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Ferrum WANDLA HP / GoldenSound Edition

12.11.2024 // Dirk Sommer

Sobald man die GoldenSound Edition im WANDLA über das Touch Display gewählt hat, ist die Elevated-Digital-Headroom-Schaltung aktiv – ganz unabhängig davon, ob einer oder mehrere der drei Klangoptimierungen in Betrieb sind. Dabei geht es um sogenannte Inter-Sample-Distortions. PCM bildet ja nur eine Reihe von Lautstärkewerten ab, um eine Wellenform zu beschreiben. Stellen sie sich zum Beispiel die ansteigende Flanke einer Sinus-Schwingung vor. Wenn einer der Messpunkte nicht zufällig genau auf den Scheitelpunkt fällt, werden die Werte links und rechts davon gespeichert. Liegt die Aussteuerung nahe bei 0 dBss, bekommt man ein Problem: Bei der Rekonstruktion der Wellenform zwischen den einzelnen Messpunkten müsste das Signal nach dem Wert links vom Scheitelpunkt noch weiter ansteigen, um dann nach dem Erreichen desselben wieder abzufallen. Die Kurvenform zwischen den Messwerten rechts und links des Scheitelpunkts befände sich dann aber oberhalb von 0dBss. Das kann der Wandler aber nicht darstellen. Er verbindet die beiden dem Scheitelpunkt nächsten Messpunkte einfach durch eine Gerade: Das Signal ist verzerrt. Erfahrene Mastering-Ingenieure wie Christoph Stickel folgen daher nicht bedingungslos den Wünschen von Produzenten und Musikern nach allerhöchstem Pegel, sondern kalkulieren mindestens ein, in Extremfällen wie beispielsweise Gitarrenmusik sogar zwischen drei und maximal vier Dezibel Headroom mit ein. Bei CDs oder Files mit Verzerrung soll der WANDLA GoldenSound Edition diese weitestgehend beseitigen.

Diese drei Maßnahmen zu individuellen Klangverfeinerung stellt das Plug In zu Verfügung
Diese drei Maßnahmen zu individuellen Klangverfeinerung stellt das Plug In zu Verfügung

Wer den WANDLA HP mit den klanglichen Möglichkeiten der GoldenSound Edition nutzen möchte, muss das Plug In dafür nach dem Erwerb des Wandlers bestellen. Eine GoldenSound Edition wie beim WANDLA ohne Kopfhörerausgang kann hier nicht ab Hersteller geordert werden. Da der Platz im WANDLA beschränkt ist, konnte hier nur eine Verstärkerplatine integriert werden, die an der 4,4-Millimeter Pentaconn-Buchse ein Watt bei einer Impedanz von 50 Ohm für unsymmetrisch verbundene Kopfhörer bereitstellt, während es für symmetrische Kopfhörer 3,5 Watt sind. Damit liege die maximale Ausgangsleistung zwar unter der des ERCO und erst recht unter der des OOR, erläuterte Firmenchef Marcin Hamerla, versichert aber, dass man beim WANDLA HP im Sachen Klangqualität keinerlei Kompromisse eingegangen sei. Da komme der HP selbst dem OOR unverschämt nahe, der mich vor einigen Jahren mit seiner ungemein stimmigen und musikalischen Spielweise nachhaltig beeindruckte, aber leider schon vor langer Zeit meinen Hörraum verlassen hat. Ferrum liefert den WANDLA HP mit einem Pentaconn-auf-6,3-Millimeter-Klinke-Adapter aus, und den sollte man auch unbedingt verwenden, da es auf dem Markt auch Exemplare gibt, die für die symmetrisch beschaltete Pentaconn-Buchse nicht geeignet sind. Dem auf der Messe bestens eingespielten Gerät spendierte ich noch eine weitere Woche am Netz, jedoch nur mit dem mitgelieferten Schaltnetzteil, da eines meiner Ferrum HYPSOS den M-Scaler im Arbeitszimmer speist und das zweite im Wohnzimmer die M-Scaler/HUGO-2-TT-Kombination.

Die Bedienung erfolgt über das Touch-Display
Die Bedienung erfolgt über das Touch-Display

Wie so oft beginne ich beim Hören über Kopfhörer mit dem Album Changing Places des Tord Gustavsen Trios und ohne klangliche Beeinflussung genieße ich „Deep As Love“ und „Graceful Touch“ mit dem voreingestellten Apodizing Filter vom Schöpfer des HQPlayers. Damit klingt der WANDLA HP extrem homogen, sehr dynamisch und offen. Auch wenn ich den symmetrisch verkabelten Sendy Audio Peacock recht gut kenne, kann ich die Qualität des Ferrum ohne Vergleich über einen Kopfhörer nur schwer einschätzen. Also verbinde ich die symmetrischen Ausgänge des WANDLA mit der WestminsterLab-Vorstufe, umgehe die interne Lautstärkeregelung des DACs und staune, wie begeisternd und emotional ansprechend der Ferrum beispielsweise „IGN“, den dritten Song des Albums, erklingen lässt: Die Raumanmutung ist glaubhaft, Klangfarben und Dynamik erreichen ein sehr hohes – mit Blick auf den Preis des WANDLA, sollte ich besser schreiben: extem hohes – Niveau. Da vermisse ich meine mehrfach teurere Digital-Lösung erst einmal kein bisschen.


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