Wells Audio Milo

24.03.2017 // Dirk Sommer

Ich gebe gerne zu, dass mehr als 20 Jahre über Hifi zu schreiben, auch seine Spuren hinterlassen hat: Kaum habe ich den Milo nach den ersten Eindrücken auf der wärmeren, vollmundigeren, statt hell analytischen Seite eingeordnet, muss ich einmal ausprobieren, ob das in Kombination mit dem sehr überzeugenden Audioquest NightOwl Carbon (hier ein Link zu http://www.hifistatement.net/tests/item/1957-audioquest-nightowl-carbon), dessen Abstimmung in die gleiche Richtung geht, nicht ein wenig zu viel ist – oder sollte mir den Audioquest nur wegen der Namensgleichheit mit dem gehörten Album eingefallen sein? Wie dem auch sei, auch mit dem im Hochtonbereich eher zurückhaltenden NightOwl Carbon kann der Milo voll überzeugen: Die Musik fließt entspannt, aber plätschert keinesfalls spannungslos vor sich hin. Selbst Songs ohne das Schimmern von Becken wie Jonas Hellborgs tieffrequenter Monolog auf der akustischen Bassgitarre auf „Iron Dog“ vom Album mit dem wohl ironischen Titel The Silent Life fehlt es nicht an Luftigkeit oder an Saitenfunkeln. Dafür darf der Audioquest mit Hilfe des Milo mit seiner Dynamik und Schnelligkeit brillieren. Das Audioquest/Wells-Audio-Duo garantiert einfach stundenlanges, ermüdungsfreies Musikhören.

Für Jeff Wells beginnt guter Klang beim Trafo: Er hat ein mehrfach geschirmtes Exemplar ausgewählt
Für Jeff Wells beginnt guter Klang beim Trafo: Er hat ein mehrfach geschirmtes Exemplar ausgewählt

Dann versuche ich es noch einmal andersherum: Arild Andersons „If You Look“ lebt vor allem von der vielschichtigen, aber dennoch filigranen und Klangfarben starken Percussion – und die bringen Milo und Audioquest auch beeindruckend rüber. Zwar erscheinen die Klangfarben minimal gedeckter als beim Bryston, trotzdem wirkt der Wells Audio frei und offen. Trotz eines Hauchs weniger Luft um die Instrumente begeistert er mit seiner guten, aber nicht kalt-analytischen Auflösung und einer beeindrucken Tiefenstaffelung auf der imaginären Bühne. Die Pauken rollen dräuend, Impulse erklingen ansatzlos und mächtig: ein Genuss!

Aber der lässt sich ja noch steigern, beispielsweise mit dem Audeze LCD-X und einer guten Aufnahme in HighRes wie Mahlers Symphonie Nr. 6 von acousence: Es ist zwar schon enorm eindrucksvoll, wie viel großorchestrale Kraft Milo und LCD vermitteln können, aber noch intensiver wird das Erlebnis, wenn statt des unsymmetrischen der symmetrische Ausgang des Wells Audio aktiv wird: Das Klangbild gewinnt an Farbigkeit und Feinzeichnung, die Abbildung erscheint größer und der Höreindruck wird dem über Lautsprecher noch ein Stückchen ähnlicher. Für den abschließenden Vergleich des Milo mit dem Bryston spendiere ich dem LCD-X noch ein besserer symmetrisches Kabels als das von Audeze: das Habst HPLC Majesty (hier ein Link zu http://www.hifistatement.net/tests/item/1897-habst-hpcl-majesty). So wie Milo und Audeze nun einige meiner Test-Song und ein paar ein wenig in Vergessenheit geratene Stücke wiedergeben – enorm energiegeladen, farbig, mit einem Hauch Wärme, luftig und fein durchhörbar –, steht mir der Sinn nicht im mindesten nach Vergleichen. Dennoch: Der Bryston suggeriert noch ein ganz klein wenig mehr – kühlere – Luft um die Instrumente und löst dichtes musikalisches Geschehen noch einen Tick penibler auf. Die Energiedichte, die Spielfreude und die Emotionalität des Milo erreicht er aber nicht!


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