tests/26-04-28_pro-ject
 

Pro-Ject Flatten it

28.04.2026 // Hifistatement

Pro-Ject selbst spricht in seinem Werbetext für den Flatten it nicht nur vom Glätten der Schallplatten, sondern auch von einer Klangverbesserung. Für mich ist dieser Aspekt des Temperns auch der interessantere, da bei leicht welligem Vinyl das Brinkmann-Fest-Klemmsystem hervorragende Dienste leistet und ich keine nicht spielbaren LPs besitze oder zumindest nicht finde. Eine David-Bowie-LP aus sehr dünnem Vinyl, The Man Who Sold The World, hat eine ausgeprägte Schüsselform, die der Fest problemlos kompensiert. Nach dem Bügeln mit dem Pro-Ject lag sie absolut plan auf, und ich hätte auch ein anderes Plattengewicht, wie beispielsweise das interessante Lehmann 3S mit dem dämpfenden Federsystem einsetzen können. Das wäre zuvor mit der Schüssel nicht möglich gewesen, denn da hätte das Vinyl auf einer LP-Seite in der Luft gestanden. Bügeln bewirkt das Glätten gewellter Platten und entspannt gleichzeitig das Vinyl, was eine gesteigerte Klangqualität bewirken soll. Für das Tempern zur Klangverbesserung alleine würde eine niedrigere Temperatur von 52 Grad wie bei der AFI oder sogar weniger ausreichen. Eine Temperatur-Einstellung in dieser Größenordnung bietet der Pro-Ject nicht. Deshalb sollte man die eine oder andere unwiederbringliche Scheibe im Pro-Ject vorsichtshalber nicht behandeln. Denn es bestehen, wie gesagt, in den USA gefertigte LPs oft aus einem Vinyl, das hohe Temperaturen nicht verträgt. Im Forum der Analog Audio Association (Erfahrungen mit AFI Flattener Flat-Duo - Seite 6 - Phono - allgemein - Analogue Audio Association) lassen sich zu dem Thema interessante Erfahrungsberichte finden, die sich überwiegend auf die von Dirk Sommer hier getestete AFI Flat.Duo beziehen. Auch Pro-Ject weist in der Bedienungsanleitung auf diese Problematik hin. Ebenso ist es nicht ratsam, Picture Discs wegen der zusätzlichen Beschichtung zu bügeln.

Die beiden Alu-Flächen, zwischen denen das Vinyl erwärmt wir, lassen sich leicht sauber halten
Die beiden Alu-Flächen, zwischen denen das Vinyl erwärmt wir, lassen sich leicht sauber halten

Meine etwa gleich alten zwei Exemplare des wunderbaren Klangspektakels La Fille Mal Gardée von Ferdinand Hérold, arrangiert von John Lanchbery, sollen als erstes darüber Aufklärung bringen, was sich klanglich durch das Bügeln oder jetzt besser Tempern verändert. Ein Exemplar der beiden La Fille Mal Gardée wurde behandelt, und zwar entsprechend der Empfehlung für zwei Stunden nach der Aufheizphase plus anschließender langsamen Abkühlung. Die Aufheizphase geriet erheblich kürzer als geplant, nämlich nur etwa zwanzig Minuten. Dann war die Soll-Temperatur von 58 Grad Celsius – man kann den Vinyl-Bügler auch auf Fahrenheit umschalten – erreicht. Ein leise vernehmbarer Thermoschalter ließ den Heizvorgang abbrechen und die Temperaturanzeige sank langsam auf 56 Grad. Wiederum klickte der Thermoschalter und ließ die Temperatur wieder auf 58 Grad ansteigen. Das ging so über die zwei Stunden hin und her. Sind diese verstrichen, muss wie gesagt von Hand von Heating auf Cooling umgeschaltet werden. Pro-Ject gibt die zwei Stunden als Richtwert an. Ein längeres Heizen des Vinyls kann bei starken Verwellungen möglicherweise sinnvoll sein, sicherer ist eine Wiederholung des gesamten Vorgangs durch Aufheizen und langsamen Abkühlen. Der Deckel des Flatten it ist nach diesen zwei Stunden angenehm handwarm. Er ist eine Sandwich-Konstruktion aus zwei Aluminium-Platten, zwischen denen eine graue Dämmschicht liegt. Für die Abkühlung auf unter 26 Grad brauchte die nicht sehr dicke Decca LP deutlich mehr als eine Stunde. Die langsame Abkühlung ist der Sache dienlich und sollte deshalb geduldig akzeptiert werden. Pro-Ject empfiehlt eine Abkühlung bis 30 Grad, was dann auch der in der Anleitung genannten einen Stunde entspricht. Bei 26 Grad entnahm ich also die La Fille Mal Gardée und legte sie auf den Brinkmann Bardo. Sie war perfekt plan im Gegensatz zu dem leicht welligen Vergleichs-Exemplar, das ich bereits zuvor einige Male gehört hatte, um mich an die Musik zu gewöhnen. Ich hatte ja keine Ahnung, wie groß der Klangunterschied sein würde und wie sehr ich die Ohren würde spitzen müssen.

Diese zum Lieferumfang gehörende Hülle aus Papier soll vor Staub im Gerät schützen. Ihr Nutzen erschließt sich mir aber nicht wirklich
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