tests/22-10-18_crystal
 

Crystal Cable da Vinci

18.10.2022 // Wojciech Pacuła

NF-Kabel: Siltech vs Crystal Cable

Der Vergleich der Siltech- und Crystal-Cable-NF-Kabel wirkt wie eine Linse, die die Charakteristika der da Vinci bündelt, die ich oben beschrieben habe: Der Klang ist fokussiert, kompakt und besitzt leicht abgerundete Kanten. Die vordere Ebene ist recht nah am Hörer. Das Klangbild wirkt nicht vergrößert oder gar aufgeblasen, es scheint nur so, als säßen wir ein wenig näher bei den Ausführenden. Die Ebenen hinter der Verbindungslinie zwischen den Lautsprechern werden wunderbar klar aufgebaut, wodurch die Stereophonie breit und ziemlich tief erscheint. Es handelt sich jedoch um eine sanfte Stereophonie, die unsere Aufmerksamkeit nicht so stark auf einzelne Schallereignisse lenkt, sondern vielmehr eine Art Hintergrund für das Geschehen im Vordergrund bildet.

Die Tonalität des NF-Kabels zeichnet sich durch eine tiefe Sättigung aus. Die Siltechs scheinen im Vergleich mit dem da Vinci etwas strenger zu spielen. Die Bässe sind beim Crystal Cable angenehm voll und gut kontrolliert. Auch bei Charlie Haden und Pat Methenys Album Beyond The Missouri Sky, das kürzlich bei UHQCD erschien, ist das so. Jahrelang war ich der Meinung, dass der Bass zu kräftig war und dass der Toningenieur es ein wenig übertrieben hatte. Aber als mein Equipment besser wurde und sich die Raumakustik verbesserte, wurde klar, dass das Problem nicht der Bass war, sondern die Elektronik und die Akustik, was nichts daran ändert, dass es auf dem Album wirklich viel Bass-Energie gibt. Das holländische NF-Kabel zeigte dies auf brillante Weise, da es den Klang einerseits voll und satt machte, ihn andererseits aber bestens kontrollierte. Es war eine andere Kontrolle als die des Siltech, weil sie weniger restriktiv und runder war.

b_850_0_16777215_10_images_content_tests_22-10-18_crystal_3Y8A2392.jpg

Das andere Ende des Frequenzbandes wird durch das da Vinci stark und ohne Schleier rübergebracht, stärker als beim Siltech. Der Nachhall auf George Michaels Gesang in der gerade veröffentlichten neuen BSCD2-Version von Older ist stark und sehr lang. Er dehnt sich sehr weit nach hinten aus und trägt Zischlaute mit sich, die längst verklungen sind. Dieser Nachhall, und damit die Zischlaute, waren beim da Vinci stärker und länger. Und doch war es immer noch eine sehr geschmeidige Wiedergabe – ein wahres Paradoxon. Und schließlich die Dynamik: Sie ist unglaublich. Die Geschwindigkeit bei der Ausführung eines Anschlags und die Effizienz bei der Energieverwaltung sind beim da Vinci die Referenz. Das Siltech ist auch ganz hervorragend, aber das Crystal Cable scheint mir in dieser Hinsicht um ein Haar besser zu sein.

CRYSTAL vs CRYSTAL

Der Vergleich zwischen da Vinci und Absolute Dream war für mich eine äußerst aufschlussreiche Erfahrung. Obwohl die in beiden Kabeln verwendeten Techniken ähnlich zu sein scheinen und die Kabel selbst auch ähnlich aussehen, unterscheiden sie sich klanglich signifikant. Ich nenne die Unterschiede aus Pflichtgefühl „signifikant“, obwohl ich eigentlich etwas krasseres schreiben wollte. Es ist nämlich so, dass das Absolute Dream ein großes Kabel ist. Ich mag es und benutze es. Ich weiß auch, dass das da Vinci doppelt so teuer ist. Der Unterschied zwischen diesen Kabeln ist jedoch nicht doppelt so groß, sondern noch viel, viel größer.
Das neue Kabel löst um ein Vielfaches höher auf. Es hat auch bessere Klangfarben, die weicher und stimmiger miteinander verbunden sind. Der Raum des Absolute Dream wirkt ein wenig komprimiert und axial fokussiert, während der des da Vinci ein echtes 3D-Spektakel bietet. Und schließlich scheint die Energie – die des absoluten Traums – im Vergleich zum da Vinci zurückgenommen zu sein. Im Vergleich zu jedem anderen Kabel in dieser Preisklasse würde das ältere Crystal Cable umwerfend klingen. Bei diesem Vergleich war der Unterschied jedoch frappierend.

