tests/21-09-07_amphion
 

Amphion Argon 7LS

07.09.2021 // Finn Corvin Gallowsky

Hinter dem Abdeckgitter versteckt sich ein Aluminiumtreiber mit Phase-Plug von SEAS
Hinter dem Abdeckgitter versteckt sich ein Aluminiumtreiber mit Phase-Plug von SEAS

Der Zeitpunkt ist gekommen, die Chassis mal so richtig auszulenken. Auch bei sehr hoher Lautstärke treibt „Nightcall“ die Membranen nicht in den Anschlag, von Kompression keine Spur und auch die Stimmwiedergabe lässt sich von dem Radau in den unteren Lagen nicht im Geringsten beeindrucken. Die verfremdete, eher gesprochene Stimme, die in die Mitte des Stereopanoramas gemischt ist, offenbart mehr Details als jemals zuvor. Das leichte Changieren des Stimmeffekts, der eine schwer zu trennende Mischung aus Vocoder, Sawtooth, Flanger und Pitch Shifter ist, wird in beeindruckender Deutlichkeit und Intensität abgebildet. Weiß der Teufel, was Kavinsky im Studio alles zusammengerührt hat, um diesen ikonischen Sound zu erzeugen, aber sicher ist, dass die Amphions kein Detail vermissen lassen. In ihrer robotischen Anmutung krächzt die Stimme mit großer Vehemenz wie aus einem überdimensionierten Telefonhörer durch die Nacht und direkt in meinen Gehörgang. Trotzdem wirkt sie keinesfalls unangenehm oder schneidend, sondern fast intim, ein Attribut, dass ich normalerweise mit einer fast zu weichen, warmen Mittenwiedergabe in Verbindung bringen würde. Davon sind die Amphions weit entfernt. Sie schaffen genau das abzubilden, was die Aufnahme vorgibt – eine unnachgiebige, mit maschineller Beharrlichkeit versehene Vocoderstimme – und erreichen mich dennoch emotional und einfühlsam. Das sollte eigentlich nicht gehen, tut es aber doch. Ein Gänsehautmoment.

Ein Blick ins Gehäuse zeigt, wie ordentlich bei Amphion gearbeitet wird. Sauber versteift, bedämpft und mit Gewindehülsen für die Aufnahme der Schrauben der Passivmembran versehen
Ein Blick ins Gehäuse zeigt, wie ordentlich bei Amphion gearbeitet wird. Sauber versteift, bedämpft und mit Gewindehülsen für die Aufnahme der Schrauben der Passivmembran versehen

Nachdem ich mit diesem Stück die Tiefmitteltöner reichlich gefordert habe, geht es jetzt den Hochtönern an den Kragen. Können sie bei der Dynamik eines Orchesters mithalten, die Instrumente wie erwünscht abbilden und funktioniert ihre tiefe Anbindung bei 1600 Hertz tatsächlich uneingeschränkt und ohne Artefakte jeglicher Art? Auf die Gefahr hin, dass diese Aufnahme bald als die einzige aus dem Klassikbereich gilt, die ich besitze, greife ich erneut zu einer Sinfonie von Johannes Brahms. Doch was soll ich machen, seine Sinfonien gehen mir einfach unter die Haut und die Einspielungen der Berliner Philharmoniker unter Herbert von Karajan umso mehr. Die erste Sinfonie in c-Moll kommt von der gerippten CD mit DDD-Aufnahme von 1987 der Deutschen Grammophon. Der erste Satz könnte dramatischer nicht beginnen und verlangt den Amphions eine Menge ab. Donnernde Pauken, schnelle Wechsel von Melodielinien verschiedener Instrumente und immer wieder starke Crescendi bis zum Fortissimo, sofort gefolgt von Pianissimos. Herrlich, wie die beiden Lautsprecher in hoher Lautstärke mitgehen und einfach anbieten, was die Aufnahme hergibt. Besonders Orchesteraufnahmen profitieren enorm von der bereits oft erwähnten räumlichen Abbildungsqualität der Argons. Die einzelnen Gruppen des Orchesters werden als großer Klangkörper wiedergegeben und nicht nur als etwas groß geratenes Einzelinstrument. Es lässt sich nicht nur erahnen, sondern geradezu erspüren und erleben, wo sich verschiedene Streicher, Bläser oder unterschiedliches Schlagwerk bei der Aufnahme befanden und wo sich die Sitzreihen der verschiedenen Instrumentengruppen in ihrer Anordnung berührten. Es ist, als wäre der gesamte Orchesterraum wie in eine riesige Blase vor mir ins Wohnzimmer teleportiert. Dieses Erlebnis schlägt sich übrigens in ähnlicher Ausprägung, wenn auch mit einer kleineren Blase, in meinem kleinen Hörraum nieder und dies auch, wenn ich leise höre. Es ist also mitnichten nur der positive Einfluss des großen Raumes, sondern eine Qualität der Lautsprecher selbst. Ich kann beim besten Willen keine negativen Einflüsse des Hochtöners feststellen. Die hohen Mitten, welche er mit abdeckt, verfügen über viel Energie und Beweglichkeit, der Hochton ist immer gerade in ausreichendem Maße präsent und der Hochtöner im Minihorn verleiht jedem Instrument genau den Schuss Obertongehalt, die es für einen realitätsnahen Klang benötigt.

