Franco Serblin Lignea

29.09.2017 // Wolfgang Kemper

Massimiliano Favella, der die Hinterlassenschaft so gekonnt und überzeugend fortgeführt hat, lenkt nun auch das Unternehmen. Während der Kooperation mit seinem Schwiegervater folgte er immer und im Detail all seinen Vorgehensweisen und seiner Art zu arbeiten. Für ihn wie für Franco Serblin liegt der Wert der Dinge in ihrer Bedeutung. Die Lignea drückt für Massimiliano Favella auch seine Wertschätzung für Franco Serblin aus. Die instrumentenhafte Bauart der Lignea erschließt sich dem Betrachter sofort als Ganzes. Schaut man näher hin, ist leicht zu erkennen, dass die Neigung der schmalen Schallwand auch aus dem vertikalen Bogen des edlen Front-Holzes resultiert, das das eigentliche Kabinett zum Standfuß fortführt. Das Kabinett selber ist aus Massivholz gefertigt und zwar in einer Art und Weise, dass keinerlei stehende Wellen entstehen. Die Formgebung verhindert in hohem Maße die Ausbildung von Resonanzen. Im gestuften, schwarzen Korpus befindet sich nach hinten abstrahlend mittig die Öffnung des Bass-Reflex-Konzepts. Unten, wo sich das Gehäuse deutlich verschlankt, findet sich ein Paar WBT nextgen™ Anschlüsse für das Lautsprecherkabel. Die beiden Chassis, sowohl der 110-Millimeter-Tiefmitteltöner als auch die 27-Millimeter-Kalotte, sind für die Lignea individuell optimiert. Die Gewebe-Kalotte ist mit einer speziellen Beschichtung für bestmögliches Schwingungsverhalten imprägniert.

Das Tief-Mittelton-Chassis wurde für die Lignea optimiert
Das Tief-Mittelton-Chassis wurde für die Lignea optimiert

Das Hörvergnügen begann in meinem neuen kleinen Musikzimmer im Dachgeschoss. Die Lignea war mit der NAD 2200PE Endstufe mittels eines Boaacoustic Argon Lautsprecherkabels verbunden. Dies passt mit seiner bräunlichen Ummantelung und polierten Metall-Elementen optisch perfekt zu der italienischen Schönheit. Wegen der hervorragend aufgenommenen Stimmen wählte ich die Carmina Burana in einer CD-Einspielung des MDR Sinfonieorchesters mit dem Rundfunkchor und dem Kinderchor des MDR, dirigiert von Kristjan Järvi. Diese Aufnahme, entstanden im Juli 2012 im Gewandhaus Leipzig, besticht durch eine Fülle an Klangfarben und eine glaubwürdige räumliche Darstellung. Stimmen klingen körperlicher als bei der ansonsten von mir gern verwendeten Telarc-CD mit Robert Shaw. Die großartige Dynamik dieses Werkes bereitet der Lignea keinerlei Schwierigkeiten. Druckvoll baut sie das Schlagwerk auf und vermittelt eine glaubhafte Chor-Aufstellung. Einzelne Sänger lassen sich erkennen und stehen fest an ihrem Platz. Die Musik entfaltet sich fließend und energiegeladen.

Ebenfalls für die Lignea optimiert ist die beschichtete Textil-Kalotte
Ebenfalls für die Lignea optimiert ist die beschichtete Textil-Kalotte

Seien wir doch jetzt mal fies und zwingen dem kleinvolumigen Lautsprecher Free Live! auf. Gedacht-getan. Einmal abgesehen davon, dass die Lignea überzeugend ein Raumgefühl der Fairfield Hall in Croydon vermittelt, legt sie zu meiner Freude und entgegen meiner Erwartung so richtig los. Mit welchem Drive sie den knurrigen E-Bass von Andy Fraser in „I´m a Mover“ rüberbringt, ist schier unglaublich. Dass dieser kleinvolumige Edel-Speaker bei der räumlichen Darstellung keinerlei Hürden zu überwinden hat, ist so ungewöhnlich nicht. Das kennen wir auch von anderen guten Kleinen. Aber besser als viele löst die Lignea vor allem in tieferen Lagen des Grundtonbereichs sehr plastisch auf und stellt das Instrument druckvoll vor den Hörer. Frontman Paul Rogers singt da, wo er hingehört: vorn. Der tonale Eindruck insgesamt ist eher der einer voluminösen Standbox. In „Mr. Big“ knallt auch Simon Kirkes Drum-Set wuchtig und farbenprächtig. Die Becken schillern überhaupt nicht hart, gehen aber dennoch direkt ins Ohr. Das ist echte Live-Performance. Will ich die CD wechseln, um mit anderer Musik zu testen? Nix da! Free kommt so genial rüber, da bleib ich dabei. Nicht nur meine Füße machen mit, auch der Kopf – All Right Now!


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