tests/22-10-11_antipodes
 

Antipodes Audio Oladra

11.10.2022 // Wolfgang Kemper

Der Blick in die schwere Gehäuseabdeckung lässt erahnen, welch beruhigende Wirkung diese Masse in Verbindung mit ihrer Formgebung hat
Der Blick in die schwere Gehäuseabdeckung lässt erahnen, welch beruhigende Wirkung diese Masse in Verbindung mit ihrer Formgebung hat

Das originell gestaltete Gehäuse des Oladra besteht aus einer Boden-Rückwand-Einheit, die die gesamte Elektronik trägt und einer schweren Vorder-Seiten-Deckel-Einheit. Letztere verleiht dem Oladra sein einzigartiges, leichtfüßiges Design. Sie lässt ringsum keinerlei Verschraubung sehen und ist einteilig aus einer massiven Legierung gefertigt. Das Öffnen des Oladra gelingt einfacher als erwartet, wenn man die Vielzahl der Inbusschrauben in der Bodenplatte sieht, die die einzelnen Baugruppen im Inneren des Oladra arretieren. Denn die Schrauben, die zu Öffnen gelöst werden müssen, sind durch daneben aufgedruckte Kreuzchen markiert. Lediglich auf der Rückseite halten zwei weitere Schrauben zusätzlich den massiven Metallmantel. Da wir uns gerade das Gerät von unten anschauen, sind zwei Dinge zu bemerken: Da ist wieder das Mäuseklavier zu finden, das wir schon vom K50 kennen. Dies dient der Anpassung der nicht genormten I2S-Schnittstellen an den nachfolgenden DAC. Somit ist man hier in hohem Maße flexibel. Der zweite Blickfang sind die drei auffallend opulenten Füße des Oladra aus Edelstahl. Sie sind jedoch nicht einteilig massiv, sondern unterbrochen mit einer blauen Schicht eines Elastomers, dass der Dämpfung dient. Drehen wir den Oladra nun wieder um und stellen ihn auf diese drei Füße, können wir die Abdeckung anheben und nach vorn abziehen. Aber Vorsicht! Hier ist Masse im Spiel, und jetzt wird klar, wie die 21 Kilo zustande kommen. Ich habe nicht nachgewogen, behaupte aber, dass die Abdeckung zwei Drittel des Gesamtgewichts ausmacht. Das ist aber keine Spielerei, sondern eine konsequente Weiterführung der Konstruktion, die mich bereits in der K-Serie beeindruckte: die allerorts sehr Masse-behaftete Bauweise. Dieses modern gestaltete Gehäuse, das all meinen Besuchern in der Testzeit ausgesprochen gut gefiel, dient dank seiner Masse und Formgebung der mechanischen Beruhigung und damit vor allem dem Klang. So ein Aufwand hat seinen Preis. Und er setzt sich im Inneren fort. Massive Halterungen, im Oladra blau eloxiert, sorgen für Resonanzarmut. Beachtlich ist der Aufwand für die Kapselung des Schaltnetzteils, das drei Platinen – an ihren großen schwarz-goldenen Nichicon-Kondensatoren auf dem Foto gut erkennbar – zur Stabilisierung der Versorgungsspannung für die einzelnen Sektionen mit Strom beliefert. Der Clou für mich im Inneren ist die Arretierung des USB-Anschlusses. Offenbar weiß man bei Antipodes Audio sehr wohl um die Bedeutung dieses Ausgangs. Her werden häufig gewichtige und den Anschluss mechanisch belastende Kabel angeschlossen wie etwa mein Siltech Royal Signature Golden Universal II. Wohl deshalb hat man die USB-Buchse enorm aufwändig mit zwei verschraubten Metall-Elementen befestigt, von denen das obere erkennbar in die Aussparung der USB-Kapselung greift. Ich wette, an der Stelle wird nie etwas brechen – einfach genial! Im Inneren ist, wo man auch hinschaut, Qualität zu finden. Die Betriebs-Software ist auf einer 480-Gigabyte-Samsung-SSD implantiert, die am Gehäuseboden befestigt ist. Der K50 zeigt im Inneren dennoch mehr Opulenz, da er ja noch mit zwei fetten Ringkern-Trafos protzt, statt der hier eingesetzten Schaltnetzteil-Technik.

Viel drin und viel Klangqualität: Der Blick in das Innenleben macht Freude. Mich beeindruckte die Befestigung des USB-Ausgangs unten links besonders. Oben das aufwändig im blauen Alugehäuse gekapselte Schaltnetzteil
Viel drin und viel Klangqualität: Der Blick in das Innenleben macht Freude. Mich beeindruckte die Befestigung des USB-Ausgangs unten links besonders. Oben das aufwändig im blauen Alugehäuse gekapselte Schaltnetzteil

Das Testgerät kam im Flightcase, bestückt mit einer Samsung-Pro-SSD mit einem Terabyte, somit gleich ausgestattet wie mein K50. Beide zu vergleichenden Antipodes versorgen Audioquest-Hurricane-Source-Kabel mit Strom sowie Ansuz Ethernet-Verbindungen zum Ansuz Switch mit Daten. Umstecken musste ich jeweils nur das Audioquest-Dragon48-HDMI-Kabel für die I2S-Verbindung. Auf beiden Antipodes lief Roon sowohl als Server wie auch auf dem Player-Bord. Zum Einspielen surfte ich erst einmal eine Zeitlang auf Qobuz. Die Ocxo-Clock benötigt ihre Aufwärmzeit, und das elegante Gehäuse fühlte sich anfangs noch kalt an. Die Neugierde trieb mich aber sehr schnell dazu, bekannte Musik auszuwählen. Isata Kanneh-Mason mit Clara Schumanns „Klavierkonzert in a-moll, Op.7“ vom Album Romance machte den Anfang. Nach wenigen Takten schwante mir, dass ich einen Fehler gemacht haben könnte, indem ich den Oladra zum Test angenommen hatte. So kannte ich diese Musik nicht. Den Flügel habe ich bislang nicht so prägnant und facettenreich erlebt. Dieses Album ist etwas kompakt aufgenommen und strotzt nicht gerade vor Transparenz. Was der Oladra daraus macht, ist erstaunlich: Feinheiten erschließen sich klarer und mit mehr Klangfarbe. Als ich auf den K50 zurückwechselte, machte dieser einen relativ verhaltenen Eindruck, weil er, und dies ganz deutlich, nicht mit der gleichen Intensität und Feindynamik aufwarten konnte. Eric Burdon Declares War wählte ich als nächstes, um zu hinterfragen, ob der Oladra möglicherweise etwas kühler agiert, was ich aber bei Clara Schumann in keiner Weise erkennen konnte. Dies Album ist durchsichtig und keinesfalls sumpfig abgemischt. Jetzt – inzwischen ward dem Oladra auch wärmer – erlebte ich schier Unerwartetes: Einen derartigen Detailreichtum hatte ich nicht vermutet, oder besser gesagt: befürchtet. Nur ein Beispiel aus dem ersten Track „The Vision of Rassan Medley“: da gibt es eine Mmm-Gesangsbegleitung, die der Oladra zweifelsfrei mehrstimmig darbietet. Als ich den K50 zum Vergleich wieder spielte, hörte ich dies jetzt auch, aber weniger deutlich, dicklicher und auch nicht so authentisch. Es tönte breiiger und sonorer. Auch die Klangfarben der Perkussion bildet der Oladra plastischer, klarer und farbintensiver ab. Stimmen und Instrumenten verleiht er mehr Eigenständigkeit und präsentiert sie unmittelbarer.


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