tests/19-07-12_clarus
 

Clarus Aqua und Clarus Crimson

12.07.2019 // Wolfgang Kemper

Beim zweiten Satz der Symphony No.3 von Camille Saint-Saëns mit dem Boston Symphony Orchestra und Charles Munch war dann zusätzlich zur farbenreichen Transparenz und Präzision der Schmelz der Streicher ein wahrer Genuss. Die Orgel ertönte mächtig und konturiert. Das Real-Cable konnte da in Sachen Nuancierung nicht mithalten und wirkte im Vergleich besonders bei den Streichern ein wenig langweilig – trotz dieser herrlichen Musik. So hörte ich noch Frank Zappas Yellow Shark und Joni Mitchells Ladies of the Canyon, die beide den gewonnenen Eindruck untermauerten. Ich habe außer bei der Orgel-Symphony, wo ich zum direkten Vergleich den zweiten Satz gewählt hatte, alle CDs komplett gehört und vor allem genossen. Das Clarus Aqua Speaker Cable macht das intensive Musikhören angenehm leicht.

Das Aqua Speaker bekam ich verstärkerseitig mit Hohl-Bananas und lautsprecherseitig mit Gabelschuhen. Alle Variationen gibt’s ohne Aufpreis
Das Aqua Speaker bekam ich verstärkerseitig mit Hohl-Bananas und lautsprecherseitig mit Gabelschuhen. Alle Variationen gibt’s ohne Aufpreis

Nun war es an der Zeit, die gewohnte In-Akustik NF-1302-Verbindung zwischen Antelope Zodiac+ Wandler und der NAD Endstufe gegen eines der Clarus Cinch-Leitungen auszutauschen. Ich entschied mich zuerst für das Aqua und spielte wieder den zweiten Satz aus der Symphony No.3. Schnell fiel mir auf, dass die Höhen eine Spur dezenter klangen. Dabei wirkten sie keineswegs weniger offen. Der Glanz der Streicher gefiel in seiner feinen Auflösung. Bezogen auf den Detailreichtum im gesamten Frequenzspektrum bot das Clarus Aqua noch etwas mehr Klangfarben-Vielfalt. Die Bühne mochte vielleicht eine Spur weniger tief erscheinen, aber das gesamte Klanggeschehen war beeindruckend stimmig. Die Merkmale des Aqua Lautsprecherkabels besitzt das Aqua NF in ähnlicher Weise und verstärkte so die Konturenschärfe, Feinzeichnung und Intensität der Farbigkeit. Am auffälligsten war für mein Empfinden, dass die Darbietung noch mehr innere Ruhe vermittelte und dabei gleichzeitig die feine Dynamik ein wenig steigern konnte. Mit dem gleichen Musik-Material kam nun das Clarus Crimson anstelle des Aqua zum Einsatz und zeigte tonal, dynamisch und in den Auflösungs-Qualitäten, dass es aus dem gleichen Holze geschnitzt war. Recht schnell wurden seine Vorzüge evident, die vor allem mit einer nochmals gesteigerten Feindynamik einhergingen. Zudem glänzte das Crimson farbenprächtig mit abermals gesteigerter Feinzeichnung und überlegener Tiefenstaffelung. Dadurch gewann das räumliche Bild und die Bühnendarstellung zusätzlich zur großflächigen Abbildung. Technisch unterscheiden sich Aqua-NF und Crimson-NF nicht grundsätzlich. In beiden Typen ist das hochwertige PCOCC- Kupfer verwendet, ebenso die oben beschriebenen drei frequenz-spezifisch sehr unterschiedlichen Leiter und deren Isolierung. Allein die Stärken dieser drei Stränge machen den Unterschied.

In diesem solide verschraubten Gehäuse wird das ovale Aqua Speaker in Einzelleitungen für Plus und Minus aufgeteilt
In diesem solide verschraubten Gehäuse wird das ovale Aqua Speaker in Einzelleitungen für Plus und Minus aufgeteilt

Durch ihre klanglich leicht dezente Intensität im obersten Frequenzspektrum fürchte ich, sind das Clarus Aqua und das Clarus Crimson Cinch-Kabel nicht in allen Fällen jedermanns Liebling. Im direkten Vergleich mag man möglicherweise vorschnell den vermeintlich offeneren Klang eines In-akustik oder ähnlichen bevorzugen. Das würde den beiden Clarus jedoch nicht gerecht. Es wäre schade, wann man durch eiligen Vergleich die Qualitäten dieser zwei musikalisch sehr stimmigen Cinch-Kabel nicht würdigte. Es lohnt, sich Zeit zu nehmen und sich auf ihre feinen Charakterzüge einzulassen. Denn nichts fehlt und gar nichts nervt. Auf Frank Zappas Album Yello Shark wimmelt es nur so von Klangfarben-starken Titeln. Die Clarus Cinch-Kabel präsentieren dem Hörer diesbezüglich einen herrlich bunten Blumenstrauß. Die Musik, über Aqua oder Crimson wiedergegeben, konnte mich nicht ermüden, im Gegenteil: es klang immer hochgradig spannend.


