tests/22-06-21_bergmann
 

Bergmann Audio Modi und Thor

21.06.2022 // Wolfgang Kemper

Modi und Thor kommen nicht allein daher. Ich bat den deutschen Importeur Werner Obst um eine passende Ergänzung mit einem Tonabnehmer aus seinem Vertriebs-Portfolio und einem angemessenen Phono-Kabel mit Tonarm-seitigem DIN-Stecker und Cinch andererseits so, wie es der Thor und mein Plinius Koru Phonovorverstärker benötigen. Werner Obst legte dem Testgerät also ein Expression Phono von Kubala Sosna bei, das sich in der Typenhirarchie der amerikanischen Kabelmanufaktur im Mittelfeld bewegt und laut Werner Obst tonal sehr neutral klinge wie alle Kabel von Joe Kubala. Es zeichne im Auflösungsvermögen nicht so analytisch wie andere Modelle, aber sicher feinzeichnend genug, um die Fähigkeiten des japanischen Tonabnehmers Takumi L von Miyajima Laboratory gänzlich und adäquat zur Geltung zu bringen. Eine technische Besonderheit dieses Tonabnehmers, dessen Gehäuse aus afrikanischem Schwarzholz gefertigt ist, ist die sogenannte Cross Ring-Methode. Die besondere Spulen-Wickeltechnik ist bei den Tonabnehmern von Noriyuki Miyajima mit einer sich von üblichen MCs unterscheidenden Mechanik verbunden. Hier zentriert kein Spanndraht sondern eine spitzte Justierschraube den Spulenträger von hinten und hält ihn so optimal im Magnetfeld ohne seine Drehbewegung zu behindern. Entscheidend ist bei dieser Konstruktion, dass der Gummidämpfer sich vor dem Spulenträger befindet. Die Stärke des Takumi L Tonabnehmers für 2800 Euro sieht Werner Obst in dessen musikalischem Fluss und seiner ausgewogenen Tonalität, die nicht verschleiert und auch nicht überinterpretiert. Er beschreibt es als nicht überanalytisch oder gar als bis ins letzte Detail sezierend, dennoch als die Musik fein zeichnend und exakt, anders gesagt: ohne Anstrengung zu genießen ohne musikalische Inhalte zu vertuschen. So habe ich es also mit einem Gesamtpaket zu tun, in dem Modi und Thor wesentlich die Musik gestalten, jedoch nicht allein und das vom deutschen Importeur WOD so als stimmiges Ganzes und insgesamt als Empfehlung gesehen wird. Ich lasse mich gern darauf ein.

Der Kompressor ist aufwändig gefertigt und erledigt seine Aufgabe dezent und praktisch unhörbar
Der Kompressor ist aufwändig gefertigt und erledigt seine Aufgabe dezent und praktisch unhörbar

