tests/24-04-23_merason
 

Merason Reuss

23.04.2024 // Finn Corvin Gallowsky

Weiter geht es mit einer Klavieraufnahme. Ich höre Liszts Réminiscences de Norma in der Einspielung von Marc-André Hamelin, 2020 auf dem Album Liszt & Thalberg: Opera Transcriptions & Fantasies erschienen. Die Tiefe und Dreidimensionalität, mit der der Flügel in dieser Aufnahme vom Merason dargestellt wird, ist fantastisch. Die Feinfühligkeit für die Obertöne des Klaviers, besonders wenn sich Töne mischen und das Obertonspektrum dadurch kleinschrittig beeinflusst wird, ist beeindruckend. Einzelne Klänge wirken unglaublich rein, freischwebend, ohne auch nur einen Hauch von Härte oder Irritation. Trotzdem klingt die Wiedergabe alles andere als weichgespült oder übermäßig milde. Der Flügel wirkt organisch, strahlend und hochenergetisch. Der Wandler schafft es, die Größe und Eleganz des Instruments als Einheit zu vermitteln und zeichnet nicht nur isolierte Töne der jeweils angeschlagenen Saiten nach.

Unten im Bild sind die beiden identischen BurrBrown 1794A-Wandler zu sehen
Unten im Bild sind die beiden identischen BurrBrown 1794A-Wandler zu sehen

Ich verstehe so langsam, was die Merason-Philosophie ausmacht. Die anachronistische Wandlerwahl resultiert tatsächlich in einer Klangcharakteristik, die mich unmittelbar anspricht. Aus Friedemann Witeckas Album The Concert lässt sich nicht unbedingt ein konkretes Beispiel nennen, denn gerade die Langzeitwiedergabe mit dem Reuss offenbart seine Anziehungskraft. Die Genauigkeit und besondere Energiefülle kleiner Schallereignisse, der Wohlklang des Ensembles, dieser ruhige, ja fast beruhigende, Fluss der Musik, die große Offenheit des Klangbildes, die präzise und weitgreifende Raumabbildung, all diese Faktoren münden in einer geradezu leidenschaftlichen Qualität, der ich mich nicht entziehen kann und nach kurzer Zeit schon gar nicht mehr entziehen möchte.

Die in der Ausgangsstufe verwendeten Folienkondensatoren kommen von Vishay
Die in der Ausgangsstufe verwendeten Folienkondensatoren kommen von Vishay

Noch eindrucksvoller wird die Wiedergabe, sobald ich vom Analogeingang des Brooklyn DAC+ auf meine Mini-Vorstufe Violectric PRE V630 umsteige, die normalerweise die Signale für die Neumann KH120 auf meinem Schreibtisch vorsortiert. Im Vergleich zum Betrieb am Brooklyn verschwindet das letzte bisschen Hintergrundrauschen in absoluter Stille. Und die Klänge, die sich aus dieser Stille erheben, sind nochmals um ein Vielfaches schöner als bisher. Ohne Frage, eine gute Vorstufe ist dem Reuss vollumfänglich zuträglich. Beim oft von mir gehörten „Jinete viento“ von Renaud Garcia-Fons Album Le souffle des Cordes bin ich mir mit dem Reuss und PRE V630 ganz sicher, dass ich dieses Stück so vorher noch nicht auf meiner Anlage gehört habe. Diese Kombi arbeitet einfach noch mehr Raumtiefe und Instrumentendefinition heraus. Die Bogenstriche der verschiedenen Instrumente wirken leidenschaftlicher, noch meisterhafter geführt. Und obwohl der Reuss so überaus musikalisch und organisch agiert, ist er doch ein beeindruckend auflösender und detailreicher Wandler. Bei diesem Stück kann er zusätzlich ein hohes Maß an Kontrolle über das komplexe Arrangement beweisen, denn es neigt in anderen Konstellationen dazu, überladen und etwas unpräzise dargestellt zu werden – nicht mit dem Reuss. Ich kehre noch einmal zurück zu dem Stück „Passion and Pride“ aus Friedemanns The Concert. Auch hier lässt die ins Spiel gebrachte Vorstufe den Reuss noch stärker glänzen. Der Konzertsaal wirkt noch greifbarer, das Publikum im Raum genauer verortbar. Gleiches gilt für das Schlagzeugsolo: Schon vorher ist es als besonders impulsiv und dynamisch aufgefallen. Aber gerade gegen Ende, wenn zunächst Keyboarder Kurt Eisfeld tief in die Synth-Klischee-Trickkiste greift und ein Klatschsolo folgt, herrscht einfach noch einmal ein anderes Level an Authentizität, Attacke und Separation der Instrumente.


