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Astell&Kern SP2000 Ultima

11.02.2020 // Jürgen Saile

Ach ja, ein Feature gibt es noch, das ich bisher bei noch keinem Gerät gesehen habe, nämlich einen verschiebbaren „Zurück“-Knopf. Dieser runde Button am rechten Rand des Displays kann in der Vertikalen an eine beliebige Stelle verschoben werden. Wenn sich einer daran stören sollte, so kann dieser in den Einstellungen auch deaktiviert werden. Kommen wir nun zu wichtigeren Dingen, wie klingt das Ding denn nun? Gehört wurde mit dem Empire Ears Legend X, dem Vision Ears Erlkönig und dem oBravo Cupid. Gespannt, wie ich war, habe ich den erstbesten In-Ear geschnappt, das Gerät einfach eingeschaltet und mich durch verschiedene Titel durchgezappt. Was ich sonst nie mache. Das erste, was einem dabei auffällt, ist die riesige Bühne, verbunden mit einem außergewöhnlich transparenten Klang und hoher Auflösung. Als zweites fällt der natürliche Klang der Instrumente auf, der nicht an HiFi erinnert. Aber der Reihe nach.

Fangen wir wieder mit dem unsymmetrischen Ausgang an, angeschlossen ist der Empire-Ears-Legend-X-In-Ear. Zum Testen fiel mir zunächst das Erroll Garner Trio in die Hände. „Concert By The Sea“, eine alte Monoaufnahme aus dem Jahre 1955, mit einem einfachen Tonband aufgenommen. Die Aufnahmequalität war miserabel, so dass der Produzent bei Columbia das Band noch nachbearbeitet hatte, damit man es überhaupt veröffentlichen konnte. Jetzt werden Sie sich wahrscheinlich fragen, was soll das In einem HiFi-Magazin? Nun ja, ich denke manchmal, Hi-Res kann jeder, aber das hier? Für mich ist dabei neben der hervorragenden Performance der Musiker interessant, was der SP2000 noch aus dieser Aufnahme rausholt. Und das ist einiges! Nicht nur die enorme Spielfreude von Garner, der hier am Piano richtig losbrettert, sondern auch die Interaktion mit dem Publikum wird hier fantastisch wiedergegeben. Und das ist eher selten zu hören, meistens ist das Publikum bei dieser Aufnahme mehr eine Geräuschkulisse im Hintergrund. Auch den riesigen Aufnahmeraum kann man erahnen.

Die Wiedergabe ist sehr klar und neutral, mit exzellenter Auflösung. Man kann beispielsweise deutlich hören, ob eine CD nur mit dem Computer gerippt wurde, oder mit dem „Redaktionsripper“, bestehend aus Melco-Laufwerk, Audioquest-Diamond-Digitalkabel und dBpoweramp. Bei Zupfinstrumenten kann man die Saitenzahl förmlich erahnen, trotzdem erscheint das Instrument nicht körperlos, wie es manchmal bei derartig hochauflösenden Geräten zu hören ist. Fans einer warmen, wohligen und verklärten Wiedergabe – sozusagen der Rosamunde Pilcher unter den DAPs – werden sich mit dem SP2000 vielleicht nicht so anfreunden können. Tja, selbst schuld! Trotzdem bleibt die Wiedergabe immer musikalisch und wirkt niemals trocken oder überanalytisch.

Mit den drei Drucktasten lassen sich „vor“, „zurück“ und „Pause“ auch bei abgeschaltetem Display betätigen. Sofern man spitze Finger hat.
Mit den drei Drucktasten lassen sich „vor“, „zurück“ und „Pause“ auch bei abgeschaltetem Display betätigen. Sofern man spitze Finger hat.

Der Bass ist extrem schnell und kontrolliert, mit hervorragendem Punch. Zudem erhält das Ganze eine enorme Feinzeichnung. Der spezielle Sound und der singende Ton von Alain Carons' Fretless Bass beispielsweise wirkt unheimlich authentisch. Das kann ich ganz gut beurteilen, weil ich dieses Modell bereits selbst gespielt habe. Auch seine Anschlagsdynamik und die eingestreuten Pops sind kein Problem für den SP2000. Ein bassstarker In-Ear, wie der Legend X mit seinen beiden dynamischen Neun-Millimeter-Treibern, profitiert enorm von der Basskontrolle des SP2000. Mit dem Legend X haben so manche DAPs ihre Probleme, den Bassbereich vernünftig wiederzugeben. Vereinfacht ausgedrückt: Die Basswiedergabe über den SP2000 ist die beste, die ich von einem DAP bisher gehört habe. Der Hochtonbereich ist flüssig, sehr luftig und wirkt auch bei schlechteren Aufnahmen niemals lästig. Trotzdem zeigt uns der SP2000 natürlich genau, was alles auf der Aufnahme geboten wird. Obertonreiche Instrumente, wie beispielsweise ein Cembalo, werden mit natürlichen Klangfarben und mit großer Kraft wiedergegeben. Das Instrument sprüht förmlich vor Dynamik. Das natürlich nur, wenn der In-Ear beim Auflösungsvermögen mithalten kann.


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