Der Titanhochtöner ist von einem Waveguide mit minimaler Hornfunktion eingefasst und klingt in keiner Lebenslage scharf oder angestrengt
Der Titanhochtöner ist von einem Waveguide mit minimaler Hornfunktion eingefasst und klingt in keiner Lebenslage scharf oder angestrengt


  • Wilson Benesch Prime Meridian System

    Der erste, recht lange Artikel über Wilson Beneschs Prime Meridian System beschäftigte sich nur mit der Laufwerkseinheit, bestehend aus OMEGA Drive, ALPHA Drive, dem FrACTal Dämpfungssystem, in dem Motor und Tonarm montiert sind, und dem R1 Rack. Nun geht es neben der Vorstellung des Tonarms und des Abtasters endlich um den Klang des Plattenspielers. Dass der Plattenteller des Prime Meridian Systems von einem Motor mit dem anderthalbfachen Durchmesser einer Langspielplatte und damit vom größten Antrieb,…
    04.03.2026
  • Wilson Benesch Prime Meridian System – eine Annäherung

    Den ersten Plattenspieler von Wilson Benesch beschrieb ich 1996, den zweiten zwei Jahre später. Da sollte es kein großes Ding sein, auch den dritten für einen Test zu bekommen. Dachte ich. War es dann aber doch – aus mehreren Gründen: Er ist ein wirklich großes Ding, wiegt über 350 Kilogramm, und das dazugehörige White Paper umfasst 138 Seiten. Dass das Prime Meridian System, wenn ich mich richtig erinnere, das bisher teuerste Testobjekt in der Geschichte…
    24.02.2026
  • Takumi TT level 2.1DC

    Der Niederländer Rik Stoet, bekannt durch Röhrenverstärker, die unter den Markennamen Heart und Stoet Kit vertrieben wurden, hat eine neue Leidenschaft für sich entdeckt: Die Entwicklung und Herstellung von Plattenspielern. Als mir der Takumi TT level 2.1DC Plattenspieler zum Test angeboten wurde war mein erster Gedanke: Endlich wieder Vinyl, endlich wieder analog. Nicht, dass mir das Testen von digitalen Audiokomponenten zu irgendeiner Zeit langweilig geworden wäre, aber das analoge Hören, der Umgang mit den Schallplatten,…
    17.02.2026
  • Gold Note HP-10 deluxe und PSU-10 Evo

    Der Gold Note HP-10 deluxe Kopfhörer-Verstärker spricht auf den ersten Blick eher den anspruchsvollen Nutzer an. Er bietet vielfältige Möglichkeiten, die in dieser Kombination wohl einzigartig sind. Anders als moderne Alternativen aus Fernost setzt Gold Note auf hochkarätige Analog-Technik. Nutzt der Bedienungskomfort auch der Klangqualität? Die Typenbezeichnung deluxe täuscht. Denn die zwei weiteren, preisgünstigeren Alternativen, der Gold Note HP-10 BT oder der HP-10 ohne jeglichen Zusatz, sind keineswegs weniger luxuriös. Ihnen fehlt nur etwas Ausstattung,…
    10.02.2026
  • Alluxity Int One mkII

    Die Marke Alluxity war mir bisher fremd. Kann passieren. Das änderte sich schlagartig, als der dänische Vollverstärker Int One mkII in meinem Hörraum landete und ich mich ausgiebig mit ihm beschäftigen durfte. Achtung, Spoiler: Man sollte sich die Marke merken. Ich gebe es zu: Ich bin ein Dänemark-Fan. In jungen Jahren habe ich dort regelmäßig zwischen den Dünen am Strand geurlaubt und später dann einige wunderbare Jahreswechsel in gemütlichen Holzhäusern erlebt. Zudem ist mir der…
    27.01.2026
  • Rega Mercury / Solis

    Hifistatement hatte die Möglichkeit, Regas brandneue, im November 2025 erschienene Vor-/Endstufenkombination Mercury/Solis umfassend zu testen. Die Vorstufe hat einen hochwertigen DAC an Bord, die Endstufe liefert circa 300 Watt Ausgangsleistung an vier Ohm Impedanz. Mit diesen Boliden liefert Rega sein Verstärkerstatement! Der Name Rega löst bei mir unmittelbar diverse positive Assoziationen hervor, bislang zugegeben allesamt in der rein analogen Welt der Plattenspieler und Tonabnehmer verortet. So besaß ich unter anderen bereits einen Planar 1 oder…
    20.01.2026

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.