, ist das natürlich für sich schon eine Nachricht. Wenn eines der neuen Geräte den Namen eines berühmten Urahns trägt, absolut bemerkenswert.Der Vollverstärker D3020 für 500 Euro ist der Vorreiter kleiner Geräte, die den sich verändernden Hörgewohnheiten mit ihrer Konzentration auf fast ausschließlich digitale Quellgeräte Rechnung tragen. Aber warum bloß 3020? Was bürdet sich NAD damit auf? Wenn es ein Gerät gibt, das den Ruf der Firma…
    20.07.2015
  • AcousticPlan Aruna

    Claus Jäckle baute schon immer Verstärker, die sich wohltuend vom einheitlichen Schwarz oder Silber unterscheiden. So auch der neue Vollverstärker Aruna, der auf Ideen der Firma Western Electric aufbaut. Zunächst wollen wir uns doch einmal kurz ansehen, was es mit dem berühmten Vorbild Western Electric 91-A auf sich hat, ohne den historischen Bezug geht es nicht. Manch ein Röhrenfan wird jetzt zwar müde abwinken: Kennen wir doch schon alles, aber nicht jeder ist mit der…
    10.07.2015