  • Rega Mercury / Solis

    Hifistatement hatte die Möglichkeit, Regas brandneue, im November 2025 erschienene Vor-/Endstufenkombination Mercury/Solis umfassend zu testen. Die Vorstufe hat einen hochwertigen DAC an Bord, die Endstufe liefert circa 300 Watt Ausgangsleistung an vier Ohm Impedanz. Mit diesen Boliden liefert Rega sein Verstärkerstatement! Der Name Rega löst bei mir unmittelbar diverse positive Assoziationen hervor, bislang zugegeben allesamt in der rein analogen Welt der Plattenspieler und Tonabnehmer verortet. So besaß ich unter anderen bereits einen Planar 1 oder…
    20.01.2026
  • Final UX5000

    Im Oktober habe ich den UX5000 in Warschau auf der Audio Video Show das erste Mal gehört. Zugegeben, Bluetooth-Overear-Kopfhörern gilt nicht unbedingt mein größtes Interesse, aber der UX5000 machte mich mit einigen Features neugierig auf einen Test. Final platziert das Modell an der Spitze seines Bluetooth-Kopfhörer-Line-Ups. Allein optisch spricht mich der UX5000 an. Schlicht und unauffällig, ohne ein Statement setzten zu wollen, um sich zwanghaft von der Masse abzuheben. Aber genau diese unaufgeregte Präsentation in…
    16.01.2026
  • Riviera Audio Laboratories APL1 und AFM70

    Den letzten Bericht über eine Vor-/Endstufen-Kombination schrieb ich vor beinahe anderthalb Jahren. Bis jetzt kam lediglich Wolfgang Kempers Test des Senna-Sound-Duos dazu. Sollte das daran liegen, dass es in diesem Bereich nicht allzu viele Innovationen gibt? Die edlen Amps von Riviera Audio Laboratories sind jedenfalls alles andere als Mainstream. Die Verbreitung von digitalen Verstärkermodulen hat zumindest bei mir dazu geführt, dass mich ein Großteil der modernen Endstufen-Kreationen einfach nicht mehr interessiert. Schaltnetzteile in Kombination mit…
    14.01.2026
  • Keces Ewave

    Nein, wir werden nicht zur PR-Abteilung von Keces oder Robert Ross' Vertrieb, der die Produkte aus Taiwan in Europa betreut und hierzulande vertreibt. Doch bei einem Gespräch über den Ephono+ merkte Robert Ross an, dass er soeben das erste Null-Serien-Modell des Keces-Switch erhalten habe und uns zusenden könne. Da konnte ich nicht widerstehen. Da die Serienmodelle noch im Januar ausgeliefert werden, kann ich mir mit dem Bericht über das Switch auch nicht allzu lange Zeit…
    09.01.2026
  • Keces Ephono+

    Nein, ich werde mich ab sofort nicht mehr nur mit günstigen Hifi-Komponenten beschäftigen, auch wenn durch den Test des erschwinglichen Eversolo DAC-Z10 und des Ephono+ der Eindruck entstehen konnte. Denn obwohl Keces der Signalverarbeitung und dem Netzteil je ein eigenes Gehäuse spendiert, ist die Phonostufe für gerade einmal 1.200 Euro zu haben. Ich habe zwar gegenüber Komponenten mit moderaten Preisen genau so wenig Berührungsängste wie gegenüber solchen mit exorbitant hohen – wie sich Anfang des…
    23.12.2025
  • Galion Audio Navy Röhrenvorverstärker

    Wir haben das röhrenbestückte Vorverstärker-Flaggschiff Navy des jungen kanadischen HiFi-Unternehmens Galion Audio unter die Lupe genommen. Der Line-Vorverstärker mit vier Doppeltrioden 12AT7 (ECC81) wartet nicht nur mit hochwertigen Bauteilen auf, sondern er ist das spannende Designprodukt eines high-fidelen Überzeugungstäters. Mir sagte der Markenname Galion Audio bislang wirklich gar nichts. Das junge Unternehmen aus Québec in Kanada wurde 2020 von Thomas Tan, einem passionierten Audiophilen, YouTuber („Thomas & Stereo“) und Content Creator, gegründet. Ziel war, seine…
    16.12.2025

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.