Eingespielt wurde der Egret in über 50 Stunden Dauerbetrieb am Lotoo Mjölnir. Zum ersten mal reingehört habe ich, als er mit Chord Electronics' Mojo verbunden war, der die Files mittels Audirvana von einem MacBook Air bezog. Die Daten waren auf einer SanDisk Extreme Pro gespeichert, sicherlich keine High-End-Kette. Dennoch macht Abdullah Ibrahims und Ekayas Album Sotho Blue über den Egret einfach Spaß. Der Bass kommt druckvoll, bestens definiert und immer mal wieder mit einem kernigen Knarzen rüber. Die Klangfarben der verschiedenen Bläser sind enorm variantenreich, jedoch eher auf der warmen Seite. Das heißt aber nicht, dass einen die Musik wohlig einlullt. Das Blech besitzt den nötigen Biss, Transienten wirken sehr realistisch, und auch der Groove der Combo lässt einen nicht unbeteiligt. Der kleine Mojo reicht völlig aus, um mit dem SendyAudio eine Menge Freude zu haben.

Wie der Egret – der Name bedeutet übrigens Silberreiher und deren Silhouetten im Flug sollen das Muster der Gitter auf den Ohrmuscheln inspiriert haben – auf die Qualität seines Zuspielers reagiert, lässt sich leicht mit Hilfe des Mjölnir ermitteln, der sowohl über eine Pentaconn-Buche für eine symmetrische Verbindung als auch einen 3,5-Millimeter-Anschluss verfügt. Ich beginne mit Letzterem und Ravi Shankars „West Eats Meat“ vom Album Tana Mana. Da fehlt mir ohne Vergleich gar nichts, ich kann den vertrauten Song einfach nur genießen. Und das ist auch gut so, denn die Unterschiede zur Wiedergabe im symmetrischen Modus sind relativ gering, aber dennoch eindeutig: Nach der notwendigen Lautstärkeangleichung ist im symmetrischen Betrieb ein etwas größerer imaginärer Raum wahrzunehmen. Die Instrumente werden von ein bisschen mehr Hall umgeben, und auch die nun noch minimal entfernter in der Tiefe der Bühne stehende Pauke kommt mit etwas mehr Druck rüber. Da sind keine riesigen klanglichen Verbesserungen – die sind beim bisher rundum überzeugenden Egret ja auch nicht nötig. Aber wenn man die Gelegenheit hat, den SendyAudio symmetrisch anzusteuern, sollte man dies auch tun.

Um dem Egret ein noch besseres Signal anzubieten, verbinde ich die Ausgänge des DAVE mit dem SPL Phonitor x und bemerke erst da, dass ich dem Egret nur das zweitbeste Signal anbieten kann. Denn der SPL bietet nur einen symmetrischen vierpoligen XLR- sowie einen 6,3-Millimeter-Klinkenausgang. Da ich weder über ein SendyAudio-Kabel mit einem XLR-Stecker verfüge noch über einen Pentaconn-auf-6,3-Millimeter-Adapter, muss ich den Egret mit den beiden mitgelieferten Adaptern verwenden, um ihn unsymmetrisch an den Phonitor anzuschließen. Aber das macht trotz aller audiophilen Bedenken wegen der Zwischenstücke und den minimal höheren Übergangswiderständen zwischen den eigentlich unnötigen zusätzlichen Kontakten nichts: Der SendyAudio dankt die Integration in meine große Kette mit einer deutlich besseren Durchzeichnung, einer fast dreidimensionalen Abbildung, mehr Drive und druckvolleren und gleichzeitig knackigeren Bässen. Da macht „West Eats Meat“ so viel Spaß, dass ich mich fast zu der Aussage hinreißen lassen könnte, einen teureren und besseren Kopfhörer als den Egret braucht kein Mensch.

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