Franco Serblin Lignea

29.09.2017 // Wolfgang Kemper

Nun gibt da aber ein Problem. Alles klingt zum Verlieben schön und ich möchte die Lignea gar nicht wieder hergeben, aber: Sie stehen in meinem neuen Hörraum in angemessenen Abstand zur Seite und zur Rückwand unter einer Dachschräge. Der Beginn der Dachschräge hinter ihnen liegt bei knapp neunzig Zentimetern. Wie wir alle wissen, führt eine derartige Aufstellung in Bassbereich zu einer gewissen Üppigkeit. Und das wäre für einen möglichst objektiven Test nicht annehmbar. Also trage ich die Lignea in meinen großen Hörraum und stelle sie an bewährter Stelle auf, wo auch schon etliche Kandidaten vor ihr teils glanzvolle Auftritte hatten. Der behutsame Transport gestaltete sich bequem, denn mit nur acht Kilo und den griffigen Proportionen lassen sich die Lignea unkompliziert handhaben, zumal für solche Aktionen die Baumwoll-Hüllen aus der Verpackung Schutz gewährleisten. Dabei hatte ich das Gefühl, vorsichtig ein Cello durch mein Haus zu tragen. Auch die NAD-Endstufe trage ich runter und verbinde die beiden mit dem Boaacoustic Silver Actinium. Das Frontend ist in der Audio-Kette jetzt nicht nur aufwändiger, sondern erheblich analytischer.

Die angemessene Frequenz-Zuordnung bewirken diese ausgesuchten Bauteile
Die angemessene Frequenz-Zuordnung bewirken diese ausgesuchten Bauteile

In der Lignea-Broschüre ist nachzulesen, Franco Serblin habe die Lignea geschaffen, um Musikliebhabern mit limitierten Aufstell-Möglichkeiten einen hochwertigen Lautsprecher zu bieten. Bei der Platzierung der Lignea darf man getrost dem ästhetischen Vorstellungen im Raum nachgeben. Eine klanglich sinnvolle Anwinkelung zum Hörer hin ergibt sich eigentlich schon wegen der optischen Wirkung. Inwieweit man anwinkelt, ist schnell nach Gehör ausgemacht. Auch die Entfernung zur Seitenwand hat in meiner Umgebung nicht zu bedeutenden tonalen Veränderungen geführt. Mir scheint die Lignea in dieser Hinsicht erfreulich unkompliziert zu sein. In meinem großen Musikzimmer, bei ansonsten für unterschiedlichste, auch großvolumige Lautsprecher geeigneter Positionierung, klingt die Lignea richtig gut. Sie steht nun relativ deutlich frei im Raum und musiziert nicht weniger faszinierend als im Dachzimmer. Das offenbart sie bereits bei Jennifer Warnes Album The Well, das ich zum Warmspielen in den Primare-Player legte und recht gut kenne. Da mag ich gern zuhören, die CD läuft komplett durch. Mir gefällt der Charakter der Lignea, nicht übertrieben zu sezieren und deshalb in höchstem Maße angenehm zu klingen. Gleichzeitig lässt sie nie das Gefühl aufkommen, sie würde irgendwelche musikalischen Feinheiten nicht kommunizieren.

Der Unterbau mit Spikes und Tellern unterstreicht die Optik der Lignea und ist wichtig für den Klang
Der Unterbau mit Spikes und Tellern unterstreicht die Optik der Lignea und ist wichtig für den Klang

Free Live! bringt dann die Veränderung klar zu Gehör. Ja, das Klangbild ist jetzt schlanker, was aber auch den besseren, vorgeschalteten Komponenten geschuldet ist. Besonders der Audio-gd ist dem Antelope an Präzision und Räumlichkeit deutlich voraus. Das höre ich jetzt mit großem Vergnügen. Der nun schlankere E-Bass in „I´m A Mover“ wird überkompensiert durch bessere Detailwiedergabe. Das hat einen höheren Reiz und die Lignea vermittelt das Konzert von 1970 mit Spielfreude und Drive. Jetzt kann ich noch deutlich besser in die Musik hinein lauschen und der Rhythmus packt mich wie zuvor. Die wahre qualitative Offenbarung bringen die „Carmina Burana“. Die Schläge der Pauken in „O Fortuna“ ertönen ebenso druckvoll wie im Raum oben. Weit mehr Nuancen und Plastizität vermittelt die Lignea in dieser Konfiguration und Aufstellung. Das überzeugt, und ich höre auch hier lange zu, weil die Musik fesselt. Raum, Klangfarben, Akkuratesse, Dynamik, Timing: Spitze. Musikalische Ausgewogenheit charakterisiert die Lignea und dies bei jeder Musik. Auszusetzen hatte ich nichts, wollte aber wissen, wie das optisch so gut zur Lignea passende Boaacoustic Argon sich in dieser Kette verhält. Es ist wirklich bemerkenswert, welche Bedeutung im Einzelnen das Zusammenspiel von Raum, Elektronik, Verkabelung und Lautsprechern hat. Die zuvor beim Argon aufgetretenen Schwächen, nämlich die etwas sonoren Stimmen der Carolina Chocolat Drops und die etwas am Lautsprecher haftenden hohen Streicher bei den „Carmina Burana“ waren mit dem besseren Wandler und Vorverstärker nun gänzlich verschwunden. Zwar löste das Argon nicht ganz so fein und tief auf wie das Silver Actinium, klang dafür aber angenehm rund und sehr harmonisch. Geschmackssache, würde ich sagen. Erstaunlich finde ich für mich persönlich, dass ich bei dem leicht dichteren Klangbild mit dem Argon-Kabel dennoch nicht das Gefühl hatte, etwas zu vermissen. Ich hoffe, Sie mit diesem Kabel-Hin-und-Her nicht zu verwirren. Es unterstreicht die Qualität der Lignea. Denn sie agiert so hochkarätig, dass es eine Sünde wäre, sie mit beliebiger Peripherie spielen zu lassen. Mag sie auch mit einfachen Mitteln beeindruckend klingen, ihre wahre Musikalität erlebt der Hörer erst nach sorgfältiger Wahl ihrer Mitspieler – entsprechend der Sorgfalt von Franco Serblin und Massimiliano Favella.