Mit Spannung erwarte ich die Lieferung per Spediteur. Eigentlich wollte Werner Obst persönlich den Plattenspieler bei mir aufbauen, auch weil das Luftlager-Konzept eine besondere Vorgehensweise fordert. So ist es wichtig, viele Einstellungen mit eingeschalteter Luftunterstützung durchzuführen, weil sonst ungewollte Reibung einer präzisen Justage entgegensteht. Das ist aber auch irgendwie klar, und so schickte Werner Obst mir das Gerät, damit ich nicht noch länger auf das begehrte Testobjekt warten musste, denn sein Terminkalender war vor der Highend ebenso prall gefüllt wie danach. Im Ergebnis freue ich mich, dass ich so die Gelegenheit hatte, mich diesem wunderbar verarbeiteten, schlicht schönen Plattenspieler langsam zu nähern. Öffnet man den Karton, liegt es nahe, ihm erst einmal den obligatorischen Luftgenerator zu entnehmen, ein stattliches Gerät, vor dem ich deshalb einige Angst hatte, weil ich fürchtete, es würde doch ein wenig störendes Geräusch im Hörraum erzeugen. Nichts da: Der Kompressor ist nur zu hören, wenn ich direkt am Gehäuse lausche, und das ist schon zu Beginn eine richtig erfreuliche Feststellung. Das im Vergleich zum Modi Plattenspieler mächtig anmutende Aggregat bietet äußerlich folgende Anschlüsse: eine Kaltgerätebuchse für den Stromanschluss mit einem harten Netzschalter, mit dem man bei längerem Nichtbenutzen das Gerät ausschalten sollte. Im Alltag wird über eine vierpolige Steuerleitung die Luftversorgung am Plattenspieler selbst bedient. Im Falle des Modi mit dem Thor Tonarm soll der Kipp-Wahlschalter auf „high“ und nicht auf „low“ stehen, weil zwei Luftkissen generiert werden sollen: für das Tellerlager und für den Tangential-Tonarm. Zwei transparente Kunststoffschläuche dienen der Luftzufuhr und werden jeweils an blau eloxierten Metall-Anschlüssen hermetisch befestigt. Allein dieses Anschließen machte mir Spaß, weil die Haptik Solidität spüren lässt und man die Liebe zum Detail spürt. Angesaugt wird die Luft über ein deutlich sichtbares weißes Filter, das nach Abziehen kinderleicht ausgetauscht werden kann, wenn es dann irgendwann nötig sein sollte. Vom Aufbau des Luftgenerators gibt das Foto Aufschluss. Hier sind die wenigen Teile zu finden, die Johnnie Bergmann zukauft und nicht selber in Hobro anfertigt.

Über den blauen Anschlüssen für die Luftschläuche befinden sich die versenkten Steller zur Feinjustage für den Luftdruck, getrennt für Laufwerk und Tonarm
Über den blauen Anschlüssen für die Luftschläuche befinden sich die versenkten Steller zur Feinjustage für den Luftdruck, getrennt für Laufwerk und Tonarm

Der Modi selber ist wunderbar schlicht gehalten; er steht auf drei massiven Aluminium-Füßen, einem hinten und zweien vorne. Diese sind durch Drehen in der Höhe verstellbar, und als erstes gehört der Modi genau ausgerichtet. Das Gehäuse aus einem per CNC-Maschine gefertigten Komposit-Material verspricht eine hohe innere Dämpfung. Die schwarze, samtige Oberfläche empfinde ich als sehr berührungssympathisch und zeigt sich extrem unempfindlich hinsichtlich Fingerabdrücken. Vier Bedienelemente vorn rechts neben dem Plattenteller dienen der Laufwerksteuerung und den Luftkissen. Zwei Taster, einer für 33 und einer für 45 Umdrehungen pro Minute, starten nach kurzem Betätigen zuerst die Luftzufuhr. Beim zweiten Antippen setzt sich der Riemenantrieb gewollt langsam in Bewegung. Es dauert ein kurzes Weilchen, bis der 7,5 Kilogramm schwere, massive Teller die Nenndrehzahl erreicht hat. Der Riemen ist relativ wenig straff gespannt und läuft am unteren Rand des Tellers so gut wie unsichtbar, weil das Chassis ausgefräst ist und der untere Tellerrand in dieser Senke verschwindet. Optisch ist dies deshalb ansprechend, weil es die Schlichtheit des Modi unterstreicht. Den Riemen sieht man nur rechts vom Teller, wo er wenige Zentimeter entfernt den Metall-Pulley umläuft. Der DC-Motor selber ist mit Moosgummi vom Chassis entkoppelt. Oberhalb der beiden Start/Stop-Tasten für Luft und Antrieb erlauben zwei deutlich kleinere Tasten das Verringern oder Erhöhen der Umdrehungsgeschwindigkeit in sehr feinen Schritten. Dazu benötigt man eine Stroboskopscheibe, die nicht zum Lieferumfang gehört oder ein sensibles Ohr.


