tests/22-09-09_vdh
 

van den Hul Crimson XGW Stradivarius

09.09.2022 // Dirk Sommer

Nach acht Jahren höre ich endlich wieder ein neues Tonabnehmersystem Aalt van den Huls. Das trägt zwar auch den Namen „Crimson“, aber mit dem Zusatz „Stradivarius“. Zudem werden alle größeren vdH-Systeme vom niederländischen Analogspezialisten selbst per Hand gebaut, und der kommuniziert nicht gleich jede seiner vielen den Klang verbessernden Ideen.

Für den damaligen Test hatte ich gerade ein Crimson eingespielt, als mir Aalt van den Hul eine modifizierte Version mit dünnerem Spulendraht und einer verbesserten Dämpfung zusandte. Sie brauchen nicht zu glauben, dass sich die Veränderungen in der Modellbezeichnung niederschlugen. Auch bei einem Prototyp – einer der ersten Abtaster mit einem rudimentären Holzgehäuse –, den ich nach einem Firmenbesuch erhielt, forderte mich der kreative Kopf aus Epe innerhalb von acht Monaten zweimal auf, diesen zurückzuschicken, da er beim Nachdenken noch weiteres Verbesserungspotential entdeckt habe. Dass sich auch ohne erkennbare äußerliche Hinweise beständig etwas tut, kann ich beim aktuellen Exemplar des Crimson XGW Stradivarius unter anderem daran erkennen, dass sich die individuellen technischen Angaben im Deckel des Holzkistchens doch an einigen Stellen von denen unterscheiden, die mir Stefan Becker, Inhaber des BT- und damit des deutschen vdH-Vertriebs, mitteilte. Generell wird die Ausgangsspannung mit 0,65 Millivolt bei einer Schnelle von fünf Zentimetern pro Sekunde angegeben. Beim Testexemplar werden jedoch lediglich 0,35 Millivolt genannt. Die empfohlene Abschlussimpedanz liegt bei 25 bis 200 Ohm, bei „meinem“ Stradivarius hingegen bei 10 bis 600 Ohm. Betrachtet man die unteren Werte und die Ausgangsspannungen, darf man vermuten, dass Aalt van den Hul beim aktuellen Modell weniger Golddraht auf den kreuzförmigem Spulenträger gewickelt hat als üblich. In diesem Fall würde auch der Gleichstromwiderstand der Spule geringer sein als die in den allgemeinen technischen Daten aufgeführten 13 Ohm. Aber das ist Spekulation.

Auf den kreuzförmigen Spulenträger sind wenige Wiklungen aufgebracht: Die Ausgangsspannung liegt mit 0,35 Millivolt dennoch im grünen Bereich, und die bewegte Masse ist dadurch recht gering
Auf den kreuzförmigen Spulenträger sind wenige Wiklungen aufgebracht: Die Ausgangsspannung liegt mit 0,35 Millivolt dennoch im grünen Bereich, und die bewegte Masse ist dadurch recht gering

An Fakten haben wir, dass das Stradivarius den erwähnen kreuzförmigem Spulenträger (X) besitzt, für die Spulen Golddraht (G) verwendet wird, und der Generator in einem offenen Holzgehäuse (W) montiert ist. Ein Joch konzentriert die Energie des Somarium-Kobalt-Magnet auf den Bereich, in dem sich die Spulen bewegen. Die Bewegungen des Boron-Nadelträgers dämpft ein zweilagiges Gummi. Der Nadelschliff ist ein vdH 1S. Beim Stradivarius wurde der Holzkörper mit speziellem Lack behandelt, der in mehreren Schichten aufgetragen wird und zwischendurch immer wieder einige Tage trocknen muss. Für das Crimson wird eine effektive Tonarmmasse von zehn bis 16 Gramm empfohlen, für das Testexemplar sind es acht bis 14 Gramm. Wie dem auch sei: Diese Empfehlung schränkt meine Tonarmwahl stark ein: Einsteins The Tonearm besitzt selbst in der Neun-Zoll-Variante 18,5 Gramm effektive Masse, Thales gibt für den Simplicity II sogar – für mich schwer vorstellbare – 19 Gramm an, Helmut Thiele bescheinigt seinem TA01 14 Gramm und beim Ortofon 309 aus Edelstahl brauche ich den Wert erst gar nicht nachzuschauen. Da ich dem Crimson Stradivarius einen SME V – außer für die in Kürze folgenden herunterladbaren Songs in der Klangbibliothek – nicht zumuten möchte, greife ich schließlich zum AMG 12JT mit 12,2 Gramm.

Die Bewegungen des Spulenträgers werden von einem zweilagigen Gummi bedämpft
Die Bewegungen des Spulenträgers werden von einem zweilagigen Gummi bedämpft


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