  • Ortofon MC Vertex

    Die bisherigen Topmodelle von Ortofon, das Anna, das Anna Diamond und das Diamond, ähnelten einander auch optisch stark. Das Vertex macht schon durch sein Erscheinungsbild klar, dass es anders ist. Es ist der erste Tonabnehmer mit einem Diamanten mit Vertex-Schliff. Soweit mir bekannt, ist das der erste neue Nadelschliff seit rund 40 Jahren. Aber das ist nicht die einzige Veränderung gegenüber dem MC Diamond: Der Generator des Vertex besitzt einen deutlich höheren Innenwiderstand, die Nadelnachgiebigkeit…
    15.09.2026
  • Phonar Veritas M4.2 SE

    Es hat mir bislang stets Vergnügen bereitet, mich mit Phonar Lautsprechern zu beschäftigen. Nach einem Test kaufte ich die Veritas 9.2 SE und genieße seitdem ihre Musikalität. Phonar überzeugte immer wieder mit einem außergewöhnlich attraktiven Preis-Klang-Verhältnis. Bestätigt die neue, kompakte Phonar Veritas M4.2 SE diese Erfahrungen? Mein eindrucksvollstes Phonar-Erlebnis hatte ich vor zwei Jahren mit der Standbox Veritas p4.2 Next, die aktuell für einen Paarpreis von 2400 Euro auf der Phonar-Website zu sehen ist. Genau…
    08.09.2026
  • Ayon Iris Signature Streamer

    Auf der High End Vienna haben Dirk Sommer und ich den Ayon Iris erstmals entdeckt – nun steht der außergewöhnliche Streaming-Player bei uns bereits zum Test. So frisch ist der Iris, dass selbst die Roon-Zertifizierung zum Testzeitpunkt noch läuft. Brandneu, doch der Iris kommt keineswegs aus dem Nichts: Wer die Entwicklung der digitalen Ayon-Komponenten verfolgt hat, erkennt eine kontinuierliche Beschäftigung mit dem Thema Streaming. Auch wir konnten diesen Weg begleiten – nach dem S3 und…
    01.09.2026
  • Sumiko Starling

    Mein letzter Test eines Tonabnehmersystems befasste sich mit dem Sumiko Oriole. Nun drehen sich für diesen Test meine Schallplatten unter dem Sumiko Starling, dem teuersten System aus der Sumiko Referenz Serie. Nachdem ich überaus positiv überrascht vom Test des Oriole war und dies Peter Laitenberger vom deutschen ATR Vertrieb mitteilte, empfahl mir dieser mir doch einmal das Sumiko Starling anzuhören. Gesagt, getan und bereits wenige Tage später kam das kleine Päckchen mit dem Starling zu…
    28.08.2026
  • Ayon Spark V

    Der Röhrenvollverstärker Spark ist mittlerweile seit über 20 Jahren ein fester Bestandteil des Produktportfolios von Ayon. Preislich eher im Einstiegssegment der Österreicher und nominell unterhalb der Evolution-Serie angesiedelt, hat dieses Gerät aufgrund der eingesetzten russischen Triode 6C33 das Potenzial zum Hidden Champion. Spätestens seit meinem Test des Boliden Ayon Crossfire Evo maße ich mir an, ein Kenner der Marke Ayon zu sein, zumal mir diverse andere Geräte der Marke im Laufe der Jahre zu Gehör…
    25.08.2026
  • Eversolo T10

    Eversolos Streamer DMP-A10 beeindruckte mit seinem hervorragenden Preis/Leistungsverhältnis und seiner prallen Ausstattungsfülle. Aber in meiner Kette im Wohnzimmer mit M-Scaler und HUGO 2 arbeitet er nur als reiner Datenlieferant. Kann das Eversolos neuer Streaming Transport T10 noch besser? Zumindest nach dem ersten Blick auf das rückseitige Anschlussfeld darf man das vermuten, denn dort befinden sich wie beim Eversolo DAC-Z10 zwei BNC-Anschlüsse für die Verbindung mit einer externen Clock, entweder mit einer Impedanz von 75 oder…
    21.08.2026

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.