  • Ortofon MC Vertex

    Die bisherigen Topmodelle von Ortofon, das Anna, das Anna Diamond und das Diamond, ähnelten einander auch optisch stark. Das Vertex macht schon durch sein Erscheinungsbild klar, dass es anders ist. Es ist der erste Tonabnehmer mit einem Diamanten mit Vertex-Schliff. Soweit mir bekannt, ist das der erste neue Nadelschliff seit rund 40 Jahren. Aber das ist nicht die einzige Veränderung gegenüber dem MC Diamond: Der Generator des Vertex besitzt einen deutlich höheren Innenwiderstand, die Nadelnachgiebigkeit…
    15.09.2006
  • Phonar Veritas M4.2 SE

    Es hat mir bislang stets Vergnügen bereitet, mich mit Phonar Lautsprechern zu beschäftigen. Nach einem Test kaufte ich die Veritas 9.2 SE und genieße seitdem ihre Musikalität. Phonar überzeugte immer wieder mit einem außergewöhnlich attraktiven Preis-Klang-Verhältnis. Bestätigt die neue, kompakte Phonar Veritas M4.2 SE diese Erfahrungen? Mein eindrucksvollstes Phonar-Erlebnis hatte ich vor zwei Jahren mit der Standbox Veritas p4.2 Next, die aktuell für einen Paarpreis von 2400 Euro auf der Phonar-Website zu sehen ist. Genau…
    08.09.2026
  • Ayon Iris Signature Streamer

    Auf der High End Vienna haben Dirk Sommer und ich den Ayon Iris erstmals entdeckt – nun steht der außergewöhnliche Streaming-Player bei uns bereits zum Test. So frisch ist der Iris, dass selbst die Roon-Zertifizierung zum Testzeitpunkt noch läuft. Brandneu, doch der Iris kommt keineswegs aus dem Nichts: Wer die Entwicklung der digitalen Ayon-Komponenten verfolgt hat, erkennt eine kontinuierliche Beschäftigung mit dem Thema Streaming. Auch wir konnten diesen Weg begleiten – nach dem S3 und…
    01.09.2026
  • Sumiko Starling

    Mein letzter Test eines Tonabnehmersystems befasste sich mit dem Sumiko Oriole. Nun drehen sich für diesen Test meine Schallplatten unter dem Sumiko Starling, dem teuersten System aus der Sumiko Referenz Serie. Nachdem ich überaus positiv überrascht vom Test des Oriole war und dies Peter Laitenberger vom deutschen ATR Vertrieb mitteilte, empfahl mir dieser mir doch einmal das Sumiko Starling anzuhören. Gesagt, getan und bereits wenige Tage später kam das kleine Päckchen mit dem Starling zu…
    28.08.2026
  • Ayon Spark V

    Der Röhrenvollverstärker Spark ist mittlerweile seit über 20 Jahren ein fester Bestandteil des Produktportfolios von Ayon. Preislich eher im Einstiegssegment der Österreicher und nominell unterhalb der Evolution-Serie angesiedelt, hat dieses Gerät aufgrund der eingesetzten russischen Triode 6C33 das Potenzial zum Hidden Champion. Spätestens seit meinem Test des Boliden Ayon Crossfire Evo maße ich mir an, ein Kenner der Marke Ayon zu sein, zumal mir diverse andere Geräte der Marke im Laufe der Jahre zu Gehör…
    25.08.2026
  • Eversolo T10

    Eversolos Streamer DMP-A10 beeindruckte mit seinem hervorragenden Preis/Leistungsverhältnis und seiner prallen Ausstattungsfülle. Aber in meiner Kette im Wohnzimmer mit M-Scaler und HUGO 2 arbeitet er nur als reiner Datenlieferant. Kann das Eversolos neuer Streaming Transport T10 noch besser? Zumindest nach dem ersten Blick auf das rückseitige Anschlussfeld darf man das vermuten, denn dort befinden sich wie beim Eversolo DAC-Z10 zwei BNC-Anschlüsse für die Verbindung mit einer externen Clock, entweder mit einer Impedanz von 75 oder…
    21.08.2026

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.