tests/22-05-06_ansuz
 
Test.
Deutsch English|

Ansuz Sortz

06.05.2022 // Roland Dietl

Allen drei Versionen ist wieder gemeinsam, dass sie einer kryogenen Behandlung unterzogen werden, um die Leitfähigkeit zu erhöhen. Bei der kryogenen Bearbeitung von Metallkomponenten werden diese extremen Kühltemperaturen von etwa minus 196 Grad Celsius ausgesetzt. Dabei zieht sich die Kristallstruktur des Metalls mehr und mehr zusammen. Legierungselemente werden aus dem Korngefüge des Metalls verdrängt, das dadurch einem Monokristall sehr ähnlich wird. Diese strukturellen Veränderungen des Metalls haben laut Hersteller messbare Auswirkungen auf seine Audioeigenschaften und führen zu einer Erhöhung der Leitfähigkeit um sechs bis acht Prozent.

Die Sortz wird es in den Konfigurationen RCA, BNC und XLR sowie USB und LAN geben. Ich beschäftige mich im Folgenden mit den RCA-Versionen. Obwohl ich für den Hörtest anfangs noch die exzellenten Lautsprecher Raidho TD1.2 zur Verfügung habe, rechne ich nur mit marginalen Änderungen mit und ohne Sortz und mit noch geringeren Unterschieden zwischen den verschiedenen Sortz-Modellen. Deshalb konzentriere ich mich zunächst auf zwei mir bestens bekannte Stücke. Das ist erstens die herrlich lebendige Aufführung der „Simple Symphony“ von Benjamin Britten in der exzellenten Einspielung mit den TrondheimSolistene. Die Aufnahme ist in einer Kirche aufgenommen und liegt mir im ursprünglichen Format mit 352,8 Kilohertz vor (The Nordic Sound - 2L audiophile reference recordings). Von der ersten Note an besticht die Aufnahme durch ihre große räumliche Tiefe, und der minimale Nachhall der Kirche trägt entscheidend zu den vollen runden Klangfarben bei. Der Streicherklang ist zu jeder Zeit außerordentlich samt und luftig. Übrigens, damit keine Missverständnisse aufkommen: Lassen Sie sich von dem Wort „Simple“ im Titel nicht täuschen. Das Stück ist, was die Anforderungen an die individuelle Technik der Spieler angeht, nicht gerade „einfach“, ganz zu schweigen von der Präzision, welche die vier verschiedenen Sätze im Zusammenspiel untereinander erfordern. Über mein zweites Teststück „Temptation“ aus dem Album The Girl in the Other Room von Diana Krall muss man keine Worte mehr verlieren.

Ein Sortz im praktischen Einsatz
Ein Sortz im praktischen Einsatz

Ich beginne mit dem Sortz Basic, von dem ich je ein Exemplar an einen ungenutzten linken und rechten Line-Eingang meiner Doppel-Mono-Vorstufe von Erno Borbely einstecke. Die absolute Tiefe der Abbildung unterscheidet sich mit den Sortz Basic jetzt nicht wesentlich, aber in der Breite ist die Bühne ausgedehnter. Ohne Sortz Basic ist jedes Instrument mit einem gewissen Raum umgeben, der im direkten Vergleich eher unnatürlich auf mich wirkt. Mit den Sortz Basic sind die einzelnen Instrumente hinsichtlich ihrer Größe und Platzierung im Ensemble erheblich klarer fokussiert. Die feinen Details der Aufnahmen, wie das filigrane Pizzicato der einzelnen Streichergruppen oder der leichte Nachhall der Kirche, werden besser hörbar. Der samtige Klang der Streicher mag vielleicht nicht mehr ganz so spektakulär sein, ist für meinen Geschmack aber wesentlich natürlicher und die Luftigkeit bleibt erhalten. Gerade bei menschlichen Stimmen ist diese Natürlichkeit besonders ausgeprägt zu hören. Diana Krall „steht“ jetzt bei „Temptation“ wesentlich klarer umrissen und doch völlig losgelöst von den Lautsprechern im Raum. Damit werden nicht nur die Sängerin, sondern auch die Begleitinstrumente deutlich greifbarer. Jeder Klavieranschlag steckt jetzt voller Mikro-Informationen und feinste Details in der räumlichen Platzierung der einzelnen Instrumente werden besser freigelegt. Unabhängig von der jeweiligen Musikrichtung oder Aufnahme wird die Musik mit den Sortz Basic natürlicher und ruhiger, aber die Wiedergabe wirkt auf mich auch einen Ticken weniger dynamisch und direkt, etwas weniger eindringlich und energiegeladen. Ich umschreibe das mal mit vornehmer Zurückhaltung.