Zusammenfassung

Ich habe ein paar Träume im Leben: Ich hätte gerne mehr Haare. Ich möchte meiner Tochter eine Wohnung in Krakau kaufen und meinem Sohn helfen, eine größere Wohnung zu kaufen, als er jetzt hat. Ich hätte gerne ein weiteres Siltech Triple-Crown-NF-Kabel zwischen Vorverstärker und Endstufe in meiner Anlage. Und ich hätte auch gerne eine komplette Crystal Cable da-Vinci-Verkabelung.
Die Realisierung einiger dieser Träume ist leichter vorstellbar: Zum Beispiel könnte das Haar auf meinem Kopf auf magische Weise seine Vitalität wiedererlangen. Es ist schwerer vorstellbar, dass es in meiner Stadt bezahlbaren Wohnraum geben wird. Ich wünschte, dass in Zukunft die Aufnahme eines kompletten Kabelsatzes der da-Vinci-Art-Series in meine Anlage Realität würde – als zweiter Satz neben dem Triple Crown von Siltech. Denn wer hat gesagt, dass Träume nicht wahr werden können? Das wünsche ich mir auch für Sie alle.

Den Kabeln verleihen wir gemeinsam mit dem Magazin Hifistatement.net die Auszeichung STATEMENT in High Fidelity | Polish Edition 2022. Der Award wird am 28. Oktober während der Audio Video Show in Warschau überreicht.

Die Preise

NF-Kabel 19.000 Euro für 1m
Lautsprecherkabel 36.590 Euro für 2m
Netzkabel 18.400 Euro für 2m


  • Alluxity Int One mkII

    Die Marke Alluxity war mir bisher fremd. Kann passieren. Das änderte sich schlagartig, als der dänische Vollverstärker Int One mkII in meinem Hörraum landete und ich mich ausgiebig mit ihm beschäftigen durfte. Achtung, Spoiler: Man sollte sich die Marke merken. Ich gebe es zu: Ich bin ein Dänemark-Fan. In jungen Jahren habe ich dort regelmäßig zwischen den Dünen am Strand geurlaubt und später dann einige wunderbare Jahreswechsel in gemütlichen Holzhäusern erlebt. Zudem ist mir der…
    27.01.2026
  • Rega Mercury / Solis

    Hifistatement hatte die Möglichkeit, Regas brandneue, im November 2025 erschienene Vor-/Endstufenkombination Mercury/Solis umfassend zu testen. Die Vorstufe hat einen hochwertigen DAC an Bord, die Endstufe liefert circa 300 Watt Ausgangsleistung an vier Ohm Impedanz. Mit diesen Boliden liefert Rega sein Verstärkerstatement! Der Name Rega löst bei mir unmittelbar diverse positive Assoziationen hervor, bislang zugegeben allesamt in der rein analogen Welt der Plattenspieler und Tonabnehmer verortet. So besaß ich unter anderen bereits einen Planar 1 oder…
    20.01.2026
  • Final UX5000

    Im Oktober habe ich den UX5000 in Warschau auf der Audio Video Show das erste Mal gehört. Zugegeben, Bluetooth-Overear-Kopfhörern gilt nicht unbedingt mein größtes Interesse, aber der UX5000 machte mich mit einigen Features neugierig auf einen Test. Final platziert das Modell an der Spitze seines Bluetooth-Kopfhörer-Line-Ups. Allein optisch spricht mich der UX5000 an. Schlicht und unauffällig, ohne ein Statement setzten zu wollen, um sich zwanghaft von der Masse abzuheben. Aber genau diese unaufgeregte Präsentation in…
    16.01.2026
  • Riviera Audio Laboratories APL1 und AFM70

    Den letzten Bericht über eine Vor-/Endstufen-Kombination schrieb ich vor beinahe anderthalb Jahren. Bis jetzt kam lediglich Wolfgang Kempers Test des Senna-Sound-Duos dazu. Sollte das daran liegen, dass es in diesem Bereich nicht allzu viele Innovationen gibt? Die edlen Amps von Riviera Audio Laboratories sind jedenfalls alles andere als Mainstream. Die Verbreitung von digitalen Verstärkermodulen hat zumindest bei mir dazu geführt, dass mich ein Großteil der modernen Endstufen-Kreationen einfach nicht mehr interessiert. Schaltnetzteile in Kombination mit…
    14.01.2026
  • Keces Ewave

    Nein, wir werden nicht zur PR-Abteilung von Keces oder Robert Ross' Vertrieb, der die Produkte aus Taiwan in Europa betreut und hierzulande vertreibt. Doch bei einem Gespräch über den Ephono+ merkte Robert Ross an, dass er soeben das erste Null-Serien-Modell des Keces-Switch erhalten habe und uns zusenden könne. Da konnte ich nicht widerstehen. Da die Serienmodelle noch im Januar ausgeliefert werden, kann ich mir mit dem Bericht über das Switch auch nicht allzu lange Zeit…
    09.01.2026
  • Keces Ephono+

    Nein, ich werde mich ab sofort nicht mehr nur mit günstigen Hifi-Komponenten beschäftigen, auch wenn durch den Test des erschwinglichen Eversolo DAC-Z10 und des Ephono+ der Eindruck entstehen konnte. Denn obwohl Keces der Signalverarbeitung und dem Netzteil je ein eigenes Gehäuse spendiert, ist die Phonostufe für gerade einmal 1.200 Euro zu haben. Ich habe zwar gegenüber Komponenten mit moderaten Preisen genau so wenig Berührungsängste wie gegenüber solchen mit exorbitant hohen – wie sich Anfang des…
    23.12.2025

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.