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Sendy Audio Apollo

01.04.2022 // Dirk Sommer

Seit einiger Zeit präferiere ich magnetostatische Kopfhörer, deren große Membranen Bässe fast körperlich erfahrbar machen. Erst war es der spektakuläre Sound amerikanischer Prägung, doch dann entdeckte ich im letzten Jahr Sendy Audios tonal ausgewogene Schallwandler. Nun stellen die Chinesischen Kopfhörerspezialisten ein neues Einstiegsmodell vor.

Der Apollo ist mit einem Preis von 550 Euro noch knapp 20 Prozent günstiger als der Aiva, verfügt aber schon über die „Quad-Former Technology“, die bisher dem Topmodell Peacock vorbehalten war. Wie bei allen Magnetostaten bewegt sich auch beim Apollo eine mit Leiterbahnen, die der Schwingspule in Lautsprecherchassis entsprechen, bedruckte Membran zwischen zwei Magnet-Anordnungen. Bei der „Quad-Former Technology“ gibt es auf der Membran aber mehr als eine Spule: Auf jeder Seite der Membran sind zwei Spulen aufgebracht, wobei die beiden Spulen einer Seite die Fläche besser abdecken sollen, als das mit einer möglich wäre. Dadurch wird eine möglichst gleichförmige Bewegung der Membran auf der gesamten Fläche erreicht. Das Kompositmaterial der Membran weist laut Produktinformation besonders im Stimmbereich eine hohe innere Dämpfung auf und ermögliche eine tiefe Basswiedergabe. Dank des ultra dünnen und festen Basismaterials, das für die Hochtonwiedergabe entscheidend sei, soll sich der Frequenzgang bis 40 Kilohertz ausdehnen. Während die Treiber beim Aiva und Peacock in einen Gehäuse aus Flugzeug-Aluminium und Zebranoholz montiert sind, erwähnt Sendy Audio bei der Beschreibung des Apollo lediglich Rosenholz als Gehäusematerial. Das wurde natürlich auch hier mit einer CNC-Maschine in Form gebracht, geschliffen und poliert und anschließend mit hochglänzendem Klarlack versiegelt.

Bei der patentierten Quad-Former Technology befinden sich auf jeder Seite der Membran zwei Spulen, um die Membran über ihre gesamte Fläche gleichmäßig zum Schwingen anzuregen
Bei der patentierten Quad-Former Technology befinden sich auf jeder Seite der Membran zwei Spulen, um die Membran über ihre gesamte Fläche gleichmäßig zum Schwingen anzuregen

Der akustischen Feinabstimmung des Treibers dienen die beiden silbernen und schwarzen durchbrochenen Stahlgitter, die den Holzring nach außen abschließen und der Membranbewegung einen definierten Widerstand entgegensetzen. Auch hier orientiert sich der Apollo eher am Peacock als am Aiva. Das Design der beiden Gitter soll Assoziationen an die Sonne wecken, weswegen der Kopfhörer nach dem dafür zuständigen lateinischen Gott benannt wurde. Das Kopfband des Apollo ist aus Ziegenleder gefertigt. Die schüsselförmigen Ohrpolster hingegen sind mit einem Material mit hohem Proteinanteil umgebenen. Die Form sorgt dafür, dass auch große Ohren völlig umschlossen werden, obwohl die Treiber des Apollo nur einen Durchmesser von 68 Millimetern besitzen. Zu Orientierung: Beim Peacock sind es 88 Millimeter. Das rund zwei Meter lange Anschlusskabel besteht aus 6N-OCC-Kupfer und endet auf der einen Seite in einem 4,4-Millimeter-Pentaconn-Stecker, auf der anderen in zwei 3,5-Millimeter-Klinkensteckern. Auch wenn es nur ein nebensächliches Detail ist: Mir gefällt es, dass die Steckergehäuse in schlichtem Schwarz gehalten sind. Beim Aiva waren die silbernen Stecker noch mit schwarzen Linien dekoriert. Ja, grundsätzlich wünschte ich mir von allen Modelle einen schlichteren, am besten tiefschwarzen Auftritt: So machten die Sendy Audios auch bei Anwendungen im professionellen Umfeld ein gute Figur.

Der Treiber des Apollo hat einen Durchmesser von 68 Millimetern. Die abnehmbarem, schüsselförmigen Ohrpolster sorgen dafür, dass er auch auf größeren Ohren bequem sitzt
Der Treiber des Apollo hat einen Durchmesser von 68 Millimetern. Die abnehmbarem, schüsselförmigen Ohrpolster sorgen dafür, dass er auch auf größeren Ohren bequem sitzt

Aber wenn der Apollo etwa in Sachen Wirkungsgrad anders als beispielsweise der fantastische, aber enorm leistungshungrige Dan Clark Audio Stealth keine Auffälligkeiten zeigt, braucht er sich nicht mit Mischpulten oder mehrkanaligen, digitalen Aufnahmegerätschaften abzugeben. Sein erster Partner ist Audioquests Dragonfly Cobalt, wirklich kein Leistungswunder, bezieht er er sein Energie doch aus dem angeschlossenen Datenlieferanten, in diesem Falle einem iPhone 13 Pro, auf dem die Onkyo-HF-PLayer-App die Musikdaten verwaltet. Den Anschluss des Apollo an den Cobalt ermöglich der zum Lieferumfang des Kopfhörers gehörende Pentaconn-auf-3,5-Millimeter-Stereoklinke-Adapter. Die erste Überraschung erlebe ich, als ich den Apollo aufsetze: Die großen Polster liegen so angenehm am Kopf, dass selbst das Tragen einer Brille komfortabel möglich ist. Das Kopfband übt nur einen minimalen Druck aus: Der Apollo ist der leichteste Magnetostat, den ich gehört habe. Sein Gewicht liegt unter 400 Gramm und damit auch unter dem des Stealth.


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