  • Ichos N° ONE

    Ichos ist die griechische Bezeichnung für Klang und stand Pate für den Markennamen der aufstrebenden Wiener Lautsprechermanufaktur Ichos Schallwandler. Deren Chef Robert Rothleitner hinterließ mit der Ichos N° One auf den letztjährigen Wiener Klangbildern nicht nur bei Dirk Sommer einen sehr nachhaltigen Eindruck. Der Wunsch nach einem Test seines Topmodells in Hifistatement wurde nunmehr Realität. Robert Rothleitner ist gebürtiger Kärntner, Maschinenbau Ingenieur und ein echter Perfektionist, der nichts dem Zufall überlässt. Deshalb ließ er es…
    04.12.2017
  • quadral Platinum+ Seven

    Ganz anders als gewohnt zeigten sich dem Betrachter auf der High End im Mai die neuen quadral Platinum+ Stand-Lautsprecher. Die Modelle Platinum+ Seven und Nine wiesen schon durch ihr auffälliges Äußeres auf eine deutlich veränderte technische Konzeption hin. Besonders spannend ist der Test eines Lautsprechers, wenn man den aktuellen Vorgänger sein eigen nennt. Seit Jahren benutze ich quadrals Platinum M50 gern für Tests von Verstärkern und Kabeln, da ich sie für musikalisch sehr ausgewogen und…
    06.11.2017
  • XTZ Divine Alpha

    XTZ sagt, dass das Topmodell Divine Alpha High End in seiner schönsten Form sei. Ein wahrhaft hoher Anspruch. Wir machen den Fakten- und Hörcheck. Nach dem Test des zweitgrößten XTZ Divine Modells 100.33 vor einem guten Jahr hat Berthold Daubner, der Geschäftsführer von XTZ Deutschland, ein Versprechen eingelöst. Auf der letztjährigen High End, wo die Divine Alpha erstmals vorgestellt wurde, hatte er mir nämlich versprochen, dass ich auch das Topmodell testen dürfe sobald es serienreif…
    16.10.2017
     
  • Dynaudio Special Forty

    Dynaudio feiert sein 40-jähriges Jubiläum und beschert uns zu hierzu einen kleinen, feinen Lautsprecher in edler Optik und mit Dynaudio-typischen Eigenschaften. Wir dürfen von der Dynaudio Special Forty zum feierlichen Anlass ein klangliches Statement erwarten. Bei Dynaudio schaut man auch nach so vielen Jahren nicht nur stolz auf das Erreichte zurück, sondern ist noch hungriger denn je auf neue Technologien und Technik. So ist es auf der Firmen-Homepage zu lesen. In Relation zum Paarpreis von…
    28.08.2017
  • DALI CALLISTO: das neue kabellose Lautsprechersystem

    Das neue kabellose digitale Lautsprechersystem DALI CALLISTO wurde entwickelt, um eine Brücke zwischen traditionellem HiFi und den neuen, cleveren und innovativen Technologien zu schlagen. Mit dem Downloaden und Streamen von Musik und Filmen hat sich die HiFi-Welt dramatisch verändert. Millionen von Musiktiteln lassen sich per Fingertipp abspielen, große, über unansehnliche Kabel miteinander verbundene Audiogeräte, haben in modernen Wohnräumen keinen Platz mehr. Anspruchsvolle HiFi-Fans setzen auf hochwertige Lautsprecher, die sich direkt von Mobilgeräten ansteuern und bequem…
    08.08.2017
  • Expolinear Sondermodell T-100 DeLuxe

    Als limitiertes Sondermodell präsentieren Expolinear® die neue T-100 DeLuxe. Es handelt sich um einen 2-Wege Kompakt-Lautsprecher, der mit exquisiten Bauteilen produziert wird und eine verfeinerte Version der beliebten T-100 L darstellt. Im Tiefmitteltonbereich setzen die Berliner Lautsprecherspezialisten ein neues Hochleistungssystem mit Spezial-Membran ein. Dieses arbeitet mit extrem linearem Frequenzgang. Der Hochtonbereich ist dem State of the Art Bändchenhochtöner Expolinear RT-9 Pro bestückt. Es handelt sich um ein klassisches Bändchen mit Übertrager, das extrem breitbandig (1500…
    21.06.2017