tests/21-02-23_miyajima
 

Miyajima Laboratory PS-01

23.02.2021 // Carsten Bussler

Nutzte ich hingegen einen zusätzlichen (aktiven) Vorverstärker, musste ich die Pegelsteller der Endstufe „weit zu“ drehen, um an der Vorstufe überhaupt einen sinnvollen Regelbereich zu haben. Elektrisch bedeutete das: Der Vorverstärker verstärkt das Signal, der Lautstärkeregler des Vorverstärkers vernichtet wieder einen Teil davon, die Endstufe verstärkt das Signal wieder, deren kleine Pegelsteller vernichten wieder einen Teil des Signals. Was das für die Klangqualität bedeutet, mag sich jeder selbst ausmalen. Und wer jetzt glaubt, bei der Kombination von Vor- und Endstufen ein und desselben Herstellers sei dieser Effekt dank ach so perfekten elektrischen Abstimmung aufeinander ja per se ausgeschlossen, der irrt!

Eingangsseitig werden die drei Line-Eingänge, die beiden Ausgänge sowie der Record-Ausgang für die meisten Lebenslagen ausreichen
Eingangsseitig werden die drei Line-Eingänge, die beiden Ausgänge sowie der Record-Ausgang für die meisten Lebenslagen ausreichen

Und damit kommen wir endlich zu unserem Probanden, dem passiven Vorverstärker Miyajima Laboratory PS-01 für 520 Euro. Wobei ich den Begriff „passiver Vorverstärker“ sogleich wieder einkassieren möchte: „Passiv“ kann ich nämlich nichts „verstärken“. Der Miyajima PS-01 hat keinen Netzstecker und auch keine aktiv verstärkenden Bauteile, sondern er ist im Grunde nichts anderes als ein Lautstärkepotentiometer in Kombination mit einem Eingangswahlschalter. Das Hochpegelsignal geht in einen der drei Eingänge und das qualitativ hervorragende „blaue“ Poti von Alps schwächt das Signal entsprechend der Stellung des Lautstärkereglers ab oder lässt es bei Rechtsanschlag quasi mit dem Verstärkungsfaktor eins (mehr oder weniger ungehindert) passieren. Das Signal verlässt das Gerät über einen der beiden RCA-Ausgänge in Richtung Endstufe oder über den Record Out Ausgang in Richtung Aufnahmegerät. Das ist alles, es geht also um nicht mehr und nicht weniger als eine simple Signalabschwächung. Doch genau damit könnte der Miyajima PS-01 zum Problemlöser für die eingangs geschilderten, bei der Kombination von Vor- und Endstufen gar nicht einmal so selten auftretenden technischen Schwierigkeiten werden. Das Gerät gibt es übrigens in zwei unterschiedlichen Versionen, die es bei der Bestellung zu beachten gilt: Für die Kombination mit Röhrenverstärkern empfiehlt sich diejenige mit 50-Kiloohm-Poti, für alle anderen Verstärker diejenige mit 10-Kiloohm-Poti.

Im Inneren geht es sehr aufgeräumt zu, außer Kabeln, dem Lautstärkepotentiometer, den Wahlschaltern und den RCA-Buchsen gibt es nichts weiter zu bestaunen
Im Inneren geht es sehr aufgeräumt zu, außer Kabeln, dem Lautstärkepotentiometer, den Wahlschaltern und den RCA-Buchsen gibt es nichts weiter zu bestaunen

Für diesen Test habe ich Miyajimas „Passive Selector with Volume“, wofür das Kürzel „PS“ im Gerätenamen steht, zusammen mit verschiedenen Gerätekombinationen beziehungsweise Geräteketten ausprobiert, genau genommen in drei Varianten. Zuerst schleifte ich das Gerät einfach zwischen meine Audio Note M2 Phono Vorstufe und meine zweistufige Sun Audio Uchida (2A3H) Endstufe. Diese wenig aussichtsreiche Konfiguration wollte ich zumindest der Vollständigkeit halber ausprobieren: Pegelregler von Vor- und Endstufe drehte ich voll auf und die Lautstärke regelte ich lediglich über den nun zusätzlich im Signalweg liegenden Miyajima PS-01. Anwendungstechnisch ist ein zusätzlicher Pegelregler hier natürlich Unfug und tatsächlich verlor das (mir bestens bekannte) Klangbild insgesamt sofort an Grobdynamik und Auflösungsvermögen. Es klang matt und verhangen und daher habe ich diese unsinnige Kombination auch nicht mehr weiter untersucht.

In der zweiten Testvariante ersetzte ich meinen Vorverstärker Audio Note M2 Phono durch eine Audio Note M1 RIAA, also eine reine Phonostufe ohne zusätzlich verstärkende Linestufe, die ich mir für meine Testzwecke geliehen hatte. Das war deutlich besser! Feindynamisch war nun alles im Lot, die Spielfreude wieder da und der zuvor wahrgenommene matte Vorhang beiseite gezogen. Die Musik sprühte wieder vor Spielfreude und auch die Klangfarben kehrten zurück. Nur bei höheren Lautstärken war die Grobdynamik noch nicht ganz wie gewohnt beziehungsweise gewünscht mit vollem Punch bei der Sache. Ich ahnte ja bereits von Anfang an, dass meine Sun Audio Uchida (die mit der 2A3H) mit ihren lediglich zwei Verstärkerstufen, die ich so ja absichtlich für den Betrieb mit einer zusätzlichen aktiven Line-Vorstufe ausgelegt und umgebaut hatte, hierfür verantwortlich war, denn diese entspricht in ihrer Gesamtverstärkung ja nicht mehr ganz einem Vollverstärker. Gut, wenn man weitere Fans der Sun Audio Uchida in seinem Bekanntenkreis weiß und sich mal schnell eine Endstufe dieses Typs in Originalschaltung ausleihen kann…


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