tests/19-10-29_spl
 

SPL Director Mk2

29.10.2019 // Wolfgang Kemper

Es ist gut drei Jahre her, dass ich den Vorgänger des neuen Director Mk2, den Director, zum Test bei mir hatte. Schon damals beeindruckte mich diese Vorstufe durch ihre Musikalität. Sie war ebenfalls mit einem Digital-Analog-Wandler, wenn auch anderer Bauart, bestückt. Das Klangbild war seinerzeit auffällig dynamisch und von einer Homogenität, mit der jede Art von Musik flüssig, rhythmisch und authentisch reproduziert wurde. Trotz oder gerade wegen des eher leicht warmen, runden Klangbildes machte das Hören enorm viel Spaß. Störende Artefakte blieben außen vor und dennoch überzeugte schon der alte Director durch seine Liebe zum Detail und seine Transparenz. Sein Nachfolger kann diese Tugenden nicht nur bewahren, sondern spielt in einer höheren Liga.

Die Anzeige kommuniziert den gewählten Eingang und bei digitalen Quellen die Auflösungsrate
Die Anzeige kommuniziert den gewählten Eingang und bei digitalen Quellen die Auflösungsrate

Von Bastian Neu erfuhr ich, dass der analoge Teil des Mk2, einmal abgesehen von der größeren Anzahl der Anschlüsse und daraus resultierender Elektronik, identisch mit dem ursprünglichen Director ist. Ein professioneller Hersteller mit dem Anspruch auf Langzeit-Qualität ändert nicht in Abständen von wenigen Jahren das technische Konzept. Das Voltair- Layout mit den speziellen Platinen war schon damals so ausgereift, da es ja der bewährten professionellen Technik aus den Mastering-Konsolen entlehnt ist. Die 120-Volt-Technologie mit einer Arbeitsspannung in der Signalverarbeitung von plus/minus 60 Volt ermöglicht unter anderem einen wesentlich höheren dynamischen Headroom als konventionelle Schaltungen. Sehr bedeutsam ist, dass die ausgezeichneten technischen Werte der digitalen Sektion durch die Voltair-Technik an der Schnittselle zum Analogen nicht verloren gehen, da sie im hohen Voltair-Spannungsrahmen erhalten bleiben. Daraus resultiert die klanglich markante, explosive Dynamik, besonders auffällig in der Feinzeichnung. SPL versteht es, ein eher musikalisch fein abgerundetes Klangbild zu kreieren, was der Realität sehr viel näher kommt als so manche hoch-analytische, sezierende Wiedergabe anderer Hersteller. Der Witz bei der Sache ist, dass bei SPL trotzdem die Feinzeichnung keineswegs auf der Strecke bleibt. SPL zeigt auf der Firmen-Website eine sehenswerte graphische Animation, die die Voltair-Technologie anschaulich erklärt.

Wichtige Innovationen beim Director Mk2 sind das neue Digital-Analog-Wandler-Bord, die Vielfalt der Ausstattung und das überarbeitete Netzteil. Bei Letzterem hat man nämlich aus klanglichen Gründen nach ausgiebigen Hörtests die jeweils 5000 Mikrofarad der großen Siebkondensatoren pro Plus- und Minus-Pfad auf zweimal fünf Kondensatoren mit jeweils 1000 Mikrofarad geändert. Dies bringt, so Bastian Neu, eine klar nachvollziehbare Steigerung der Präzision im Bass. Die fünf „kleinen“ Siebkondensatoren weisen nämlich einen geringeren Innenwiderstand auf. Sie können deshalb noch schneller agieren und den impulsbedingten Strombedarf decken.

Die Rückseite ist mit vielen Anschlüssen voll bestückt. Oberhalb des linken symmetrischen Vorverstärker-Ausgangs sieht man zwei kleine Klinken-Buchsen, die die Steuerspannung für andere SPL-Geräte wie Endstufen liefern
Die Rückseite ist mit vielen Anschlüssen voll bestückt. Oberhalb des linken symmetrischen Vorverstärker-Ausgangs sieht man zwei kleine Klinken-Buchsen, die die Steuerspannung für andere SPL-Geräte wie Endstufen liefern

Vergleicht man den Preis des Director Mk2 mit dem des Phonitor XE von Jürgen Saile oder auch mit dem des alten Director, dann erklärt sich der etwas höhere Preis beim Blick ins Innere: Der Director Mk2 ist mit Voltair-Platinen dicht bestückt. Der materielle Aufwand ist sofort erkennbar. Neu ist die digitale Ebene des Vorverstärkers, die übrigens völlig identisch mit dem Digital-Analog-Bord des Phonitor XE ist. Die DA-Wandlung übernimmt jetzt ein AK4490EQ Chip von AKM. Der ist nicht der Allerneueste, aber unter Kennern sehr positiv beleumundet und findet sich auch in teuren Wandlern anderer Provenienz. Schaltungstechnisch ist er auf besondere Weise implementiert: Die im Chip integrierten Filter wurden deaktiviert, sind also nicht in Funktion. Statt derer haben Bastian Neu und sein Team im Eingang zur analogen Ebene rein analoge Filter eingesetzt, und zwar jeweils eigene für PCM-Signale und DSD-Informationen. Da der Übergang von Digital zu Analog, wie gesagt, auch auf Voltair-Spannungslevel arbeitet, sollen sich durch diese Konfiguration ausgezeichnete Werte ergeben.

