Stirling Broadcast SB-88

24.10.2016 // Matthias Jung

In dieser Tradition fertigen auch heute noch Spendor mit der Classic Serie und Harbeth Lautsprecher. Dazu gekommen ist in letzter Zeit Graham, die natürlich auch eine LS 3/5 von Chartwell im Angebot haben und die LS 5/9 und LS5/8 wieder haben aufleben lassen. Der Markt ist also reichlich bestückt, und der rege Zuspruch zeugt vom ungebrochenen Interesse an den an sich veralteten Konzepten.Die SB-88 findet übrigens ihre neuzeitlichen Entsprechungen – in Bezug auf Abmessungen und Bestückung ­– am ehesten in der Spendor SP 2/3 R2 und der Harbeth HL Compact 7ES-3.

Geradezu ein Markenzeichen der Lautsprecher in der BBC-Tradition ist natürlich der Bruch mit allen heute gängigen Entwicklungsgrundsätzen: Ein großer Kasten, der auf einen Ständer gehört. Keine abgerundeten Ecken am Gehäuse, sondern auch noch vorstehende umlaufende Kanten. Die Öffnung des Bassreflexrohres vorne und selbstverständlich ein ganz dünnes (Birken)Sperrholzgehäuse, dass innen mit einer Lage Bitumen, im Fall der Stirling Broadcast SB-88 mit einer speziellen Gummimischung ausgekleidet ist. Dieses SOLL schwingen und nur so viel dämpfen wie nötig. Nach Meinung der Entwickler dämpfen dickere Gehäuse nicht mehr, sondern bringen Vibrationen nur in ungewünschte Bereiche, nämlich in den Mittel- und Hochtonbereich. Die Dämpfungsabstimmung geschieht in Abhängigkeit von Gehäusegröße/-material – das Furnier nicht vergessen – und den Eigenschaften der Tieftonmembran. Knifflig, zeitintensiv und wohl nicht mal eben reproduzierbar. Innerhalb des Gehäuses sind vorne und hinten Kanthölzer eingesetzt, um die Front und Rückseite aus 15 Millimeter Birkensperrholz aufzunehmen und letztendlich auch um dem Gebilde überhaupt die nötige strukturelle Festigkeit zu verleihen. Hier gibt es einen Bruch mit der Tradition zu vermelden. Normalerweise wurde entweder die Front- oder die Rückseite geschraubt, damit man die Lautsprecher im Servicefall schnell und einfach reparieren konnte. Für den Heimgebrauch reicht, wie bei der SB-88, ein Verleimen. Auch ist der Tiefmitteltöner bei der SB-88 nicht von hinten verschraubt wie bei der LS 3/6 und früheren klassischen Monitoren. Der Verzicht auf Wartungsfreundlichkeit hat allerdings bis auf die niedrigeren Produktionskosten keinen weiteren Einfluss auf die akustischen Eigenschaften.

Nicht nur Schutz vor neugierigen Händen: Das Gitter vor dem OEM-Hochtöner von SEAS sorgt für eine gleichmäßige Schallverteilung
Nicht nur Schutz vor neugierigen Händen: Das Gitter vor dem OEM-Hochtöner von SEAS sorgt für eine gleichmäßige Schallverteilung

Typisch die hohe Trennfrequenz. Erst bei drei Kilohertz übergibt der bei SEAS als OEM produzierte 20-er -Tiefmitteltöner mit einer Membran aus Polypropylen und inverser Sicke an den Hochtöner. Auch dies gegen die reine Lehre, bündelt ein Konuschassis in Abhängigkeit des Durchmessers zu hohen Frequenzen hin doch stark, was an sich Gift für die Abstrahlung unter Winkeln und das Bündelungsmaß ist. Dahinter steckt die Überzeugung, dass der gesamte Grund- und Mitteltonbereich von einem Chassis übertragen werden soll, um größtmögliche Konsistenz und Natürlichkeit in der Wiedergabe zu gewährleisten. Abstriche in Pegelfestigkeit und Basstiefe wurden damals als nachgeordnet betrachtet und in Kauf genommen. Darüber kommt eine 26-Millimeter-Weichgewebekalotte mit Metalldiffusor, auch von SEAS, zum Einsatz.

Auf das in meinen Augen unnötige Bi-Wiring-Terminal wurde nicht verzichtet. Da die Aufnahmebohrungen der Polklemmen für die Lautsprecherkabel nur sehr klein sind und von den Brücken komplett ausgefüllt werden, ist man auf Bananenstecker angewiesen. In dieser Ausführung vielleicht nicht die praxisgerechteste Lösung, die man sich so denken kann. Die Lautsprecher sind ausgezeichnet verarbeitet, sowohl Furnier als auch die Senkung der Chassis in der Front zeugen von Manufakturqualität. Dafür kommen einem die Lautsprecher aber leicht vor, was auf die Gehäusekonstruktion zurückzuführen ist.


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