Und genau damit ist es beim Wechsel auf den Sortz Supreme vorbei – der Klang wird insgesamt kräftiger, voller und dynamischer. Besonders gut ist das bei „Temptation“ zu hören. Diana Krall hat jetzt noch mehr Volumen in ihrer Stimme. Und noch etwas ändert sich: Der Bass wird kräftiger und die Musik dadurch ausdrucksstärker. In diesem Bereich hätte ich eine Verbesserung durch den Sortz Supreme am allerwenigsten erwartetet. Bei der Simple Symphony scheinen mir die Streicher in den obersten Tonlagen einen Tick dunkler, aber auch hier mit insgesamt mehr Volumen. Der Sortz Signature dürfte für viele die perfekte Symbiose aus Sortz Basic und Sortz Supreme zu sein. Ein Teil des kraftvollen Klangs des Sortz Supreme verbindet sich nun mit dem ausgeglichenen und vornehmen Charakter des Sortz Basic. Für mich besteht kein Zweifel: der Sortz Signature bietet den insgesamt ausgewogensten Klang. Ich persönlich kann aber auch mit dem Sortz Supreme sehr gut leben, der mit seiner großen Ausdrucksstärke der Musikwiedergabe mehr Emotionalität verleiht ohne Abstriche bei der Räumlichkeit hinnehmen zu müssen.


  • darTZeel Audio CTH-8550 Mk II

    darTZeel ist ein Schweizer Unternehmen, das 2001 in Genf von Hervé Delétraz gegründet wurde. Der Name ist ein Anagramm des Nachnamens Delétraz. Die Arbeit an den ersten Geräten begann bereits 1984 im Rahmen einer Diplomarbeit, und nach 18 Jahren Forschung wurde 2002 der Leistungsverstärker NHB-108 offiziell vorgestellt. Es gibt Marken, auf die man viele Jahre warten muss, aber man wartet trotzdem weiter. So war es für mich bei der Marke darTZeel. Zufällig traf ich ihren…
    13.10.2026
  • IsoAcoustics GAIA Neo I

    Erinnern Sie sich noch? Es ist bereits eine ganze Weile her, da haben Hifi-Fans ihre Lautsprecher auf Tennisbälle gestellt, um einen besseren Klang aus ihnen herauszukitzeln. Oder sie haben abenteuerliche Selfmade-Konstruktionen gebastelt, auf denen die vielleicht nicht ganz highendigen Schallwandler platziert wurden. Das ist lange her und in der Zwischenzeit hat sich in Sachen Lautsprecher-Füße einiges getan. Es gibt eine große Zahl an Herstellern, die Basen, Spikes oder Ständer mit unterschiedlichen Konzepten und Materialien produzieren,…
    09.10.2026
  • Ferrum BROEN

    Auf der High End 2025 ließ man bei Ferrum durchblicken, dass an einem Streamer gearbeitet wird. Die Ferrum Streaming Control Technology, mit der die Musikwiedergabe mittels der Fernbedienung Ferrums DAC WANDLA steuerbar ist, war bereits eine Vorbereitung auf den Streamer und das Schaffen eines gesamten Ferrum-Ökosystems. Im Oktober 2025, wenige Monate nach der High End letzten Jahres waren auf der Audio Video Show in Warschau dann bereits erste BROEN Vorserienmodelle in Betrieb. Auf der diesjährige…
    06.10.2026
  • Linear Tube Audio Century

    Century heißen die Röhren-Mono-Endverstärker von Linear Tube Audio, die ohne Ausgangsübertrager auskommen und sich dennoch grundlegend von anderen OTL-Konzepten unterscheiden. Wir haben uns intensiv damit beschäftigt, was die patentierte ZOTL-Technologie des Entwicklers so besonders macht und wie sie sich klanglich auswirkt. Für diesen Test haben Dirk Sommer und ich uns eine Arbeitsteilung vorgenommen, bei der ich (Carsten Bussler) mich auf die Technik der Century-Monos sowie die Hintergründe zu Linear Tube Audio und die Zusammenarbeit mit…
    29.09.2026
  • Final Tonalite

    Finals Tonalite ist nicht nur ein neuer In-Ear, sondern macht gleichzeitig Finals Timbreanpassung jedem Nutzer mittels einer App zugänglich. Seit der noch etwas kryptischen Ankündigung dieser Technologie auf der High End 2022 habe ich Ihnen über den Entwicklungsprozess berichtet. Das fertige Produkt halte ich persönlich für einen Meilenstein. Tonalite ist eine grundlegende Neuentwicklung mit neuem Formfaktor und neuer Technik. Die Tonalite In-Ears verfügen über eine eher ovale Form, in der die gesamte Elektronik untergebracht ist.…
    25.09.2026
  • Ortofon MC Vertex

    Die bisherigen Topmodelle von Ortofon, das Anna, das Anna Diamond und das Diamond, ähnelten einander auch optisch stark. Das Vertex macht schon durch sein Erscheinungsbild klar, dass es anders ist. Es ist der erste Tonabnehmer mit einem Diamanten mit Vertex-Schliff. Soweit mir bekannt, ist das der erste neue Nadelschliff seit rund 40 Jahren. Aber das ist nicht die einzige Veränderung gegenüber dem MC Diamond: Der Generator des Vertex besitzt einen deutlich höheren Innenwiderstand, die Nadelnachgiebigkeit…
    15.09.2026

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.