Innen geht es trotz der hohen Packungsdichte sehr ordentlich und übersichtlich zu. Unterhalb der zweitstöckigen Platine sieht man eine Fünfer-Reihe der Sieb-Elkos
Innen geht es trotz der hohen Packungsdichte sehr ordentlich und übersichtlich zu. Unterhalb der zweitstöckigen Platine sieht man eine Fünfer-Reihe der Sieb-Elkos


  • Aperion Audio Novus Tower 5

    Aperion was? Audio? Nie gehört. Dies war meine erste Reaktion auf die Anfrage der Redaktion, ob ich Lautsprecher von Aperion Audio aus den USA zum Test haben will. Normalerweise hat man, selbst wenn man das angesprochene Gerät noch nie gesehen hat, zumindest irgendwann, irgendwo etwas davon gehört oder darüber gelesen. Aber diesmal? Fehlanzeige. Tatsächlich existiert Aperion Audio bereits seit 20 Jahren in den USA als Lautsprecherhersteller der unteren Preisklassen. Dass man in Europa bisher nie…
    25.10.2019
  • Nordost QPoint

    Ich schäme mich manchmal dafür, wie wenig wir über Audio wissen, wie wenig wir davon verstehen. Wir fliegen zum Mond, wir bereiten uns auf den Flug zum Mars vor, wir haben ziemlich gute Kenntnisse darüber, wie sich das Universum verändert und was seine Struktur ist, wir haben Tausende von Planeten gefunden, die der Erde ähnlich sind, und wir haben endlich ein schwarzes Loch „gesehen“, aber wir können immer noch nicht verstehen, welche oft negative oder…
    18.10.2019
  • SPL Phonitor xe

    Hersteller von professionellen Audiogeräten haben es traditionell schwer in der HiFi-Szene. Warum weiß ich eigentlich auch nicht so recht, vielleicht, weil keine audiophilen Bauteile verbaut werden und nur das zum Zug kommt, das die Spezifikationen optimal erfüllt. Ohne Guru-Effekt. Die Firma Sound Performance Lab aus Niederkrüchten – der Name könnte von Loriot stammen! – stellt seit 30 Jahren Geräte für den professionellen Bereich, mittlerweile aber auch für die HiFi-Szene her. Einige Inventionen, die im Profibereich…
    15.10.2019
  • AudiophileOptimizer – Teil 2

    Ich habe es in Teil 1 meines Berichts über AudiophileOptimizer bereits angekündigt: Die Klangqualität eines Windows Systems lässt sich noch erheblich steigern, wenn wir auf eine Version von Windows Server als Betriebssystem zurückgreifen. Wir begeben uns jetzt zu den Wurzeln von AudiophileOptimizer. Die Idee von Philipp Hobi, ein Windows Server Betriebssystem anstelle des üblichen Windows Client Betriebssystems zu verwenden, war vor einigen Jahren revolutionär und ist auch heute noch zumindest außergewöhnlich. Die dahinterstehende Überlegung ist…
    11.10.2019
  • AudiophileOptimizer – Teil 1

    Meist dauert es mehrere Wochen, um einen Testbericht zu schreiben, manchmal auch länger – dann wird unser Chefredakteur unruhig. Am Bericht über AudiophileOptimizer, eine Programm-Suite zur Optimierung von Windows-Betriebssystemen für die Musikwiedergabe, habe ich mehrere Monate gearbeitet und unseren Chefredakteur in die Verzweiflung getrieben! Neue Betriebssystem-Versionen und die erst vor kurzem veröffentlichte Version 3.0 von AudiophileOptimizer während des Testzeitraums haben immer wieder zu Verzögerungen geführt. Beta-Versionen wollte ich nicht vorstellen, und alles sollte weitgehend ausgetestet…
    08.10.2019
  • Genuin Audio pearl

    Genuin-Audio-Inhaber Thomas Wendt kommt seinem Ziel, eine komplette Kette seiner Marke anbieten zu können, einen weiteren Schritt näher, und was für einen: Die MM- und MC-kompatible Phonostufe pearl beeindruckt allein schon mit ihrem Netzteil mit einem 250-Watt-Ringkerntrafo und einer Gesamtkapazität von 120.000 Mikrofarad. Bisher umfasst das Portfolio von Genuin Audio den Plattenspieler drive mit Tonarm point und Tonabnehmer sting, den Musik-Server tars, zwei aktive und einen passiven Lautsprecher – neo, ava und pulse –, die…
    04.10.2019
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok Ablehnen