tests/22-04-01_sendy
 

Sendy Audio Apollo

01.04.2022 // Dirk Sommer

Die Transport-Box kennt man schon vom Sendy Audio Aiva und Peacock
Die Transport-Box kennt man schon vom Sendy Audio Aiva und Peacock

Um es Dragonfly und Apollo nicht allzu leicht zu machen, beginne ich nicht mit einer bis zum letzten Dezibel ausgesteuerten Rockproduktion, sondern mit Arild Andersens If You Look Far Enough, das wie alle ECM-Alben einen großen Dynamikumfang und damit auch eine Menge leiserer Passagen aufweist. Beim sich auch im Pegel langsam steigernden „If You Look“ habe ich die Lautstärke zuerst auf etwa 90 Prozent aufgedreht, musste sie aber schon bald zurücknehmen. Aber nicht der recht gute Wirkungsgrad des Apollo ist die zweite Überraschung, sondern der enorme Druck im Bass, hier bei den in der zweiten Hälfte des Stückes einsetzenden Pauken. Im Hochtonbereich gibt sich der Apollo ebenfalls nicht unbedingt zurückhaltend und auch bei Impulsen lässt er nichts anbrennen. Da habe ich gleich mal einen recht stark komprimierten und bei unausgewogenen Ketten oder Kopfhörern schon mal leicht aggressiv klingenden Song Van Morrisons angespielt: Beim Apollo ist erfreulicherweise kein Anflug von Härte oder Rauigkeit zu entdecken. Vor weiteren Einschätzungen der Abstimmung des Einstiegsmodells von Sendy Audio höre ich es aber erst einmal an leistungsstärkeren Kopfhörer/Wandler-Kombinationen.

Als erstes wäre da Chord Electronics' MOJO, der mit einem MacBook Pro verbunden ist, auf dem Audirvana 3.5.46 die Musik-Files von der angeschlossenen USB-Festplatte bereitstellt. Auch wenn das Speichermedium gewiss keine audiophile Lösung ist, kommen die vielfältigen metallischen Perkussionsinstrumente nun deutlich feiner differenziert rüber. Die Pauken erklingen druckvoll und satt, sind aber keinesfalls überbetont. Auch bei Van Morrisons „Whatever Happened To PJ Proby“ macht die MOJO-Apollo-Kombination richtig Spaß: Der Song fließt geschmeidig dahin, ist eingängig, die produktionsbedingt geringen dynamischen Abstufungen stören nicht im geringsten. Da lasse ich auch das nächste Stück noch weiterlaufen. Bei „The Beauty Of The Days Gone By“ gefallen die warmen Klangfarben der opulenten Instrumentierung, die Basslinie rückt aber minimal stärker in den Vordergrund als etwa beim Peacock. Den Apollo hat Sendy Audio mehr in Richtung Genuss als Neutralität abgestimmt: ausgesprochen angenehm, wenn man ihn nicht gerade bei Aufnahmen oder zum Testen von DAC/Kopfhörerverstärker-Kombinatonen verwendet!

Die Größe und die Anordnungen der Löcher in den beiden Abdeckungen definieren den rückwärtigen Widerstand, auf den die Membran arbeitet, und damit den Frequenzgang
Die Größe und die Anordnungen der Löcher in den beiden Abdeckungen definieren den rückwärtigen Widerstand, auf den die Membran arbeitet, und damit den Frequenzgang

Beim Test des Peacock habe ich Keith Jarrett und Jack DeJohnettes Ruta And Daitya: wiederentdeckt. „Overture – Communion“, das Duett von Schlagzeug und einem teils mit einem Wah-Wah verfremdeten, verzerrten Fender Rhodes, ist auch über den Apollo ein Hochgenuss. Die Feinzeichnung der Becken etwa gelingt auch beim kleinen Sendy Audio richtig gut – auch wenn ich mich zu erinnern glaube, dass da beim dreifach teureren Peacock noch ein wenig mehr geht. Das bestätigt dann auch ein kurzer Vergleich. Dennoch: Der Apollo überzeugt auch hier auf ganzer Linie. Jetzt wird der Kopfhörer wieder mit Chord Electronics' HUGO 2, samt 2go mit seiner 512-Gigabyte-microSD-Karte verbunden. An dieser mobilen Streamer/Wandler/Kopfhörerverstärker-Kombination hatte sich der Apollo auch schon einige Tage lang eingespielt, bevor ich ihn das erste Mal hörte. Und daran fühlt er sich hörbar noch deutlich wohler als am MOJO: Weil es so schön war, steht noch einmal „Overture – Communion“ vom Album Ruta And Daitya auf dem Programm. Der inzwischen wieder vertraute Titel macht schnell deutlich, dass der Apollo in Sachen Auflösung, Offenheit und Feinzeichnung noch mehr zu bieten hat, als er am MOJO zeigen konnte. Vom HUGO angetrieben erreicht der Klang des Apollo in etwa das Niveau, auf dem sich der Peacock in Kombination mit dem MOJO bewegte. Der Apollo reagiert recht sensibel auf die Qualität seiner Zuspieler.

Üblicherweise müsste er nun in Verbindung mit dem symmetrischen Ausgang des Phonitor x zeigen, was er mit allerbester Elektronik zu bieten hat, aber ein Pentaconn-auf-4er-XLR-Stecker gehört leider nicht zum Lieferumfang des Apollo. Den entsprechenden Adapter und das Kabel des Peacock sowie ein zweites habe ich umgelötet, so dass ich nun ein Kabel mit 6,3-Millimeter-Klinke und eines mit 4-pol XLR-Stecker zur Verfügung habe. Die beiden passen aber nicht zu den Anschlüssen des Apollo: Wie beim Aiva befinden sich hier 3,5-Millimeter-Klinkenbuchsen den Gehäusen. Wenn ich den Apollo symmetrisch ansteuern möchte, komme ich mit dem Phonitor also nicht weiter. Glücklicherweise steht noch der Ferrum ERCO im Hörraum, über dessen symmetrischen Pentoconn-Ausgang ich mich im Test ein wenig mokiert habe – zu Unrecht, wie ich nun eingestehen muss. Denn Dank seiner kann ich nun auch den Apollo an sehr hochwertiger – symmetrischer – Verstärkung hören. Der ERCO wird dabei von einem Ferrum HYPSOS mit Strom versorgt und über ein Audioquest WEL Signature vom SPDIF-Ausgang des Aries G2.1 mit Daten versorgt – ein extrem hochwertiges Umfeld für Sendy Audios Einstiegsmodell. Und das weiß es wirklich zu schätzen: Das Schlagzeug und das verstärkte E-Piano umgibt nun eine Menge Luft. Der musikalische Fluß und die packende Rhythmik begeistern gleichermaßen. Spätestens beim dritten Stück dieses hervorragenden Albums fällt es enorm schwer, sich auf irgendwelche Hifi-Kritierien zu konzentrieren. Aber das liegt nicht allein an den klanglichen Meriten von Apollo und ERCO. Auch die geringe Andruck der weichen Ohrmuscheln und das – für einen Magnetostaten – geringe Gewicht tragen ihren Teil zum Wohlbefinden bei. Mich hat der Apollo schon jetzt völlig für sich eingenommen.


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