Buchardt Audio S300 MKII

03.04.2017 // Matthias Jung

Was für eine hübsche Geschichte: Zwei hifi-begeisterte Sandkastenfreunde beschließen, den ultimativen Lautsprecher zu entwickeln – mit dem Fokus auf guten Klang. Optik egal, dafür sollen sie natürlich das beste Preisleistungsverhältnis überhaupt haben und alles andere in Grund und Boden spielen. Klar.

Der eine ist Mads Buchardt, Musiker und ehemaliger Inhaber eines Instrumentengeschäfts in der Nähe von Århus, der andere Kaspar Raun, ein Ingenieur, der früher Entwickler bei Dynaudio und anderen Hifi-Herstellern war und heute für Primare arbeitet. Zusammen gründeten sie 2008 RABU Acoustics (RAun & BUchardt), einen DIY-Hifi-Shop. Die Entwicklung der heutigen Buchardt Audio S300 MKII startete bereits 2011. Während Kaspar Raun seine Entwicklerkarriere begann, baute Mads Burchardt die Firma weiter aus, die heute auch den Vertrieb von SB Acoustics Chassis inne hat. 2013 gründete er Buchardt Audio, und die ersten Lautsprecher – die S200 und S300 – erschienen, die sich in Skandinavien bald großer Beliebtheit erfreuten. Die S300 MKII ist das momentane Topprodukt im Angebot. Kunststück, es ist das einzige. Mads Burchardt kündigte in unserem Mail–Wechsel aber bereits weitere passive und aktive Lautsprecher an.

Schlichte Optik. Die Abdeckungen halten nur direkt über den Schrauben der Chassis
Schlichte Optik. Die Abdeckungen halten nur direkt über den Schrauben der Chassis

Um preislich die ehrgeizigen Ideen realisieren zu können, wird konsequent auf den Direktvertrieb gesetzt. Gebaut und montiert werden die Lautsprecher in Indonesien bei demselben Unternehmen, das auch die Chassis herstellt. Der Versand an den Endkunden erfolgt weltweit aus Dänemark. 30 Tage Testzeit werden den Kunden eingeräumt. Der so erreichte Endpreis von 1343,35 Euro – der Tagespreis variiert mit dem Umrechnungskurs – für das Paar in Nussbaum soll auf diesem Weg bis zu 70% günstiger sein, als das, was Mitbewerber für ein derartiges Produkt aufrufen. Man wird sehen.

Die eingesetzten Chassis sind in Kooperation mit SB-Acoustics entstanden. Die Membran des 15 Zentimeter messenden Tiefmitteltöners besteht aus einer Mischung aus Polypropylen und einem nicht näher spezifizierten Mineralstoff. Der Materialmix soll die Tieftonfähigkeiten des Kunststoffs mit den Mitteltonqualitäten von Papiermembranen verbinden. Der 26-Millimeter-Hochtöner ist dann als klassische Kalotte mit Weichgewebemembran aufgebaut und verzichtet auf das heute weit verbreitete kühlende Ferrofluid im Magnetspalt. Wer seine Lautsprecher ein paar Jahre länger betreiben möchte, wird dies wohlwollend zur Kenntnis nehmen. Ist die Pampe im Laufe der Zeit nämlich verdunstet, ändern sich die Parameter, der Urzustand ist nicht mehr so trivial herzustellen, und Ersatz oft teuer oder gar nicht mehr zu bekommen. Dass hinter der Chassis-Entwicklung Ulrik Smith steht, der einst bei Scan Speak die Revelator-Reihe verantwortete, macht die Sache nicht uninteressanter.

Die Buchardt Audio S300 MKII kommen in einem stabilen Karton stehend, eingewickelt in eine dünne Schaumstofffolie und zwar so, dass man weder sehen kann, ob Abdeckungen drauf sind, noch wo die einzelnen Chassis angebracht sind. Sagen wir es mal so, der Hochtöner hat‘s überlebt… Das Ergebnis jahrelanger Entwicklung ist genau genommen ein Zwei-Wege Bassreflex-Lautsprecher ausgeführt als Kasten mit hinten liegender Strömungsöffnung. Es gibt ihn in drei Ausführungen, nämlich in Schleiflack weiß und schwarz und mit Nussbaumfurnier, also echtem Holz. Exotisch! Zumindest das Versprechen, dem Gehäuse nur die notwendigste Aufmerksamkeit zu widmen, haben die Entwickler erreicht. Gefaste Kanten? Brauchen wir nicht. Sich verjüngende Mehrschichtgehäuse? Auch nicht. Stabilisierung? Ach wo. Vielleicht ein besonderes Material? MDF tut‘s auch!


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