tests/19-08-27_roon
 

Roon Nucleus+

27.08.2019 // Dirk Sommer

Da der Auralic Aries Femto momentan in meine digitale Wiedergabekette integriert ist, vergleiche ich beim Nucleus+ die beiden Ausgabewege „USB-Mutec-Manhattan-II“ und „LAN-Aries-Manhattan-II“ – nicht zuletzt, weil in der letzten Variante auch die Wiedergabe von DSD256 möglich ist und der Nucleus+ im Zusammenspiel mit Roon ein Hochrechnen aller Formate in vierfach DSD ermöglicht. Aber für's erste bleibt der DSP des Nucleus deaktiviert. Ich wähle Schostakowitschs Symphonie Nr. 15 mit den Duisburger Philharmonikern unter Jonathan Darlington und genieße den großen Raum, der sich vor mir aufzutun scheint. Schon in der ruhigeren Einleitung erahnt man die Kraft des mächtigen Klangkörpers, der Hochtonbereich ist keinesfalls weichgespült, kippt aber nie ins Nervige: sehr schön! Wenn die Signale den Nucleus+ dann über die LAN-Buchse verlassen und vom Auralic per USB zum Manhattan geschickt werden, gibt es im Tieftonbereich mehr Druck und Definition. Die Instrumente werden noch besser voneinander getrennt und sehr plastisch auf einer eine Spur größeren Bühne platziert. Die Klangfarben erstrahlen einen Hauch wärmer: ein Hochgenuss!

Hat man ein Album ausgewählt, kann man sich die verschiedenen vorhandenen Versionen anzeigen lassen
Hat man ein Album ausgewählt, kann man sich die verschiedenen vorhandenen Versionen anzeigen lassen

Verlassen die Daten den Nucleus+ über den USB-Ausgang und gelangen direkt zum Manhattan II, ist das musikalische Ergebnis völlig in Ordnung – bis man gehört hat, wie gut es gehen kann, wenn der Mutec das Signal aufbereitet. Ganz verwöhnte Klanggourmets aber sollten die Daten aus dem Nucleus per Ethernet zu einem Streamer oder einer Streaming Bridge transferieren lassen. Eine solche Kombination wird ein enorm hohes klangliches Niveau erreichen, wie der Test mit dem nun schon recht betagten Aries Femto bewies.
Spätestens jetzt ist es Zeit, einmal zu hören, was ein SBooster-Netzteil am Nucleus+ bewirkt. Ich denke. es war der Test des Soul-M, für den ich eines der Linear-Netzteile mit einer Spannung von 19 Volt bestellt hatte. Das Testexemplar stammt also noch aus der vorherigen Baureihe und nicht aus aktuellen MK-II-Serie. Dennoch ist nach den ersten Tönen klar, dass es grob fahrlässig war, das SBooster-Netzteil erst jetzt in Spiel zu bringen: Der Bühne erstreckt sich weiter in die Tiefe, die Abbildung gerät insgesamt ein wenig größer und farbiger, es gibt mehr Luft um die Instrumentengruppen und dynamisch tut sich auch noch ein bisschen mehr: Das analoge Netzteil ist auch am Nucleus+ unverzichtbar. Und mit der neuen Version des SBoosters dürfte sogar noch ein wenig mehr gehen.

Ein Tipp auf das Sternchen in der Wiedergabeleiste unten, und schon wird der Signalweg in Roon angezeigt
Ein Tipp auf das Sternchen in der Wiedergabeleiste unten, und schon wird der Signalweg in Roon angezeigt

Aber auch wenn gerade keine MK-II-Version greifbar ist, kann ich versuchen, den Nucleus+ zu noch mehr Wohlklang zu bewegen. Der verfügt ja – wie erwähnt – über jede Menge Rechenleistung, und die lässt sich beispielsweise dazu nutzen, alle von ihm ausgegebenen Dateien unabhängig von ihrem Ursprungsformat in maximal DSD256 umzurechnen und dann durch den Aries Femto zum Manhattan II zu schicken, der erfahrungsgemäß bei diesem Format ganz hervorragend klingt. Roon lässt einem im DSP-Menü für die Wandlung von PCM in DSD die Wahl zwischen Sigma-Delta-Modulatoren fünfter oder siebter Ordnung. Je höher die Ordnung ist, umso stärker wird das Rauschen in höhere Frequenzbereiche verschoben, so dass später einsetzenden Filter verwendet und höhere Frequenzen genutzt werden können. Allerdings verlangt ein Sigma-Delta-Modulator höherer Ordnung auch nach mehr Rechenleistung, aber unser Testgerät ist ja der leistungsfähigere der beiden Roon Server. Das DSP-Menu bietet nicht nur Modulatoren fünfter oder siebter Ordnung an, sondern beide auch in einer mit dem Zusatz „CLANS“ versehenen Variante. In der Roon Community wird erklärt, dass dies für „Closed Loop Analysis of Noise Shapers“ steht. Das ist eine iterative Optimierungstechnik, bei der der Computer immer wieder kleine Veränderungen am Filterdesign vornimmt und auf Verbesserungen bei technischen Eigenschaften hin überprüft. Das aus diesem Prozess resultierende Filter sei dann das empfehlenswerteste. Die Entscheidung für CLANS belastet den Rechner nicht stärker als ein übliches Filter. Die klanglichen Vorteile von CLANS sollen vorrangig von der Architektur des eingesetzten Wandlers abhängen. Wir werden hören.

Der Signalweg lässt sich auf vielfältige Art verlängern, was den Klang deutlich verbessert
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